© Media Forward Fund
Der Media Forward Fund ist der erste länderübergreifende Fonds für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Fonds reagiert auf die strukturelle Finanzierungslücke im gemeinwohlorientierten Journalismus, indem er Medienorganisationen beim Übergang von innovativen Ideen zu dauerhaft tragfähigen Geschäftsmodellen begleitet.
In den Ausschreibungsrunden des Media Forward Fund zeigt sich, wo gemeinwohlorientierter Journalismus im deutschsprachigen Raum aktuell steht. Die Bewerbungen belegen große Innovationslust und publizistische Ambition, machen aber ebenso strukturelle Defizite sichtbar. Besonders deutlich wurde dies in Regionen wie Ostdeutschland und der französischsprachigen Westschweiz, aus denen deutlich weniger förderfähige Anträge eingingen. Wo journalistische Angebote fehlen oder wegbrechen, fehlt oft nicht die Idee, sondern die strukturelle Grundlage, um neue Vorhaben überhaupt zu entwickeln.
Der länderübergreifende MFF wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM-STIFTUNG für Journalismus und Demokratie sowie des Impact Investors Karma Capital und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit als gemeinnütziger Fonds gegründet. Die Entwicklung des Fonds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Durch Erkenntnisse aus den ersten Förderrunden wurde die Förderung des Media Forward Fund zu einem abgestuften Gesamtkonzept weiterentwickelt, das unterschiedliche Entwicklungsphasen systematisch miteinander verbindet.
| Förderzeitraum | 2024-2026 |
| Fördersumme | 312.500 Euro |
| Webseite | www.mediaforwardfund.org |
Interview mit Martin Kotynek
Wenn du auf die bisherigen Förderrunden schaust: Was erfüllt dich mit Stolz und wo siehst du zu hebendes Potenzial?
Es ist ein starkes Signal für die Philanthropie und die Medienbranche, dass sich mehr als 20 Stiftungen, Impact Investoren und diverse Ministerien aus DACH und den USA zusammenfinden, um gemeinsam in dieser akuten Transformationskrise der Medien zu handeln. Von der Idee bis zum Launch der ersten Ausschreibung hat es nur wenige Monate gedauert: “Foundations acting at the speed of news”, nennt es Maribel Perez Wadsworth von unserem fördernden Partner Knight Foundation. Ich freue mich, dass diese internationale philanthropische Kollaboration so entschieden handelt, um den unabhängigen Journalismus und damit die Demokratie zu stärken. Aus gut 380 Bewerbungen wissen wir, dass es Dutzende Medien in DACH gibt, die tragfähiger sein könnten, wenn sie eine klare Wachstumsstrategie hätten. Nachdem wir mit Growth Grants gestartet sind, um gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle ins Wachsen zu bringen, sehe ich großes Potenzial in den neuen Strategy Grants, mit denen wir Medien helfen, eine Wachstumsstrategie zu entwickeln und zu testen.
Welche Wirkung konnte der Media Forward Fund in den ersten 18 Monaten befördern?
Wir fördern bislang elf Medien mit 3,5 Millionen Euro und finanzieren bereits 25,5 Vollzeitäquivalente – mit dem Ziel, dass diese Arbeitsplätze erhalten bleiben, wenn unsere Förderung ausläuft. Die ersten Förderpartner sind nun fast ein Jahr dabei und wir sehen, dass die durch unsere Förderung ermöglichten Investitionen Früchte tragen und gemeinwohlorientierte Umsätze bringen. Es zeigt: Im Journalismus gibt es viele gute Ansätze für transformative Geschäftsmodelle, es mangelt bloß an Mitteln (und teils den Skills), um sie ins Wachsen zu bringen. Über unser Upskilling-Programm verbreiten wir das Wissen öffentlich, wie diese Modelle unserer Förderpartner funktionieren.
Woran werdet ihr in fünf Jahren erkennen, dass der Fund strukturell wirklich etwas verändert hat?
Wenn es uns gemeinsam mit unserem Gründungspartner Rudolf Augstein Stiftung und allen anderen Beteiligten gelungen sein wird, unabhängigen Journalismus als Infrastruktur für eine informierte Öffentlichkeit gestärkt zu haben, indem mehr Medien mit neuen gemeinwohlorientierten Geschäftsmodellen tragfähig finanziert sind.

Journalismus sollte auch in Deutschland gemeinnützig sein. Das wäre der größte Hebel, mehr Fördergeld für diese gewaltige Transformation des Journalismus bereitzustellen.
Martin Kotynek