Berufsorientierung für benachteiligte Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern

Zeig, was du kannst!

© Margit Wild
Seit 2016 begleitet Zeig, was du kannst! Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Familien bei der Berufsorientierung und Persönlichkeitsentwicklung. Das mehrjährige Programm hilft ihnen, eigene Fähigkeiten zu erkennen, berufliche Perspektiven zu entwickeln und den Übergang von der Schule in eine Ausbildung selbstbewusst zu gestalten.

Nicht alle Jugendlichen verfügen über die gleichen Voraussetzungen, um sich frühzeitig mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Fehlende Orientierung, familiäre Belastungen oder geringe Unterstützung im Alltag können den Einstieg in eine Ausbildung erschweren. Das Programm setzt deshalb auf eine individuelle und verlässliche Begleitung, die nicht Defizite, sondern Potenziale in den Mittelpunkt stellt.

Qualifizierte Ausbildungscoaches arbeiten gemeinsam mit den Jugendlichen an realistischen Berufszielen und konkreten nächsten Schritten. Schulübergreifende Berufsorientierungstage in regionalen Unternehmen, persönliche Coachings und Mentoringangebote ergänzen diesen Prozess. Seit Beginn unserer Förderung wurden bereits mehr als 1.300 Gruppen- und Einzelcoachings durchgeführt.

Das Programm schlägt Brücken zwischen Schule, Jugendhilfe und Wirtschaft. Schulsozialarbeit, Einrichtungen der Jugendhilfe und regionale Unternehmen arbeiten eng zusammen, um Orientierung, praktische Erfahrungen und persönliche Unterstützung miteinander zu verbinden. So entstehen tragfähige Übergänge, von denen Jugendliche ebenso profitieren wie Unternehmen auf der Suche nach Nachwuchskräften.

Künftig soll Zeig, was du kannst! weitere Regionen in Mecklenburg-Vorpommern erreichen und seine Arbeit stärker mithilfe von Landesmitteln fortführen. Die Entwicklung zeigt, wie regionale Expertise, verlässliche Strukturen und kontinuierliche Begleitung dazu beitragen können, erfolgreiche Übergänge von der Schule in die Ausbildung zu ermöglichen.

StandortMecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Förderzeitraum2023 – 2029
Fördersumme104.000 Euro
Webseitewww.bildungswerk-wirtschaft.de

Interview mit Susan Bach

Zeig, was du kannst! begleitet Jugendliche, die der Übergang von der Schule in die Ausbildung vor Herausforderungen stellt. Welchen Ansatz verfolgt das Programm?

Viele der Jugendlichen in unserem Programm tragen schwere Pakete: Sucht oder Gewalt im Elternhaus, Fremdunterbringung, Flucht, Armut. Wer zu uns kommt, hat oft das Risiko, den Übergang Schule-Beruf nicht zu schaffen. Wir setzen deshalb bei den Stärken an und bleiben verlässlich dran – über mehrere Schuljahre bis in Ausbildung oder einen passenden schulischen Anschluss. Praxis gehört für uns klar dazu: In Future Days öffnen Betriebe ihre Türen, Bewerbungssituationen werden geübt, Ausbilderinnen und Ausbilder geben ehrliches Feedback. Die Arbeitswelt und regionale Wege werden so konkret. Tempo, Materialien und Begleitung passen wir sehr individuell an den Bedarf an.

 

Was zeichnet das Bildungswerk der Wirtschaft als Träger für ein Angebot am Übergang Schule-Beruf aus?

Wir sind als Träger der Sozialpartner nah an Schule und Wirtschaft und kennen beide Systeme. Als Landesgeschäftsstelle „schulewirtschaft mv“ vernetzen wir zudem Schulen, Unternehmen, Kammern und weitere Akteure. In diesem Netzwerk finden wir für Teilnehmende passende Betriebe für „Future Days“ und Praktika. Künftig wollen wir unsere Partner aus der Wirtschaft stärker in die langfristige Begleitung unserer Teilnehmenden einbinden, denn insbesondere für unsere Zielgruppe gilt: Praxis wirkt am besten.

 

Warum braucht es Zeig, was du kannst! gerade in Mecklenburg-Vorpommern?

Mecklenburg-Vorpommern steht beim Übergang Schule-Beruf vor besonderen Aufgaben. Statistiken zeigen hohe Abbrüche, einen überdurchschnittlichen Anteil Jugendlicher ohne Abschluss (10,4 Prozent) und zunehmend multiple Problemlagen – von Armut über Flucht bis zu belasteten Familiensituationen. Hinzu kommt, dass im ländlichen Raum kurze Wege fehlen. Die Jugendlichen sind weniger mobil, berufliche Chancen vor Ort sind oft nicht sichtbar und verlässliche lokale Unterstützungsangebote begrenzt. Zeig, was du kannst! setzt genau dort an und bietet verlässliche Begleitung, klare nächste Schritte und strukturierte Kontakte zu Betrieben in der Region.

 

Wir fördern Zeig, was du kannst! seit 2023. Vor welchen Herausforderungen stand das Projekt damals und was hat sich seither bewegt?

2023 drohte dem Projekt und damit allen teilnehmenden Schülergruppen das vorzeitige Ende. Uns war kurzfristig eine Förderung weggebrochen. Wir mussten in kurzer Zeit neue Partner gewinnen und unser Fundraising professionalisieren. Seitdem haben wir Finanzierung und Abläufe stabilisiert, Materialien und Dokumentation geschärft und „Future Days“ trotz der Herausforderungen im ländlichen Raum verlässlich durchgeführt. Den Austausch mit der Rudolf Augstein Stiftung haben wir genutzt, um das Programm weiterzuentwickeln und Wirtschaft stärker inhaltlich einzubinden. Ohne die akute Unterstützung könnten wir heute nicht sagen: Zeig, was du kannst! ist für Jugendliche in MecklenburgVorpommern stabiler Partner auf dem Weg ins Berufsleben. Die stabile Unterstützung unserer Stiftungspartner hat uns auch mit Blick auf eine Landesförderung überzeugen lassen.

 

Susan Bach
© Bildungswerk der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern

 

Der Bedarf ist groß und unsere Ressourcen sind begrenzt. Deshalb setzen wir auch weiterhin auf engagierte Stiftungspartner. Gemeinsam schaffen wir mehr passende Übergänge und ein stabiles Ankommen in der neuen Lebensphase. Am Ende sagen möglichst alle Teilnehmenden: „Ich kenne meinen Weg und weiß, dass ich es schaffen kann.“

Susan Bach

Ausbildung statt Abschiebung e. V.

© Jürgen Klack
Hilfe zur Selbsthilfe: Der Bonner Verein AsA e. V. unterstützt junge Geflüchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus dabei, eine berufliche und aufenthaltsrechtlich gesicherte Perspektive in Deutschland aufzubauen.

Die Phase des Erwachsenwerdens ist geprägt durch Zweifel über mögliche Lebenswege, Berufswahl und finanzielle Unabhängigkeit. Für junge Menschen mit Fluchterfahrung kommen weitreichendere Herausforderungen hinzu: Anforderungen an die „gesellschaftliche Integration“, Unsicherheit über den aufenthaltsrechtlichen Status, traumatische Erfahrungen im Heimatland oder während der Flucht und die Trennung von und Sorge um Familienangehörige in Kriegs- oder Krisengebieten.

AsA bietet den Jugendlichen einen sicheren Ort des Ankommens, an dem sie sich entfalten und verwirklichen können und unterstützt sie dabei, ihre Zukunft in Deutschland aktiv mitzugestalten. Zum ganzheitlichen Angebot gehören aufenthalts- und sozialrechtliche Beratungen, Deutschkurse, Hilfe bei Berufsorientierung und Ausbildungsplatzsuche, Angebote zur politischen Bildung und zu interkulturellem Lernen, Einzelnachhilfe während Schule und Ausbildung sowie individuelle Unterstützung bei der Lebensorganisation in Deutschland. Dabei verfolgt AsA einen traumasensiblen Beratungsansatz.

Besonderen Wert legt der Verein auch auf die Einbindung ihrer rund 170 Ehrenamtlichen, die mittels eines eigenen Ehrenamtszentrums koordiniert und geschult werden. Sie begleiten die Jugendlichen in Form individueller Patenschaften und sind wichtige Bezugsperson für diese.

Über 300 Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung sind kontinuierlich an AsA gebunden. Seit 2021 kommen so viele Jugendliche zu AsA, dass der Verein die Nachfrage zeitweise nicht mehr decken konnte. Auch die Auswirkungen des Angriffskriegs auf die Ukraine sind spürbar und unterstreichen die Notwendigkeit für ein solches Angebot.

Wir fördern AsA, weil der ganzheitliche Unterstützungsansatz des Vereins in dieser Form in Deutschland einzigartig ist und ermöglicht, den individuellen Hilfebedarf jedes einzelnen jungen Menschen passgenau abzudecken.

StandortBonn, Deutschland
Förderzeitraum2021-2027
Fördersumme185.000 Euro
Webseiteasa-bonn.org

Interview mit Johanna Strohmeier

Aus welcher Motivation und mit welchem Ziel wurde AsA vor 25 Jahren gegründet?

Ausbildung statt Abschiebung (AsA) e.V. wurde vor 25 Jahren von einem Kreis ehrenamtlich engagierter Frauen gegründet, die sich schon damals für die Rechte geflüchteter Kinder und Jugendlicher einsetzten. Ihnen wurde der Zugang zu Bildung und weiteren vermeintlichen Grundrechten gänzlich verwehrt. AsA setzt sich seitdem für Chancengerechtigkeit und gegen strukturelle Benachteiligung ein.

 

Wie unterscheidet sich der modellhafte ganzheitliche Ansatz von AsA von anderen Unterstützungs- und Förderangeboten für unbegleitete minderjährige Geflüchtete?

Was AsA e.V. einzigartig macht, ist das ganzheitliche, bedarfsorientierte Konzept: Wir vereinen die Angebote unter einem Dach, die jugendliche Geflüchtete brauchen, um anzukommen und sich eine selbstbestimmte Zukunft aufzubauen. Das sind u. a. Sprachkurse, rechtskreisübergreifende Beratung, Berufsorientierung, Vermittlung in Ausbildung sowie eine engmaschige und vertrauensvolle Begleitung.

 

Welchen Unterschied macht die Arbeit von AsA heute konkret – individuell für die durch AsA begleiteten Jugendlichen, aber auch auf struktureller Ebene für die Zielgruppe?

Für die Jugendlichen ist AsA ein sicherer Ort, an dem sie stets willkommen sind und ihre Bedürfnisse äußern können. Wir erarbeiten mit ihnen eine Zukunftsperspektive und sichern – häufig durch die Vermittlung in Ausbildung – ihren Aufenthalt in Deutschland. Strukturell arbeiten wir eng mit diversen Akteuren der Geflüchteten- und Jugendhilfe zusammen, machen auf die Themen der Zielgruppe aufmerksam und erarbeiten konkrete Verbesserungen. Ein Beispiel dafür ist die Case-Management-Stelle im Kommunalen Integrationsmanagement der Stadt Bonn, die bei AsA angesiedelt ist. Wir konnten die Zusammenarbeit mit anderen Trägern wie auch mit der Kommune intensivieren. Dadurch konnten für die Zielgruppe bereits konkrete Erfolge erzielt werden, z. B. im Rahmen einer koordinierten Zusammenarbeit im Rahmen des Chancenaufenthalts oder auch bzgl. der Bedürfnisse und Bedarfe der Jugendlichen, die aus der Jugendhilfe ausscheiden (Careleaver).

 

 

 

 

Johanna Strohmeier
© Ausbildung statt Abschiebung (AsA) e.V.

 

Es braucht ein Umdenken: weg vom problemzentrierten Blick hin zur Anerkennung von Chancen und Potenzialen. Schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und verlässliche Zugänge zu Bildung, Ausbildung und Arbeit sind entscheidend, damit junge Geflüchtete früh Perspektiven entwickeln können.

Johanna Strohmeier

MUT Academy

© MUT Academy

Mutig in die Zukunft starten: Die MUT Academy begleitet Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Ausbildung und erarbeitet mit den Teilnehmenden individuell passende Perspektiven für das bevorstehende Berufsleben.

Rund 60 Prozent der Hamburger Jugendlichen, die eine Stadtteilschule nach der 10. Klasse verlassen, schaffen den Übergang in die Berufsausbildung nicht. Es mangelt den Schüler*innen, die die Schule meist mit einem ESA (erste allgemeinbildende Abschluss) oder ohne Abschluss verlassen, häufig jedoch nicht nur an Ausbildungsperspektiven; oftmals fehlen ihnen auch ein positives Selbstbild und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten.

Mit ihrem umfangreichen Programm zielt die MUT Academy deshalb darauf ab, die jugendlichen Schüler*innen gezielt auf die neue Etappe vorzubereiten und ihnen die Angst vor den bevorstehenden Veränderungen zu nehmen. Die Academy steht überwiegend denjenigen Jugendlichen zur Seite, die weder die Chance haben, eine Praxis- oder Transferklasse zu besuchen, noch Unterstützung durch eine Berufseinstiegsbegleitung erhalten. Die 15- und 16-Jährigen werden zwei Jahre lang in regelmäßigen

Workshops, Camps und mit individueller Betreuung begleitet. Gearbeitet wird beispielsweise mit selbstexplorativen Methoden wie Rollenspielen, Coachings und Bewerbungssimulationen, um Zukunftsängste abzubauen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Dadurch schafft es die MUT Academy fehlende Unterstützung aus dem Umfeld auszugleichen und Motivationsprobleme zu lösen.

Die Corona-Pandemie hat den Arbeits- und Ausbildungsmarkt noch einmal verschärft. Mit ihrem intensiven Betreuungsprogramm schafft es die MUT Academy, Jugendliche an einem wichtigen Wendepunkt zu stärken und ihnen nachhaltige Ausbildungs- und Berufsperspektiven zu eröffnen. Diesen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit unterstützen wir.

StandortHamburg, Deutschland
Förderzeitraum2021-2027
Fördersumme120.000 Euro
Webseitewww.mutacademy.de

Partizipative Förderung für junges migrantisches Engagement in Ostdeutschland

Jugendstil*

© Miguel Loehmann
Jugendstil* unterstützt junge Menschen mit eigener oder familiärer Migrationsgeschichte dabei, eigene Ideen umzusetzen und gesellschaftliche Teilhabe aktiv zu gestalten. Über die Vergabe der Fördermittel entscheidet eine Jugendjury, die selbst aus jungen migrantischen Menschen aus Ostdeutschland besteht.

Der von der Stiftung Bürger für Bürger entwickelte Ideenfonds fördert selbstorganisierte Projekte in den ostdeutschen Bundesländern mit bis zu 2.000 Euro. Die Jugendjury legt eigene Vergabekriterien fest und bringt damit die Erfahrungen und Bedarfe derjenigen in die Entscheidungen ein, an die sich das Programm richtet. Jugendstil* fördert so nicht nur einzelne Vorhaben, sondern erprobt eine Förderpraxis, in der junge Menschen Verantwortung übernehmen und selbst über die Verteilung von Ressourcen mitentscheiden.

Ergänzt wird die finanzielle Unterstützung durch Beratung und Vernetzung. Das Projektteam begleitet die Initiativen bei der Entwicklung ihrer Vorhaben und bringt Engagierte aus unterschiedlichen Regionen zusammen.

Dadurch entstehen geschützte Räume für Erfahrungsaustausch, gegenseitige Stärkung und gemeinsame Strategien im Umgang mit Diskriminierung und gesellschaftlicher Polarisierung.

Seit 2021 hat Jugendstil* 156 Projekte ermöglicht und mehr als 36.500 junge Menschen erreicht. Zunehmend entstehen dabei auch Initiativen in ländlichen Regionen. Dass ehemals Geförderte heute selbst in der Jugendjury mitwirken, zeigt, wie aus einem Vertrauensvorschuss langfristiges Engagement und neue Verantwortung erwachsen können. Auf diese Weise stärkt Jugendstil* nicht nur migrantische Initiativen, sondern setzt auch Impulse für eine partizipativere Förder- und Engagementlandschaft in Ostdeutschland.

StandortHalle, Deutschland
Förderzeitraum2025
Fördersumme20.000 Euro
Webseitewww.jugendstil-projekt.de

Teilhabe und berufliche Perspektiven für junge Geflüchtete in Mittelsachsen

GrowHub

© GrowHub
Der GrowHub unterstützt Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung dabei, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und tragfähige soziale und berufliche Perspektiven aufzubauen.

Das Modellvorhaben des Treibhaus Döbeln verbindet dazu Migrations- und Sozialberatung, alltagsintegriertes Lernen und praktische Qualifizierung mit konkreten Wegen in Ausbildung, Arbeit und gesellschaftliches Engagement. Ausgangspunkt sind die individuellen Voraussetzungen und Potenziale der Teilnehmenden. Im KreativWerk erwerben sie handwerkliche, kreative und mediale Kompetenzen, entwickeln eigene Projekte und erleben, wie aus eigenen Fähigkeiten konkrete Handlungsmöglichkeiten entstehen. Die begleitende Beratung unterstützt bei rechtlichen und behördlichen Fragen, im Bewerbungsprozess sowie bei der Suche nach Praktika, Ausbildungsplätzen oder Beschäftigung.

Integration wird dabei nicht als einseitige Anpassungsleistung verstanden, sondern als gesellschaftlicher Prozess. Der GrowHub arbeitet deshalb mit Unternehmen, Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen in der Region zusammen.

Persönliche Begegnungen, Praktika und ehrenamtliches Engagement schaffen Verbindungen zwischen den Teilnehmenden, der lokalen Arbeitswelt und der Stadtgesellschaft.

Gerade in einer Region, in der sozialpädagogische Angebote zurückgehen und zugleich Fachkräfte fehlen, liegt in dieser Verbindung eine besondere Stärke. Der GrowHub fördert nicht nur individuelle Entwicklung, sondern baut auch lokale Netzwerke und verlässliche Übergänge auf. So entstehen Strukturen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, berufliche Potenziale erschließen und die Region langfristig als vielfältigen Lebens- und Arbeitsort stärken.

StandortDöbeln, Deutschland
Förderzeitraum2025 – 2027
Fördersumme87.500 Euro
Webseitewww.treibhaus-doebeln.de

Fonds Hamburger Spielräume

© Michael Taterka

Benachteiligte Kinder und Jugendliche waren von den Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie besonders betroffen. Der Fonds Hamburger Spielräume unterstützt seitdem Initiativen, die ihnen sichere Orte, gemeinschaftliche Erfahrungen und sinnvolle Aktivitäten in Ferienzeiten und darüber hinaus ermöglichen.

Das „physical distancing“ in der Corona-Krise hatte den Alltag und das soziale Miteinander stark verändert. Vor allem junge Menschen und insbesondere sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche empfanden die Kontaktbeschränkungen als belastend; über Monate hinweg fehlten ihnen Begegnungen mit Gleichaltrigen, Freizeitangebote und sportliche Aktivitäten.

Vor diesem Hintergrund haben wir in einer Stiftungsallianz im Juni 2020 den Fonds „Hamburger Spielräume für Kinder, Jugendliche und Familien“ aufgelegt. Mit dessen Mitteln wurden Initiativen gefördert, die im Zuge der gelockerten Kontaktbeschränkungen jungen Menschen, insbesondere aus sozial benachteiligten Verhältnissen, das Miteinander wieder ermöglichten.

In den vergangenen Jahren konnten durch die geförderten Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit mehr als 50.000 Kinder und Jugendliche erreicht werden – von Ferienprogrammen bis hin zu regelmäßigen Aktivitäten an Nachmittagen und Wochenenden. Gleichzeitig stehen junge Menschen auch heute vor vielfältigen Belastungen: wirtschaftliche Unsicherheit, globale Krisen, psychische Herausforderungen sowie die Nachwirkungen der Pandemie.

Studien wie COPSY zeigen, dass das psychosoziale Risiko insbesondere für Kinder und Jugendliche in beengten Wohnverhältnissen oder mit geringer familiärer Unterstützung weiterhin erhöht ist. Der Fonds reagiert auf diesen anhaltenden Bedarf und stärkt die offene Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg langfristig. Gefördert werden vor allem Projekte in Quartieren mit Entwicklungsbedarf sowie Angebote, die Kinder und Jugendliche aktiv mitgestalten können. Gemeinsam mit inzwischen 13 Stiftungen setzen wir uns dafür ein, jährlich tausende junge Menschen in Hamburg zu erreichen und ihnen Mut für ihre Zukunft zu geben.

Fehlender Kontakt zu Gleichaltrigen ist für junge Menschen eine besondere Herausforderung. Der Austausch über Medien ersetzt nicht das physische Miteinander und führt häufig zu einem Gefühl der Vereinsamung. Gerade für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen sind auch Ferienzeiten oft eine anregungsarme Phase – vielen Familien fehlen finanzielle Ressourcen für Ausflüge oder Urlaube. Um hier Abhilfe zu schaffen und die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen zu stärken, haben wir den Fonds Hamburger Spielräume mitinitiiert.

StandortHamburg, Deutschland
Förderzeitraum2020-2027
Fördersumme272.500 Euro
Webseitewww.buergerstiftung-hamburg.de

Förderfonds für Frauenhäuser

© ZIF – Zentrale Informationsstelle autonomer Frauenhäuser
Der Förderfonds für Frauenhäuser „Zugang für alle“ unterstützt Autonome Frauenhäuser schnell und unbürokratisch, um gewaltbetroffenen Frauen und Kindern mit prekärem Aufenthaltsstatus zur Seite zu stehen.

Jede vierte Frau in Deutschland hat in ihrem Leben Formen von körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt durch Beziehungspartner erlebt. Viele Frauen müssen aufgrund der erlebten Gewalt mit ihren Kindern in eines der rund 340 Frauenhäuser in Deutschland fliehen. In Folge der Corona-Pandemie verschärfte sich die Situation noch einmal; beengte Wohnverhältnisse und wachsende Sorgen verstärkten häusliche Gewalt.

Vor besonders großen Herausforderungen stehen gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder ohne sicheren Aufenthaltsstatus. Sprachbarrieren, Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft und fehlendes Wissen über Hilfsstrukturen erschweren die Schutzsuche. Oft ist ihr Aufenthaltsstatus an die Ehe gekoppelt, was die Loslösung aus einer Gewaltbeziehung erschwert oder gar unmöglich macht.

Um die Situation dieser besonders schutzbedürftigen Frauen und deren Kinder zu verbessern, haben wir 2021 gemeinsam mit der Kurt und Maria Dohle Stiftung und der Klaus und Lore Rating Stiftung den Förderfonds für Frauenhäuser ins Leben gerufen. Hier können Autonome Frauenhäuser nun schnell und unbürokratisch bis zu 1.000 Euro für Frauen und Kinder mit prekärem Aufenthaltsstatus beantragen: für Kosten der Grundversorgung, gesundheitsbezogene Leistungen, Sprachunterricht, Rechtsbeistand oder Nachhilfeunterricht für die Kinder. Denn aufgrund fehlender Leistungsansprüche kommt es deutschlandweit immer wieder dazu, dass Frauenhausaufenthalte von Frauen mit prekärem Aufenthaltstitel nicht durch öffentliche Mittel finanziert werden.

Die Mittel werden über die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser (ZIF) vergeben, die die Ausrichtung des Fonds und das Antragsverfahren in Kooperation mit uns  erarbeitet hat. Zum Start des Fonds wurden durch unser Stiftungsbündnis zunächst 100.000 Euro bereitgestellt; in 2023 haben wir den Fonds mit weiteren 100.000 Euro fortgesetzt. Jetzt ist es gelungen, eine weitere renommierte Förderpartnerin für den Fonds zu gewinnen. Gemeinsam sichern wir das Engagement für besonders schutzbedürftige Frauen und ihre Kinder in den Jahren 2024 und 2025 mit jeweils 200.000 Euro jährlich und weiterführend von 2026 bis 2028 mit 25.000 Euro jährlich.

Denn unsere Evaluation zeigt, dass diese niedrigschwellige Form der Förderung akute Bedarfe der Frauenhäuser wahrnimmt und adäquat darauf reagiert – auch wenn sie staatliche Versorgungslücken nicht schließen und Missstände nicht auflösen kann. Übergeordnetes Ziel unserer Initiative ist daher, die Frauenhäuser bei ihrer Forderung nach einer bundeseinheitlichen und einzelfallunabhängigen Finanzierung zu unterstützen.

Bisher haben insgesamt 197 Frauen mit 216 Kindern durch den Fonds profitiert. Das unterstreicht: Frauenhäuser sind immer auch Kinderhäuser. Auch deshalb haben wir den Frauenhaus Förderfonds mitgegründet.

StandortDeutschland
Förderzeitraum2022-2028
Fördersumme185.000 Euro
Webseiteantrags.app/zif

Interview mit Esther Bierbaum und Nadine Weber


Wo macht der Fonds für Frauen und Kinder mit unsicherem Aufenthaltsstatus im Frauenhausalltag konkret einen Unterschied?

Ohne die Fonds-Mittel wäre vieles nicht möglich: Frauen und Kinder mit unsicherem Aufenthalt könnten oft keinen Schutz im Frauenhaus erhalten. Wichtige Dokumente, Fahrten zu Behörden oder Botschaften sowie medizinische Versorgung unversicherter Kinder wären nicht finanzierbar. Auch grundlegende Dinge wie Kleidung fehlen häufig. Der Fonds ermöglicht schnelle, unbürokratische Hilfe und gibt auch den Mitarbeiterinnen Kraft und die Sicherheit, wirksam unterstützen zu können.

 

Mit dem Gewalthilfegesetz treten neue Regelungen für Finanzierung und Zugang zu Schutz in Kraft. Was bedeuten
diese Veränderungen konkret und wie bewerten Sie sie?

Derzeit bedeutet die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes einen erhöhten Verwaltungsaufwand für die Kolleginnen in den Autonomen Frauenhäusern. In den Bundesländern werden aktuell die Ausführungsgesetze entworfen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist deswegen noch nicht klar, wie genau die Finanzierung für die bestehenden Frauenhäuser ab 2027 aussieht. Es gibt Kommunen, die für das Jahr 2026 Verträge mit ihren Frauenhäusern aufgekündigt haben, da Bundesgelder im Rahmen des Gesetzes erst ab 2027 an die Länder fließen sollen. Für diese Frauenhäuser bedeuten diese finanziellen Herausforderungen nicht nur einen Kampf für jede Frau und jedes Kind, sondern auch für das Bestehenbleiben des einzelnen Hauses mit der zum Teil über 40-jährigen feministischen Geschichte. Das neue Gewalthilfegesetzes ist zum Ausbau von Frauenhausplätzen gedacht. Wir kämpfen darum, dass dieses Ziel auch erreicht wird.

 

Was ergibt sich daraus für die strategische Arbeit der ZIF? Was sind die wichtigsten nächsten Schritte?

Das Wichtigste ist, alle Frauenhausmitarbeiterinnen der ZIF-Mitgliedshäuser gut informiert zu halten und untereinander einen guten Austausch über die aktuellen Entwicklungen zu organisieren. Wir wollen die Kolleginnen stärken, um informiert und schlagfertig in die Verhandlungen auf Länderebene zu gehen. Wichtig ist auch ein guter Austausch der ZIF mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, um Rückmeldungen über Schwierigkeiten in der Praxis vor Ort zu geben. Mittelfristiges und sehr wichtiges Ziel ist die Eröffnung weiterer Autonomer Frauenhäuser. Wir starten in diesem Jahr ein Projekt zur Stärkung unserer Mitgliedshäuser bei der Planung von Neueröffnungen neuer Schutzhäuser oder dem Ausbau bestehender Angebote.

 

 

Kay Voges
© ZIF

 

Damit das Gesetz seine Wirkung entfalten kann, müssen Kolleginnen aus den Frauenhäusern als Praktikerinnen fest in den Umsetzungsprozess eingebunden werden. Bund, Länder und Kommunen müssen sich an den Kosten der Finanzierung beteiligen. Über allem muss die Frage stehen: Was ist am besten für die gewaltbetroffene Frau und ihre Kinder? Wie können Schutzangebote möglichst viele erreichen?

Esther Bierbaum und Nadine Weber

 

FREIRÄUME!-Initiative

© Karen Derksen
Seit 2016 fördert FREIRÄUME! schnell und unbürokratisch kulturelle Projekte mit Geflüchteten in Hamburg. Jetzt wird die Nachhaltigkeit der Strukturen gesichert.

FREIRÄUME! ist Beispiel einer gelungenen Förderkooperation zwischen öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft: Der ursprünglich temporär angelegte FREIRÄUME!-Fonds wurde 2015 von einer Stiftungsallianz ins Leben gerufen, um die Partizipation und Integration von Geflüchteten durch Kulturprojekte in Hamburg zu fördern. Durch die Unterstützung zahlreicher Privatpersonen, gemeinnütziger Organisationen, Unternehmen und dem Hamburger Integrationsfonds konnten in den darauffolgenden Jahren rund 100 Projekte mit über 750.000 Euro gefördert werden.

Vor allem Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung ermöglicht die Teilnahme an den Vorhaben ein Stück weit gesellschaftliche und kulturelle Partizipation – viele der Initiativen sind für sie ein wichtiger Ankerpunkt zum Ankommen.

Doch Integration erfordert Zeit – aus dem FREIRÄUME!-Fonds (2016-2018) entwickelte daher ein kleiner Kreis von Förder*innen die FREIRÄUME!-Initiative. Diese fördert seit 2019 mit der Ausrichtung auf eine Verstetigung der geschaffenen Strukturen. Erfolgreiche Projekte aus den Anfangsjahren werden weiter unterstützt, um deren Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Vielversprechende neue Projekte werden ergänzend in das Förderportfolio aufgenommen.

Die langfristige Perspektive des Fonds unterstützen wir ebenso wie seine Grundausrichtung eines niederschwelligen Angebots zur Integration junger Geflüchteter – daher fördern wir FREIRÄUME! seit 2016.

StandortHamburg, Deutschland
Förderzeitraum2016-2026
Fördersumme125.000 Euro
Webseitekulturstiftung-hh.de

Deutsches Kinderschmerzzentrum

© Kinderschmerzzentrum Datteln
Das Deutsche Kinderschmerzzentrum setzt Standards in der Therapierung von chronisch schmerzkranken Kindern und gibt ihnen eine neue Perspektive.

Das Deutsche Kinderschmerzzentrum hilft chronisch schmerzkranken Kindern und Jugendlichen, ihr Leiden in den Griff zu bekommen und möglichst unbeschwert zu leben. Es wurde 2012 unter Leitung von Prof. Dr. med. Boris Zernikow an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln gegründet. Aufgrund seines wegweisenden Therapiekonzeptes gilt es inzwischen als Referenzzentrum in Europa.

Das Deutsche Kinderschmerzzentrum verfolgt einen multimodalen Ansatz der Schmerztherapie und betreibt international ausgezeichnete Spitzenforschung zu Methoden der multidisziplinären Versorgung. Herausragend sind die kreativen Kommunikationsaktivitäten, mit denen das Deutsche Kinderschmerzzentrum Betroffene und Angehörige anspricht und öffentlich über das Thema Kinder und chronischer Schmerz aufklärt.

Als Initialförderin haben wir den Aufbau des Deutschen Kinderschmerzzentrums mit ermöglicht. Denn allein in Deutschland leben rund 350.000 Betroffene – Tendenz steigend. Mit den Schmerzen gehen häufig Depression, sozialer Rückzug oder Fehltage in der Schule einher. Eine schnelle und wirksame Behandlung kann also ein Leben verändern. Und doch ist die Versorgungssituation in Deutschland unzureichend. Der Therapieerfolg, die Forschungsleistung und Aufklärungsarbeit des Teams um Professor Zernikow zahlen sich jedoch aus: Seit Gründung haben zahlreiche Kliniken im In- und Ausland das Dattelner Konzept adaptiert.

StandortDatteln, Deutschland
Förderzeitraum2012-2019, 2022
Fördersumme1.550.000 Euro
Webseitedeutsches-kinderschmerzzentrum.de

Ukrainehilfe Hamburg

© Shutterstock/kovop58
Gemeinsam zivilgesellschaftliches Engagement stärken: Das Bündnis Urkainehilfe Hamburg unterstützt ukrainische Schutzsuchende in Hamburg schnell und unbürokratisch.

Der Angriffskrieg in der Ukraine löst große Hilfsbereitschaft in Hamburg aus – eine beeindruckende Welle der Solidarität, die die Zivilgesellschaft dennoch vor mindestens zwei große Herausforderungen stellt: Erstens galt und gilt es weiterhin, die vielen Vereine und privaten Initiativen so zu stärken, dass sie die anfallenden Aufgaben bewältigen können; zweitens müssen die Angebote so vernetzt werden, dass die Hilfen gut ineinandergreifen.

Ende März 2022 haben wir uns daher mit Hamburger Unternehmen, Initiativen und weiteren Stiftungen zum Bündnis Ukrainehilfe Hamburg zusammengeschlossen, um gemeinschaftlich mit Geld und Wissen zu unterstützen. Der Gemeinschaftsfonds fördert insbesondere Organisationen des freiwilligen Engagements, die sich direkt an ukrainische Schutzsuchende richten oder sie in ihre Angebote integrieren.

Die Koordination des Bündnisses liegt bei der BürgerStiftung Hamburg. Sie kennt aus der langjährigen Arbeit mit Geflüchteten und migrantischen Communities bereits viele Organisationen, die bei großen Spendenaufrufen

nicht bedacht werden. Bisher wurden über 130 Projekte mit insgesamt mehr als einer Million Euro unterstützt.

Ziel des Bündnisses ist es, ein tragfähiges Netzwerk aus Organisationen und Projekten zu knüpfen, das vom ersten Ankommen bis zur mittelfristigen Lebensplanung mit dem unterstützt, was gebraucht wird. Das können Einkaufsgutscheine für Lebensmittel und Hygieneprodukte für diejenigen sein, die bei Privatpersonen untergekommen sind, Krisentelefone für die psychische Erstversorgung Traumatisierter oder Einrichtungen, die die Kinder und Jugendlichen in ihre Freizeitangebote integrieren.

Weitere Aufgaben des Fonds sind die Sicherstellung von geschütztem Wohnraum, Ansätze, die zu einem guten Miteinander beitragen und sich gegen Diskriminierung richten oder Rechtsberatung für die erste Ankommensphase. Diese ganzheitliche Ausrichtung unterstützen wir.

StandortHamburg, Deutschland
Förderzeitraum2022-2023
Fördersumme20.000 Euro
Webseitebuergerstiftung-hamburg.de