Initiative für neue Konzertformate

TONALi

© Pauline Schüler

TONALi entwickelt Konzertformate, die Musiker*innen, Publikum und Stadtraum miteinander verbinden. So entstehen neue Zugänge zur klassischen Musik und Formen der Teilhabe, die das Konzert neu denken.

Die Hamburger Kultur und Bildungsinitiative verfolgt seit 2010 das Ziel, klassische Musik als offene Kunstform weiterzuentwickeln. Dabei geht es nicht nur um neue Formate, sondern auch um die Frage, wer an ihrer Entstehung beteiligt ist. TONALi bindet deshalb Musiker*innen, junge Menschen und Publikum aktiv in die Gestaltung des Konzertlebens ein.

In der TONALi Akademie entwickeln internationale Nachwuchsmusiker*innen eigene künstlerische Konzepte und verbinden ihre musikalische Arbeit mit Vermittlung, Organisation und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Publikumsakademie beteiligt Hamburger Schüler*innen an der Entwicklung und Umsetzung von Konzerten. Beide Programme schaffen einen gemeinsamen Lernraum, in dem junge Menschen Verantwortung übernehmen und klassische Musik aus unterschiedlichen Perspektiven mitgestalten.

Mit dem Kunstschutzgebiet trägt TONALi diesen Ansatz in den Stadtraum. Rund um den Campus in Hamburg entstehen Orte, an denen Nachbarschaft, Jugendliche, Musiker*innen und Publikum zusammenkommen. Auch das TONALi Festival verbindet künstlerische Qualität mit gesellschaftlicher Teilhabe und zivilgesellschaftlichem Engagement.

TONALi verbindet Nachwuchsförderung und künstlerische Entwicklung mit Vermittlung und gesellschaftlicher Verantwortung. Durch interdisziplinäre Formate, die Öffnung in den Stadtraum und die aktive Beteiligung junger Menschen entstehen neue Perspektiven für das klassische Konzert und ein vielfältiges Publikum.

Förderzeitraum2014-2027
Veranstaltungsortverschiedene Orte in Hamburg
Fördersumme55.000 Euro
Webseitetonali.de

Interview mit Amadeus Templeton


Wie erreicht TONALi mit der Publikumsakademie Jugendliche, die von Hause aus nur wenig Berührungspunkte mit klassischer Musik haben?

Mit unserer Publikumsakademie wenden wir uns vornehmlich an Jugendliche aus weiterführenden Stadtteilschulen und Gymnasien aus dem gesamten Hamburger Stadtgebiet. Auch achten wir genau darauf, eine möglichst große gesellschaftliche Vielfalt durch unsere Arbeit zu erreichen und zu involvieren. Gerade die Jugendlichen aus Schulen, die mit klassischer Musik vielleicht eher weniger zu tun haben, interessieren uns besonders. Warum? Weil wir nicht für die klassische Musik missionieren, sondern mit der klassischen Musik in einen interkulturellen Dialog treten möchten. Das ist vielleicht auch der Schlüssel unseres kulturellen Bildungserfolgs. Wenn wir diese Haltung wirklich leben, dann machen wir uns für die erreichbar, die von Hause aus nur wenig Berührungspunkte mit klassischer Musik haben. Und wenn wir uns dann begegnen in TONALi-Konzerten, in denen die Bühne zwischen Profis und Amateuren paritätisch geteilt wird, in der eine professionell gespielte Schubert-Symphonie einem partizipativen Spielraum gegenübersteht, dann wird das Ganze zu einem Fest, zur Musik, die alle ernst- und mitnimmt.

 

Inwiefern bereitet die in der Bühnenakademie gebotene Ausbildung die Stipendiaten darauf vor, ihren Lebensunterhalt
als Musiker*innen zu verdienen?

Die eigene Kunst mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden, das kann man bei uns erlernen. Und wer sein eigenes „Warum“ wirklich kennt, wer eine musikalische Mündigkeit entwickelt hat, wer sich für das Gemeinwohl einzusetzen vermag, findet zumeist auch seinen ganz eigenen, selbstbestimmten Weg. Darüber hinaus qualifizieren wir unsere Musiker*innen darin, sich in Schulprojekten zu betätigen, empowernde Quartiersarbeit zu betreiben, zeitgenössische Konzertformate zu entwickeln, eigene künstlerisch-soziale Impulsprojekte aufzubauen. Und wir schulen sie darin, professionelle Förderanträge zu schreiben. Aktuell arbeiten unsere Musizierenden zusammen mit zahlreichen Jugendlichen und Anwohnenden diverser Quartiere an einem ersten Hamburger Kunstschutzgebiet, das wir mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes kreiert haben.

 

Über welches Etappenziel freut ihr euch persönlich nach 15 Jahren TONALi am meisten?

Wir haben bis 2019 einen der besten Musikwettbewerbe in Deutschland aufgebaut. Und dann haben wir diesen losgelassen, um uns auf die Zukünfte des klassischen Konzertes zu konzentrieren. Es hat ein wenig gedauert, bis unser gewachsenes Umfeld verstanden hat, warum wir das getan haben und welchen Beitrag wir heute leisten, ob in Bildung, im Konzert oder im Kulturleben ganz allgemein. Das ist für uns ein Etappenziel, eine erste Errungenschaft, da wir das konkurrierende Prinzip durch das kollaborative Prinzip abgelöst haben.

 

 

 

Amadeus Templeton
© Georg Tedeschi

 

Weil wir nicht für die klassische Musik missionieren, sondern mit der klassischen Musik in einen interkulturellen Dialog treten möchten. Das ist vielleicht auch der Schlüssel unseres kulturellen Bildungserfolgs. Wenn wir diese Haltung wirklich leben, dann machen wir uns für die erreichbar, die von Hause aus nur wenig Berührungspunkte mit klassischer Musik haben.

Amadeus Templeton