Seit 2016 begleitet Zeig, was du kannst! Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Familien bei der Berufsorientierung und Persönlichkeitsentwicklung. Das mehrjährige Programm hilft ihnen, eigene Fähigkeiten zu erkennen, berufliche Perspektiven zu entwickeln und den Übergang von der Schule in eine Ausbildung selbstbewusst zu gestalten.
Nicht alle Jugendlichen verfügen über die gleichen Voraussetzungen, um sich frühzeitig mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Fehlende Orientierung, familiäre Belastungen oder geringe Unterstützung im Alltag können den Einstieg in eine Ausbildung erschweren. Das Programm setzt deshalb auf eine individuelle und verlässliche Begleitung, die nicht Defizite, sondern Potenziale in den Mittelpunkt stellt.
Qualifizierte Ausbildungscoaches arbeiten gemeinsam mit den Jugendlichen an realistischen Berufszielen und konkreten nächsten Schritten. Schulübergreifende Berufsorientierungstage in regionalen Unternehmen, persönliche Coachings und Mentoringangebote ergänzen diesen Prozess. Seit Beginn unserer Förderung wurden bereits mehr als 1.300 Gruppen- und Einzelcoachings durchgeführt.
Das Programm schlägt Brücken zwischen Schule, Jugendhilfe und Wirtschaft. Schulsozialarbeit, Einrichtungen der Jugendhilfe und regionale Unternehmen arbeiten eng zusammen, um Orientierung, praktische Erfahrungen und persönliche Unterstützung miteinander zu verbinden. So entstehen tragfähige Übergänge, von denen Jugendliche ebenso profitieren wie Unternehmen auf der Suche nach Nachwuchskräften.
Künftig soll Zeig, was du kannst! weitere Regionen in Mecklenburg-Vorpommern erreichen und seine Arbeit stärker mithilfe von Landesmitteln fortführen. Die Entwicklung zeigt, wie regionale Expertise, verlässliche Strukturen und kontinuierliche Begleitung dazu beitragen können, erfolgreiche Übergänge von der Schule in die Ausbildung zu ermöglichen.
| Standort | Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland |
| Förderzeitraum | 2023 – 2029 |
| Fördersumme | 104.000 Euro |
| Webseite | www.bildungswerk-wirtschaft.de |
Interview mit Susan Bach
Zeig, was du kannst! begleitet Jugendliche, die der Übergang von der Schule in die Ausbildung vor Herausforderungen stellt. Welchen Ansatz verfolgt das Programm?
Viele der Jugendlichen in unserem Programm tragen schwere Pakete: Sucht oder Gewalt im Elternhaus, Fremdunterbringung, Flucht, Armut. Wer zu uns kommt, hat oft das Risiko, den Übergang Schule-Beruf nicht zu schaffen. Wir setzen deshalb bei den Stärken an und bleiben verlässlich dran – über mehrere Schuljahre bis in Ausbildung oder einen passenden schulischen Anschluss. Praxis gehört für uns klar dazu: In Future Days öffnen Betriebe ihre Türen, Bewerbungssituationen werden geübt, Ausbilderinnen und Ausbilder geben ehrliches Feedback. Die Arbeitswelt und regionale Wege werden so konkret. Tempo, Materialien und Begleitung passen wir sehr individuell an den Bedarf an.
Was zeichnet das Bildungswerk der Wirtschaft als Träger für ein Angebot am Übergang Schule-Beruf aus?
Wir sind als Träger der Sozialpartner nah an Schule und Wirtschaft und kennen beide Systeme. Als Landesgeschäftsstelle „schulewirtschaft mv“ vernetzen wir zudem Schulen, Unternehmen, Kammern und weitere Akteure. In diesem Netzwerk finden wir für Teilnehmende passende Betriebe für „Future Days“ und Praktika. Künftig wollen wir unsere Partner aus der Wirtschaft stärker in die langfristige Begleitung unserer Teilnehmenden einbinden, denn insbesondere für unsere Zielgruppe gilt: Praxis wirkt am besten.
Warum braucht es Zeig, was du kannst! gerade in Mecklenburg-Vorpommern?
Mecklenburg-Vorpommern steht beim Übergang Schule-Beruf vor besonderen Aufgaben. Statistiken zeigen hohe Abbrüche, einen überdurchschnittlichen Anteil Jugendlicher ohne Abschluss (10,4 Prozent) und zunehmend multiple Problemlagen – von Armut über Flucht bis zu belasteten Familiensituationen. Hinzu kommt, dass im ländlichen Raum kurze Wege fehlen. Die Jugendlichen sind weniger mobil, berufliche Chancen vor Ort sind oft nicht sichtbar und verlässliche lokale Unterstützungsangebote begrenzt. Zeig, was du kannst! setzt genau dort an und bietet verlässliche Begleitung, klare nächste Schritte und strukturierte Kontakte zu Betrieben in der Region.
Wir fördern Zeig, was du kannst! seit 2023. Vor welchen Herausforderungen stand das Projekt damals und was hat sich seither bewegt?
2023 drohte dem Projekt und damit allen teilnehmenden Schülergruppen das vorzeitige Ende. Uns war kurzfristig eine Förderung weggebrochen. Wir mussten in kurzer Zeit neue Partner gewinnen und unser Fundraising professionalisieren. Seitdem haben wir Finanzierung und Abläufe stabilisiert, Materialien und Dokumentation geschärft und „Future Days“ trotz der Herausforderungen im ländlichen Raum verlässlich durchgeführt. Den Austausch mit der Rudolf Augstein Stiftung haben wir genutzt, um das Programm weiterzuentwickeln und Wirtschaft stärker inhaltlich einzubinden. Ohne die akute Unterstützung könnten wir heute nicht sagen: Zeig, was du kannst! ist für Jugendliche in MecklenburgVorpommern stabiler Partner auf dem Weg ins Berufsleben. Die stabile Unterstützung unserer Stiftungspartner hat uns auch mit Blick auf eine Landesförderung überzeugen lassen.

Der Bedarf ist groß und unsere Ressourcen sind begrenzt. Deshalb setzen wir auch weiterhin auf engagierte Stiftungspartner. Gemeinsam schaffen wir mehr passende Übergänge und ein stabiles Ankommen in der neuen Lebensphase. Am Ende sagen möglichst alle Teilnehmenden: „Ich kenne meinen Weg und weiß, dass ich es schaffen kann.“
Susan Bach