Teach First Deutschland

© Teach First Deutschland

In Deutschland entscheidet soziale Herkunft noch immer über den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen. Die Initiative Teach First Deutschland nimmt die Bildungsgerechtigkeit deshalb selbst in die Hand.

Die Vision von Teach First Deutschland ist klar formuliert: Jedes Kind soll die Schule mit einem Abschluss und den festen Glauben an den eigenen Erfolg verlassen. Um dies zu erreichen schickt die Organisation Hochschulabsolvent*innen an Schulen in sozialen Brennpunkten, die dort als Fellows den Schüler*innen intensiv zur Seite stehen. Sie widmen sich den einzelnen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen und wirken damit dem individuellen Betreuungsmangel entgegen. Das Angebot kann sowohl Hausaufgabenbetreuung und Bewerbungstrainings umfassen als auch die Ausrichtung von Arbeitsgruppen oder die Unterstützung im Unterricht. Im Rahmen der zweijährigen Fellowships werden viele der Hochschulabsolvent*innen zu Vertrauenspersonen der Schüler*innen und können gerade in entscheidenden Prüfungsphasen den notwendigen Unterschied leisten. Denn gerade der Übergang von einer (Klassen)Stufe in die nächste stellt für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten

Familien oftmals eine Sollbruchstelle dar.
Damit die Fellows optimal auf ihren Einsatz vorbereitet sind, werden sie nach einem strengen Verfahren ausgewählt, mehrere Monate intensiv ausgebildet und anschließend zwei Jahre lang eng begleitet und weitergebildet. Basierend auf ihren Erfahrungen entwickeln sich die Fellows schließlich zu Bildungsbotschafter*innen, die im politischen und gesellschaftlichen Bildungsdiskurs mitsprechen können und wertvolle soziale Kompetenzen erlernt haben.
Den Teufelskreis der sozialen Ungerechtigkeit zu durchbrechen, eröffnet vielfältige Perspektiven – nicht nur für den Einzelnen, sondern auch zugunsten einer gesellschaftlichen Stabilität. Aus diesem Grund fördern wir das Projekt mit der Unterstützung eines Fellows in Hamburg.

Standort Hamburg, Deutschland
Förderzeitraum 2020
Fördersumme 35.000 Euro
Webseite www.teachfirst.de

südSee Kinder- und Jugendhilfe e. V.

© südSee Kinder- und Jugendhilfe e. V.

Familiäre Strukturen, individuelle pädagogische Betreuung und eine enge Bindung an das soziale Umfeld – nach diesen Prinzipien leitet der Verein südSee zwei Kinderheime und hat damit für deren Bewohner*innen ein Zuhause geschaffen.

2007 gründeten sieben Sozialarbeiter*innen im oberbayrischen Dorf Seeshaupt am Rande des Starnberger Sees die „Villa südSee“: ein kleines familiäres Kinderheim mit Platz für acht Kinder und Jugendliche. Das Besondere daran: Seine Bewohner*innen sind eng im Dorf vernetzt, sie gehen dort zur Schule, sind in örtlichen Vereinen aktiv und besuchen regelmäßig ihre Freunde. So leben sie fast wie in einer „richtigen“ Familie und in einem belebten und interaktiven Umfeld. Sie fühlen sich wohl und erzielen schulische Erfolge.
Dass aus dem Projekt schnell ein Erfolg wurde, ist auch dem konstant gebliebenen pädagogischen Personal geschuldet: Noch nie gab es hier einen Wechsel und so liegt der Betreuungsschlüssel vergleichsweise hoch.

Mit dem Erfolg stieg auch die Nachfrage. 2015 wurde daher ein zweites Heim, das „Haus südSee“ eröffnet. Auch hier haben die Bewohner*innen alles, was sie brauchen: Neben ihren eigenen Zimmern gibt es eine Wohnküche, ein Wohnzimmer sowie Therapieräume, einen Sport- und einen Werkraum. Mittlerweile können in den südSee-Heimen insgesamt 16 Kinder und Jugendliche betreut werden. Der Ankauf für das benötigte Grundstück wurde über einen Kredit finanziert, den wir für ein Jahr übernommen haben – denn durch die modelhafte Arbeit von südSee e. V. wird Kindern die entscheidende Basis für Ihre Entwicklung gegeben: ein intaktes Zuhause in einem stabilen Erziehungs- und Lebensumfeld.

Standort Seeshaupt, Deutschland
Förderzeitraum 2019
Fördersumme 18.000 Euro
Webseite www.suedsee-ev.de

FREIRÄUME!-Fonds

© Christian Bartsch
Seit 2016 fördert der Hamburger Fonds FREIRÄUME! schnell und unbürokratisch kulturelle Projekte mit Geflüchteten. Jetzt wird die Nachhaltigkeit der Strukturen gesichert.

Der FREIRÄUME!-Fonds ist Beispiel einer gelungenen Förderkooperation zwischen öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft: Der Fonds wurde 2015 von einer Stiftungsallianz ins Leben gerufen, um die Partizipation und Integration von Geflüchteten durch Kulturprojekte in Hamburg zu fördern. Durch die Unterstützung zahlreicher Privatpersonen, gemeinnütziger Organisationen, Unternehmen und dem Hamburger Integrationsfonds konnten in den darauffolgenden Jahren rund 100 Projekte mit über 750.000 Euro gefördert werden. Vor allem Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung ermöglicht die Teilnahme an den Vorhaben ein Stück weit gesellschaftliche und kulturelle Partizipation – viele der Initiativen sind für sie ein wichtiger Ankerpunkt zum Ankommen.

Doch Integration erfordert Zeit – seit 2019 wird der Fonds daher mit der Ausrichtung auf eine Verstetigung der geschaffenen Strukturen fortgesetzt. Erfolgreiche Projekte aus den Anfangsjahren werden weiter unterstützt, um deren Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Vielversprechende neue Projekte werden ergänzend in das Förderportfolio aufgenommen.
Die langfristige Perspektive des Fonds unterstützen wir ebenso wie seine Grundausrichtung eines niederschwelligen Angebots zur Integration junger Geflüchtete – daher fördern wir FREIRÄUME! seit 2016.

Standort Hamburg, Deutschland
Förderzeitraum 2016-2019
Fördersumme 40.000 Euro
Webseite kulturstiftung-hh.de

Deutsches Kinderschmerzzentrum

© Kinderschmerzzentrum Datteln
Das Deutsche Kinderschmerzzentrum setzt Standards in der Therapierung von chronisch schmerzkranken Kindern und gibt ihnen eine neue Perspektive.

Das Deutsche Kinderschmerzzentrum hilft chronisch schmerzkranken Kindern und Jugendlichen, ihr Leiden in den Griff zu bekommen und möglichst unbeschwert zu leben. Es wurde 2012 unter Leitung von Prof. Dr. med. Boris Zernikow an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln gegründet. Aufgrund seines wegweisenden Therapiekonzeptes gilt es inzwischen als Referenzzentrum in Europa.
Das Deutsche Kinderschmerzzentrum verfolgt einen multimodalen Ansatz der Schmerztherapie und betreibt international ausgezeichnete Spitzenforschung zu Methoden der multidisziplinären Versorgung. Herausragend sind die kreativen Kommunikationsaktivitäten, mit denen das Deutsche Kinderschmerzzentrum Betroffene und Angehörige anspricht und öffentlich über das Thema Kinder und chronischer Schmerz aufklärt.

Als Initialförderin haben wir den Aufbau des Deutschen Kinderschmerzzentrums mit ermöglicht. Denn allein in Deutschland leben rund 350.000 Betroffene – Tendenz steigend. Mit den Schmerzen gehen häufig Depression, sozialer Rückzug oder Fehltage in der Schule einher. Eine schnelle und wirksame Behandlung kann also ein Leben verändern. Und doch ist die Versorgungssituation in Deutschland unzureichend. Der Therapieerfolg, die Forschungsleistung und Aufklärungsarbeit des Teams um Professor Zernikow zahlen sich jedoch aus: Seit Gründung haben zahlreiche Kliniken im In- und Ausland das Dattelner Konzept adaptiert.

Standort Datteln, Deutschland
Förderzeitraum 2012-2019
Fördersumme 1.500.000 Euro
Webseite deutsches-kinderschmerzzentrum.de

Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte

Wunschträume

© Wunschträume e.V.

Der Schulbesuch als Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben: In Burkina Faso unterstützen wir die Bildungsprojekte des Vereins Wunschträume.

Seit 2015 unterstützen wir Bildungsprojekte in Pétessiro, einem Dorf im Norden Burkina Fasos. Während wir zunächst die Sanierung sowie den Ausbau der alten Dorfschule mitfinanziert haben, ging es anschließend darum, den begabtesten Absolvent*innen auch den Besuch der weiterführenden Schule zu ermöglichen. Durch den Bau eines Internats in der nächstgelegenen Stadt Thiou ist das nun möglich. Projektträger ist der deutsche Verein Wunschträume – Netzwerk für Frauen- und Mädchenprojekte. Wunschträume engagiert sich dafür, die Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen zu verbessern, vorwiegend auf dem afrikanischen Kontinent. Der Verein arbeitet eng mit den Dorfgemeinschaften zusammen und hilft ihnen dabei, die Projekte nach ihren Vorstellungen umzusetzen. Die Hälfte der Bevölkerung Burkina Fasos lebt unter der absoluten Armutsgrenze und die meisten Burkinabé sind Analphabet*innen.

Oft fehlt Eltern das Schulgeld, gleichzeitig werden die Kinder als Arbeitskräfte auf den Feldern gebraucht. Mädchen wird besonders häufig der Zugang zu Bildung verwehrt. In allen von uns unterstützten Schulen wird darauf geachtet, dass mindestens 50 Prozent der Schulkinder weiblich sind. So versuchen wir nicht nur, die Analphabeten-Quote zu senken, sondern setzen uns auch gegen strukturelle Benachteiligung ein. Der Zugang zu höherer Bildung ist zentral für die beruflichen Chancen der Kinder. Bildung generell ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes.

Einsatzort Pétessiro und Thiou, Burkina Faso
Förderzeitraum 2015-2019
Fördersumme 63.000 Euro
Webseite netzwerk-wunschtraeume.de

Gemeinschaft zur Unterstützung von Projekten für sozial Benachteiligte in Osteuropa

Perspektiven

© Perspektiven e.V.

Perspektiven verbessert die Lebensumstände behinderter Kinder in russischen Waisenhäusern und gibt den Schützlingen neuen Lebensmut.

Seit über 20 Jahren setzt sich der Verein Perspektiven für die Verbesserung der Situation von mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen in Russland ein. Noch immer leben fast 30 Prozent aller Kinder mit Behinderung in staatlichen Waisenhäusern, wo sie nur unzureichend versorgt werden und mitunter sogar Gewalt erfahren. Oft mangelt es an ausgebildetem Pflegepersonal. Besonders fehlen den Heimkindern aber Menschen, die sich um ihre emotionale und psychische Entwicklung kümmern. Perspektiven entsendet freiwillige Helfer*innen aus Deutschland, schult die russischen Kolleg*innen und wirkt auf politischer Ebene auf eine bessere Versorgung für behinderte Kinder hin.
Wir unterstützen die Arbeit des Vereins im Kinderheim Nr. 4 in Pawlowsk nahe St. Petersburg.

Dort stärkt Perspektiven mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten die Fähigkeiten der Kinder und gibt ihnen so Selbstbewusstsein und Lebensfreude. Inzwischen erkennt auch der russische Staat die Erfolge des Vereins zunehmend an – er ermöglicht den Heimkindern eine Schulbildung und stellt zusätzliches Personal. Durch die Förderung der Arbeit von Perspektiven leisten wir so einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation behinderter Heimkinder in Russland.

Einsatzort Pawlowsk, Russland
Förderzeitraum 2011 und 2017
Fördersumme 40.500 Euro
Webseite perspektiven-verein.de

Familien leben – mit Krebs

Stiftung phönikks

© Stiftung Phönikks

Die Beratungsstelle der Stiftung phönikks betreut krebskranke Kinder und hilft von der Diagnose Krebs betroffenen Familien mit der schwierigen Situation umzugehen.

Der Schwerpunkt des ambulanten Hilfezentrums liegt dabei auf der systemischen, psychoonkologischen Arbeit. Die Angebote reichen von psychologischer Beratung über Kunst- und Musiktherapie bis hin zu Trauerbegleitung. Außerdem haben die Betroffenen die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen in einer ähnlichen Lebenslage auszutauschen. Mit Programmen sowohl für die Erkrankten als auch deren Angehörigen stellt phönikks sicher, dass kein Familienmitglied in seiner Angst und Hilflosigkeit alleine bleibt.
Wenn ein Familienmitglied an Krebs erkrankt, konzentriert sich die Hilfe des Gesundheitssystems auf die unmittelbar Betroffenen.

Doch es ändert sich das Leben der gesamten Familie. Wir fördern die Stiftung phönikks, weil sie Familien kostenlose psychologische Beratung und psychotherapeutische Hilfe bietet, die durch die Regelversorgung der Krankenkassen noch immer nicht abgedeckt wird. Die Therapeut*innen der Stiftung phönikks unterstützen die Familien dabei, ihre Lebenssituation in dieser schweren Zeit zu stabilisieren und den Lebensmut wiederzufinden.

Einsatzort Hamburg, Deutschland
Förderzeitraum 2006-2010; 2016; 2018
Fördersumme 320.400 Euro
Webseite phoenikks.de

Aufbau der ersten Kinderchirurgie in Bhutan

© Meixner

Der deutsche Kinderarzt Dr. Johannes Meixner baute die erste Kinderchirurgie in Bhutan auf. Seit deren Eröffnung hat sich die Versorgungssituation für die kleinen Patienten nachhaltig verbessert.

Im Königreich Bhutan war die westliche Medizin bis in die 1960er Jahre kaum bekannt. Chirurgie-Patienten mussten in mühevollen und kostenaufwändigen Transporten in Kliniken der Nachbarländer gebracht werden. Das änderte sich erst, als der deutsche Kinderchirurg Dr. med. Johannes Meixner im Jahr 2007 nach Bhutan emigrierte. Als einziger Kinderchirurg des Landes führte er über 300 Operationen pro Jahr durch. Nebenbei baute er am Krankenhaus in Thimphu eine moderne chirurgische Abteilung für Kinder und Neugeborene auf. Diese umfasst inzwischen zwölf Betten für Kinder aller Altersgruppen sowie eine moderne Kinderintensivstation mit acht Betten. Während seines Einsatzes bildete Herr Meixner den jungen bhutanischen Mediziner Dr. Karma zum Kinderchirurgen aus, der die Station nach seiner Pensionierung im Jahr 2013 übernommen hat.

Wir unterstützten die Arbeit von Herrn Dr. Meixner über mehrere Jahre. Dank seiner Tätigkeit am Zentralkrankenhaus in Bhutan blieb vielen Kindern der beschwerliche Transport in ein Nachbarland erspart. Neben der Tätigkeit im Operationssaal hatte er aber auch immer die Zeit nach seiner Pensionierung im Blick: Er teilte sein Wissen von Anfang an großzügig mit seinen Kolleg*innen. Der Weitblick und das Engagement Johannes Meixners haben uns tief beeindruckt.

Einsatzort Thimphu, Bhutan
Förderzeitraum 2009-2013
Fördersumme 145.000 Euro
Webseite bhutan-hilfe.de