Netzwerk Recherche

© Nick Jaussi

Der Aufklärung verschrieben: Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (NR) setzt sich für Informationsfreiheit und die Stärkung des investigativen Journalismus ein.

Der 2001 von Journalist*innen gegründete Verein setzt sich in der Aus- und Fortbildung für die Vermittlung von Recherchetechniken ein und unterstützt Projekte, die einen langen Atem erfordern. Das Netzwerk thematisiert in der Öffentlichkeit den Mangel an Recherche und den damit einhergehenden, schleichenden Qualitätsverlust in der Berichterstattung. Mehr als 1.000 Journalist*innen gehören dem Netzwerk inzwischen an.

Eine ebenso hohe Zahl nimmt an der Jahreskonferenz des Netzwerks mit ihren über 100 Einzelveranstaltungen teil. Zudem finden jährlich mehrere Fachkonferenzen statt. Außerdem vergibt NR den Leuchtturm-Preis für besondere publizistische Leistungen sowie Stipendien für herausragende Rechercheprojekte und engagiert sich für den Non-Profit-Journalismus.

Mit unserer Unterstützung konnte im Jahr 2008 eine professionelle Geschäftsstelle eingerichtet werden. Sie übernimmt wichtige organisatorische Aufgaben, unterstützt die ehrenamtliche Arbeit des Vorstands und spielt eine maßgebliche Rolle bei der Planung der Konferenzen. Mit dieser strukturellen Förderung schaffen wir einen Mehrwert für alle Journalist*innen, die die Angebote von Netzwerk Recherche nutzen. Denn: Vernetzung, Wissenstransfer und Selbstreflektion bilden die Basis für Visions- und Innovationskraft der Medienbranche.

Förderzeitraum2008-2025
Fördersummeinsgesamt 585.500 Euro
Webseitenetzwerkrecherche.org

Interview mit Daniel Drepper


Was zeichnet Netzwerk Recherche besonders aus?

Wir haben einen klaren Fokus: Die Recherche. Die fordern wir. Die fördern wir. Die feiern wir. Das schafft eine wachsende Gemeinschaft von Menschen, denen die Recherche als Kern des Journalismus so wichtig ist wie uns.

 

Was hat sich durch Netzwerk Recherche konkret daran verändert, wie heute recherchiert wird?

Vor unserer Gründung war Recherche ein Randaspekt des Journalismus: einsam, männlich dominiert, mit hohen Hürden. Wir haben tausende Menschen vernetzt, haben gezeigt, dass Recherche ein zugängliches Handwerk ist – und arbeiten daran, der Recherche immer mehr Perspektiven und Stimmen zu geben.

 

Welche Voraussetzungen braucht gründliche Recherche und was hat Netzwerk Recherche dazu beigetragen, diese zu verbessern?

Recherche braucht drei Dinge: Handwerk, Zeit und Rückgrat. Durch unsere Konferenzen haben wir einen Ort und eine Kultur geschaffen, in der das Recherche-Handwerk auf Augenhöhe geteilt wird. Wir vergeben seit Jahren Stipendien, die Recherchezeit kaufen. Und wir schaffen Reporter*innen mit unserer klaren Linie ein Geländer, das es leichter macht, sich bei Angriffen aufzurichten und stehen zu bleiben.

 

Was braucht gute Recherche in Zukunft? Welche Rolle kann Netzwerk Recherche in dieser Entwicklung spielen?

Zwischen AI-Slop, Social Media-Polarisierung und schrumpfenden Redaktionen brauchen wir einen Fokus auf die klassische Recherche, auf das Sprechen mit Menschen, auf das Veröffentlichen dessen, was andere nicht veröffentlicht sehen wollen. Wir helfen dabei, zum Beispiel mit unserem neuen Fellowship für Lokale Recherchen, mit Honorar für bis zu sechs Monate, mit Weiterbildung und mit einem pragmatischen Support-Desk. Denn wir glauben, dass gerade im Lokalen eine starke Recherche das Vertrauen in den Journalismus extrem stärken kann.

 

 

 

 

Daniel Drepper
© NDR / Friedrich Bungert

 

Journalist*innen werden immer mehr zur Zielscheibe – insbesondere auch im digitalen Raum. Wir merken, wie groß der Gegenwind ist und wie wichtig es ist, dass Redaktionen diese neue, systematische Einschüchterung der Pressefreiheit ernst nehmen.

Daniel Drepper