Ausstellung

Melvin Edwards: Some Bright Morning

Erste umfangreiche institutionelle Einzelausstellung Edwards‘ in Europa im Fridericianum

© Der Künstler, Courtesy Galerie Buchholz

Der Bildhauer Melvin Edwards gilt als Pionier der afroamerikanischen Gegenwartskunst. Seine abstrakten Arbeiten verweisen auf die US-Bürgerrechtsbewegung der 1950/60er Jahre und die Abschaffung der Rassentrennung.

Edwards wurde 1937 in Houston geboren. Mittlerweile weit über achtzig, ist er vor allem für seine Arbeiten aus der Serie „Lynch Fragment“ bekannt, für die er bevorzugt metallene Gegenstände wie Ketten, Haken und Scheren zu kleinformatigen, reliefartigen Wandarbeiten verschweißt. Diese Wandarbeiten sind klarer Ausdruck seines gesellschaftspolitischen und kulturellen Bewusstseins.
Seit den 1960er Jahren ist Edwards‘ Werk in den USA und immer wieder auch im ebenfalls kolonial geprägten Brasilien in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt worden, vereinzelt auch in europäischen Galerien.

Abseits der Galerien ist ihm jedoch in Europa noch keine Einzelausstellung gewidmet worden. Zu diesem späten Zeitpunkt in seiner Karriere möchte das Kasseler Fridericianum dies nun nachholen. Die Ausstellung „Some Bright Morning“ ist damit seine erste institutionelle Einzelausstellung in Europa.

Förderzeitraum30. August 2024 bis 12. Januar 2025
VeranstaltungsortFridericianum, Kassel
Fördersumme7.000 Euro
Webseitewww.fridericianum.org

Theater

#armutsbetroffen

Helge Schmidts Inszenierung aus der Perspektive armutsbetroffener Menschen in Deutschland

© Lani Tran Duc

Der Hashtag #IchBinArmutsbetroffen gibt 17% der deutschen Bevölkerung eine Stimme. In seiner neuen Inszenierung nimmt Helge Schmidt die Problematik in den Blick.

Seit einigen Jahren ist die Armut in Deutschland auf hohem Niveau stabil, während gleichzeitig ausgerechnet die Kinderarmut weiter ansteigt. Arme Kinder haben geringere soziale und berufliche Aufstiegschancen – wer arm ist, bleibt zumeist arm. Auch andere marginalisierte Bevölkerungssegmente sind überproportional von Armut betroffen. Dies betrifft zum Beispiel Geflüchtete, aber auch immer noch Ostdeutsche wie auch Menschen, die sich in der Pflege von Angehörigen engagieren (müssen) – und Frauen, vor allem alleinerziehende. Seit dem 12.5.2022 gibt es den Hashtag #IchBinArmutsbetroffen, unter dem sich mittlerweile eine basisdemokratische Graswurzel-Bewegung subsummiert.

Helge Schmidts Inszenierung nähert sich diesem Thema aus zwei Richtungen: Zum einen basiert der Stücktext auf Biografien und Alltagserfahrungen von zehn Aktivist*innen der #armutsbetroffen-Bewegung. Auf der Bühne schneiden drei Schauspielerinnen diese Positionen mit Literatur und wissenschaftlichen Texten zu Armut und Intersektionalität gegen. So entsteht eine auch humorvolle Inszenierung, die Betroffene sichtbar, nicht aber betroffen machen will.

Mit dem Hamburger Helge Schmidt nimmt sich ein faustpreisgekrönter Regisseur (2019 für die „Cum-Ex Papers“) eines der relevantesten Themen unserer Zeit an. Bewusst verzichtet er auf Experteninterviews und Videoeinspieler, um den persönlichen Berichten der Armutsbetroffenen Raum zu geben, und achtet auch darauf, dass sowohl Menschen aus West- als auch aus Ostdeutschland zu Wort kommen.

FörderzeitraumJuni 2025
VeranstaltungsortLICHTHOF Theater Hamburg und TD Berlin
Fördersumme3.900 Euro
Webseitewww.zweieulen.de

Musiktheater

Haugtussa

Eline Arbos Interpretation von Griegs Liederzyklus bei Ivo van Hoves erster Ruhrtriennale

© Erika Hebbert

In ihrer Interpretation von Edvard Griegs einzigem Liederzyklus inszeniert die norwegische Regisseurin Eline Arbo Musiktheater als Feier des Andersseins.

Ivo van Hoves Intendanz der Ruhrtriennale steht unter dem Motto „Longing for Tomorrow“. Eines der Highlights seiner ersten Spielzeit ist Eline Arbos Interpretation der „Haugtussa“ – ursprünglich ein auf dem Text des norwegischen Autors Arne Garborg basierender Liederzyklus für Sopran und Klavier, der einzige Zyklus des ebenfalls aus Norwegen stammenden Komponisten Edvard Grieg.

Haugtussa weiß schon als Mädchen, dass sie anders ist und in der Gemeinschaft keinen Platz findet. Haugtussa flieht in die Natur, sucht nach sich selbst und findet ihre erste große Liebe, die ihr noch mehr Schmerz bereitet. Sie ringt mit ihrer Andersartigkeit und verliert sich zwischen äußeren Erwartungen und inneren Visionen. Wie in einer Coming-of-Age-Geschichte findet Haugtussa bei Arbo jedoch aus den seelischen Konflikten heraus zu einer Klarheit, in der sie das Leben als so unlogisch wie pulsierend zugleich annehmen kann.

Arbo besetzt Haugtussa mit Mezzosoprano Adrian Angelico. Daneben treten das Ensemble des Nationaltheatret Oslo und die Pianistin Ingrid Andsnes auf – ein ganz besonderes sinnliches Hörerlebnis. Die Begegnung des Stoffs mit der Gegenwart findet in Thijs van Vures Fassung ihre Entsprechung, in der er Griegs Komposition mit zeitgenössischer elektronischer Musik kombiniert.

Eline Arbo leitet seit Spätsommer 2023 das renommierte Internationaal Theater Amsterdam (ITA), ein Amt, das zuvor Ivo van Hove selbst innehatte.

Förderzeitraum13., 14. und 15. September 2024
VeranstaltungsortJahrhunderthalle Bochum
Fördersumme8.000 Euro
Webseitewww.ruhrtriennale.de/de/programm/haugtussa

Musiktheater

Wagner weltweit

Sounding Situations‘ Analyse der Wagner-Gruppe auf Kampnagel und an der Deutschen Oper

© KI-generiertes Bild

Sounding Situations untersuchen die Beziehung zwischen dem Mythos um den Komponisten Richard Wagner und der Realität heutiger Kriege anhand der Selbstverortung der Wagner-Gruppe in dessen Narrativen.

Am 23. Juni 2023 unternahm die russische Söldnergruppe Wagner um Jewgenji Prigoschin mit ihrem „Marsch auf Moskau“ einen Putschversuch. Zwei Monate später kam Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg ums Leben; mutmaßlich ein Attentat. Die Söldnergruppe nennt sich nach dem deutschen Komponisten, ihre Mitglieder bezeichnen sich selbst als Musiker, ihre Waffen als Instrumente: Krieg ist für sie ein Gesamtkunstwerk.

„Wagner weltweit“ widmet sich der Frage nach der Macht von Kunst, nach ihrer Verantwortung für reale Ereignisse und ihren Möglichkeiten der Einflussnahme – anhand dieses sehr aktuellen Negativbeispiels: Wurde Wagner schon von den Nationalsozialisten instrumentalisiert, erlebt diese Form der (Ver-)Wertung des Komponisten nun bei der russischen Söldnertruppe ein makabres Revival. Handelt es sich um eine Vereinnahmung Wagners? Oder gibt es in dessen Themen- und sonorem Spektrum nicht auch Tendenzen, die der nationalsozialistischen Gedankenwelt ohnehin nah stehen?

Sounding Situations nehmen die Herausforderung an, im vollen Bewusstsein des ideologischen Potenzials von Musik und Kunst im Allgemeinen Verantwortung zu übernehmen und künstlerische Angebote zu machen, die zu Gegenentwürfen zu Krieg und Entzweiung taugen.

Das dreiköpfige Kernteam arbeitet für „Wagner weltweit“ mit vier Musikerinnen und Musikern zusammen, darunter die russische Mezzosopranistin Maria Markina, seit 2010 Ensemblemitglied der Staatsoper Hamburg.

FörderzeitraumPremiere im Winter 2024/25 auf Kampnagel

13.-15. Juni 2025 an der Deutschen Oper

VeranstaltungsortKampnagel, Hamburg

Deutsche Oper, Berlin

Fördersumme5.000 Euro
Webseitewww.sounding-situations.com

Bildende Kunst

Deutscher Pavillon auf der Biennale in Venedig

Mit Arbeiten von Yael Bartana, Ersan Mondtag und Anderen

© Andrea Rossetti

Unter dem Titel „Thresholds“ erzählt der Beitrag für den Deutschen Pavillon zur Kunstbiennale in Venedig 2024 Geschichte und Zukunft aus der Perspektive verschiedener künstlerischer Positionen.

„Thresholds“ steht für die Gegenwart als Schwelle – ein Ort, an dem niemand bleiben kann und den es nur gibt, weil etwas war und wenn etwas sein wird. Für Menschen, deren Biografie von Migration geprägt ist, geht die zeitliche Wahrnehmung der Gegenwart als Schwelle zusätzlich mit der räumlich-körperlichen Grunderfahrung eines Lebens auf der „Schwelle“ zwischen Zugehörigkeiten einher.

Der künstlerische Beitrag für den Deutschen Pavillon sucht in drei Szenarien den Umgang mit Schwellen, Stufen und Grenzen.
Yael Bartana entwirft Möglichkeiten eines zukünftigen Überlebens zwischen Dystopie und Utopie. Ersan Mondtag beschäftigt sich mit der Frage, was passieren würde, wenn es möglich wäre, vergangene Epochen als Lebensräume wieder aufleben zu lassen, und setzt dem monumentalen Charakter des Pavillons eine fragmentarische, scheinbar kleine Erzählung entgegen.

Neben den Arbeiten von Bartana und Mondtag im Pavillon entwirft der deutsche Beitrag ein drittes Szenario und schlägt eine Brücke zu einem Ort abseits der Giardini: der Insel La Certosa. Mit diesem Schritt nach außen fokussiert „Thresholds“ die Bedeutung der Schwelle als Moment zeitlicher und räumlicher Übergänge. Auf der Insel zeigen Michael Akstaller, Nicole d’Huillier, Robert Lippok und Jan St. Werner ihre Arbeiten.

„Selten hat der Deutsche Pavillon so überwältigt.“ (ZEIT Online)

Förderzeitraum20. April bis 24. November 2024
VeranstaltungsortBiennale von Venedig, Italien
Fördersumme50.000 Euro
Webseitewww.labiennale.org/en

Film

Reports from the Void

Ein Film von Martina Mahlknecht und Martin Prinoth

© Martina Mahlknecht, Martin Prinoth

In einer Kollaboration zwischen dem Regieduo und zwei italienischen Kriegsfotograf*innen begibt sich der Fotofilm auf eine Reise durch deren Archive, die Kriege und Katastrophen weltweit dokumentieren.

In welchem Verhältnis stehen Zeuge und Zeugnis in Abbildungen der Katastrophe?

In ihrem Fotoatelier mit Blick auf den Vesuv und das Meer vor Neapel betrachten eine Kriegsfotografin und ein Kriegsfotograf in der Mitte ihrer Laufbahn rückblickend ihre Fotos aus weltweiten Krisengebieten. Die Corona-Pandemie verhindert ihre geplanten Reisevorhaben ins Ausland und hält sie in ihrer Heimatstadt fest. In ihren Erinnerungen kehren sie an die Orte ihrer Fotografien zurückkehren und berichten von deren Entstehungskontext.

Der Film nutzt diesen unerwartet kontemplativen Moment in einer von Geschwindigkeit bestimmten Medienwelt, um gemeinsam mit den Fotograf*innen ihre bisherigen Arbeiten zu betrachten und dabei die aktuelle Krise des fotojournalistischen Bildes zu reflektieren.

Während sie sich mit ihren eigenen Kameras gegenseitig fotografieren, spüren sie dem Moment der Zeugenschaft von Bildern nach und
fragen nach dem menschlichen Drang, Bilder von Tod und Zerstörung zu
produzieren. Der dreißigminütige Fotofilm umkreist, was der italienische Philosoph Giorgio Agamben die “Lücke” nennt, die jedes Zeugnis im Kern enthält.

Der ruhige Filmrhythmus schafft einen Raum konzentrierter gegenseitiger Betrachtung, der sich als Kontrapunkt zur schnelllebigen Nachrichtenindustrie versteht, an deren vorderster Front die beiden Protagonist*innen stehen.

Förderzeitraum2021-2023
VeranstaltungsortSiehe Screenings auf der u.a. Webseite
Fördersumme5.000 Euro
Webseitewww.tosufilm.com/reports-from-the-void-in-development/

Ausstellung

You Are Another Me. Eine Kathedrale des Körpers

Ausstellung im Württembergischen Kunstverein Stuttgart von Adina Pintilie

© Adina Pintilie

Die rumänische Künstlerin Adina Pintilie zeigt in ihren multimedialen Installationen Intimität aus der Perspektive diverser, nicht normativer Menschen und untersucht, wie wir uns zu unseren eigenen und den Körpern anderer verhalten.

Adina Pintilie wurde 1980 in Bukarest geboren und lebt heute dort und in Hamburg, wo sie seit Herbst 2022 an der Hochschule für Bildende Künste die Professur für Dokumentarfilm innehat. Mit ihren vier im Württembergischen Kunstverein Stuttgart ausgestellten Installationen stellt sie sich gegen das weltweite Wiederaufleben von Haltungen und Handlungen, die nicht-normativen Körpern mit Ablehnung, psychischer und physischer Gewalt begegnen.

Erstmals öffentlich sichtbar wurde dieses Langzeitprojekt Pintilies, als ihr Film „Touch Me Not“ 2018 den Goldenen Bären der Berlinale erhielt, vier Jahre später wurde der Film für den Rumänischen Pavillon der 59. Biennale von Venedig in eine mehrteilige Ausstellungsinstallation integriert, was die Künstlerin als Befreiungsschlag von den Konventionen des Films empfand.

Von Februar bis April 2023 wurde nun „You Are Another Me“ in der Kunsthalle Bega in Timisoara im Rahmen des Eröffnungsprogramms der Kulturhauptstadt Europas erstmals in Rumänien präsentiert. Die Stuttgarter Ausstellung wurde von Cosmin Costinas und Viktor Neumann kuratiert, zwei der vier Installationen wurden explizit für Stuttgart produziert.

Diversen, nicht normativen Körpern und den dazugehörigen Individuen in der Gesellschaft nicht nur Sichtbarkeit, sondern Anerkennung und Respekt zu verschaffen und ihnen Intimität zuzugestehen, ist eines der großen Themen unserer Zeit.
„You Are Another Me“ leistet zu diesem Diskurs einen relevanten, weil substantiellen Beitrag.

Förderzeitraum28. Oktober 2023 bis 14. Januar 2024
VeranstaltungsortWürttembergischer Kunstverein Stuttgart
Fördersumme6.000 Euro
Webseitewww.wkv-stuttgart.de

Performance

Bodies Under Influence

Performance von Fernanda Ortiz Losada

© Erik Tuckow

Was geschieht mit uns, wenn nicht mehr wir Menschen im Zentrum stehen, sondern die Interaktion von Mensch, Tier und Natur? Welche hybriden Lebensformen entstehen? Wie könnte eine Zukunft aussehen, in der sie miteinander verschmelzen?

Diesen Fragen geht „Bodies Under Influence“ nach: Auf vier Kanälen oszilliert eine Soundinstallation zwischen Rhythmen und dissonanten und harmonischen Elementen, während Tänzer*innen in Motion-Capture-Anzügen eine Reihe von Transformationen performen. Durch die Virtual Reality-Brillen, mit denen das Publikum sich durch den Raum bewegt, verschmelzen physisches und virtuelles Erleben:

Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen, Zellformationen und Wasserpartikel interagieren mit den Anzügen der Tanzenden, hybride Lebensformen und -welten entstehen vor den Augen der Zuschauer*innen. Reale und virtuelle Körper verschmelzen in Echtzeit miteinander, bislang utopische Begegnungen von Mensch, Tier und Natur spielen sich ab. So inspiriert die Performance zu einem veränderten Umgang mit der Um- und Mitwelt.

Die Choreografie bringt dabei menschliche Bewegungsmuster in einen Dialog mit Wachstumsmustern in der Natur, sodass die tanzenden Körper allmählich hybride Lebewesen zu verkörpern beginnen. Über die Motion-Capture-Anzüge können die Tänzer*innen im VR-Raum ferner den digitalen Körper Fernanda Ortiz Losadas temporär ‚bewohnen‘, Gender-Dichotomien und Subjekte lösen sich auf. An verschiedenen Stellen können die Besuchenden ferner selbst mit dem virtuellen Raum interagieren.

Das Verhältnis von Mensch und Maschine verändert sich gerade grundlegend, auch wenn die Allgegenwärtigkeit von autonomer künstlicher Intelligenz, empathischen Robotern, Cyborgs und hybriden Körperformen noch weit entfernt ist. „Bodies Under Influence“ entwickelt eine Vision dazu.

Förderzeitraum16.-18. November 2023
VeranstaltungsortKampnagel, Hamburg
Fördersumme3.000 Euro
Webseitewww.kampnagel.de

Performance

klimaton – Listening to the Disappearing Landscape

Installation und Performance im silent green in Berlin

© Studio Softić

Wie klingt die schmelzende Arktis? Das Klangobjekt „klimaton ARCTIC≈2020“ übersetzt wissenschaftliche Messergebnisse in Sound und schafft so ein großformatiges Porträt dieser schwindenden Landschaft.

Die Entwicklung des „klimaton ARCTIC≈2020“ basiert auf der größten wissenschaftlichen Datensammlung innerhalb einer Region der Erde, die je angelegt wurde. Bei der Arktis-Expedition „MOSAiC“, an der Wissenschaftler*innen aus 20 Nationen beteiligt waren, wurden 2019-20 Daten in der Nordpolarmeerregion gesammelt.

Um diese abstrakten wissenschaftlichen Daten und somit den Klimawandel greifbarer zu machen, hat das Künstler*innenduo Adnan und Nina Softić gemeinsam mit den Komponisten Daniel Dominguez Teruel und Thies Mynther, der Performerin Mateja Meded sowie Dramatikerin Sivan Ben Yishai und Schriftstellerin Heike Geißler eine Performance mit Texten und Klangkompositionen entwickelt.

Sie begegnen dabei der Abstraktheit der Daten über die Klänge mit einem emotionalen Vermittlungsansatz. Das „klimaton ARCTIC≈2020“ ist eine multimediale Installation, eine Mischung aus Sonifikationsgerät und Musikinstrument, die einen offenen und spielerischen Umgang mit den Daten ermöglicht und die Grenzen der Sprache, des Wissens und auch die Tücken der menschlichen Wahrnehmung sichtbar macht. Hier tritt die Landschaft der Arktis als eigenständige Stimme auf. So entsteht eine einzigartige Symbiose aus Klang, Wort und visueller Kunst, die den Klimawandel und die drängenden ökologischen Herausforderungen unserer Zeit auch als eine Krise der Kultur erzählt.

Für sein Klangobjekt wurde das Künstlerduo Softić mit einer lobenden Erwähnung beim Prix Ars Electronica Digital Musics & Sound Art ausgezeichnet.

Förderzeitraum10.-11. Dezember 2023
Veranstaltungsortsilent green, Berlin
Fördersumme4.000 Euro
Webseitewww.silent-green.net

Performance

Cotton Under My Feet

Performance von Walid Raad

© Walid Raad

Im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals 2023 auf Kampnagel tritt der libanesisch-amerikanische Künstler Walid Raad in einen Dialog mit der Sammlung der Hamburger Kunsthalle und untersucht den Einfluss gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Faktoren darauf.

In „Cotton Under My Feet“ nimmt Walid Raad mit seinen künstlerischen Interventionen Bezug auf die Sammlung des Museums und verbindet beide, die eigenen Arbeiten und deren Referenzen vor Ort, in einer großen Erzählung über die mythische Dimension von Kunst und Ökonomie, globale Zusammenhänge und die Sammlung selbst.

Raad stellt aber nicht nur aus, sondern führt auch in einer 60-minütigen Live-Performance durch das Museum. Museumsbesucher*innen, die nicht daran teilnehmen können, haben die Möglichkeit, mit einem Audioguide selbstständig durch die Kunsthalle zu gehen und mehr über die Verortung von Raads Arbeiten im Kontext der Sammlung zu erfahren.

Walid Raad hat „Cotton Under My Feet“ bereits von Oktober 2021 bis Januar 2022 im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza umgesetzt. Wie in Madrid interessiert er sich auch in Hamburg für Geldströme innerhalb der Kunstmaschinerie, Mechanismen westlicher Kanonbildung und Sammler*inneninteressen sowie für Einflüsse von Politik und Wirtschaft auf Sammlungen von Museen.

Eine solche Untersuchung ist für die Hamburger Kunsthalle spannend, gerade auch vor dem Hintergrund des Hamburger Mäzenatentums. Das Ausstellungshaus lässt sich hier auf diese Reflexion ein und beweist damit Offenheit zur Selbstanalyse: Inwiefern haben spezifische historische Bedingungen die aktuelle Gestalt der Sammlung bedingt?

Förderzeitraum10. August bis 12. November 2023
VeranstaltungsortHamburger Kunsthalle
Fördersumme5.000 Euro
Webseitewww.hamburger-kunsthalle.de