Mit „Kunst und Journalismus“ starten das Schauspiel Köln und das gemeinwohlorientierte Medienhaus CORRECTIV eine langfristige Kooperation, die das Potenzial beider Disziplinen für ein zeitgenössisches, faktenbasiertes Erzählen nutzt. Es entsteht ein Laboratorium, in dem Künstler*innen und Journalist*innen gemeinsam neue Formen des dokumentarischen und recherchebasierten Theaters erproben. Bereits in der Spielzeit 2025/26 entstehen fünf Inszenierungen, die investigative Stoffe in eigenständige theatralische Perspektiven übersetzen.
Die Zusammenarbeit reagiert auf eine gesellschaftliche Situation, in der Informationen zwar jederzeit verfügbar sind, ihre Bedeutung aber in der Schnelllebigkeit digitaler Aufmerksamkeit oft verloren geht. Auf der Bühne hingegen können Faktenästhetisch transformiert und erfahrbar werden. Intendant Kay Voges beschreibt das Theater als einen Raum, in dem „Wirklichkeit konstruiert, wahrhaftig befragt und in ihrer Mehrdeutigkeit erfahrbar“ wird. Die Recherchen von CORRECTIV dienen dabei als künstlerisches Ausgangsmaterial.
Im Rahmen der Kooperation soll ein Thinktank von Journalist*innen und Künstler*innen entstehen. Hier werden Recherche, künstlerische Praxis und dokumentarische Ästhetik zusammengeführt, um neue Ausdrucksformen zu entwickeln. Neben recherchebasierten Bühnenarbeiten werden Erfahrungen und Wissen in Workshops geteilt. Zudem entsteht eine Quartalsschrift, die sich mit Fragen künstlerischer Methoden, ästhetischer Übersetzungen und den Möglichkeiten befasst, wie Kunst und Recherche einander produktiv ergänzen können.
Wir engagieren uns für das Projekt, weil die Verbindung von Theater und Journalismus neue Zugänge zu gesellschaftlichen Themen eröffnet. Beide Felder verfügen über eigene Formen der Recherche und Vermittlung; gemeinsam können sie unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und neue Ansätze im Umgang mit komplexen Fragen erproben. Uns überzeugt der Anspruch, Recherche, künstlerische Methode und dokumentarische Ästhetik zu verbinden und Formate zu entwickeln, die sowohl analytisch präzise als auch ästhetisch zugänglich sind.
| Förderzeitraum | 1.November 2025 – 31. Oktober 2027 |
| Veranstaltungsort | Schauspiel Köln |
| Fördersumme | 140.000 Euro |
| Webseite | schauspiel.koeln.de |
Der mexikanisch-amerikanische Fotograf Philip Montgomery zählt zu den prägenden Stimmen des zeitgenössischen Fotojournalismus in den USA. In seinen Schwarzweißserien verdichtet er gesellschaftliche, politische und ökologische Konflikte zu eindringlichen Bildkompositionen.
Nun zeigt das PHOXXI – das temporäre Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg – seine erste große institutionelle Einzelausstellung in Europa. Montgomery dokumentiert seit über einem Jahrzehnt soziale Ungleichheit, strukturellen Rassismus, Naturkatastrophen und politische Polarisierung. Ikonisch wurden seine Fotografien der Black-Lives-Matter-Proteste nach der Ermordung von George Floyd, ebenso wie seine Serien zur Opioidkrise oder zu den Folgen extremer Wetterereignisse. Seine Arbeiten erscheinen regelmäßig in The New York Times Magazine, The New Yorker und Vanity Fair.
Die Ausstellung American Cycles versammelt rund 100 Fotografien aus den vergangenen zehn Jahren – darunter bekannte Auftragsarbeiten ebenso wie bislang unveröffentlichte Bilder.
Indem Montgomery individuelle Lebenssituationen mit übergeordneten gesellschaftlichen Dynamiken verknüpft, entsteht ein komplexes Porträt der Vereinigten Staaten im Wandel. Seine Fotografien zeigen Protestbewegungen, verletzliche Alltagsmomente, religiöse Gemeinschaften, politische Ränder und Menschen, die unmittelbar von ökonomischen oder ökologischen Krisen betroffen sind.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Montgomerys Bilder im Spannungsfeld von dokumentarischer Beobachtung und künstlerischer Interpretation zu lesen. So eröffnet Montgomerys Werk einen präzisen Blick auf jene Schnittstelle, an der sich dokumentarischer Journalismus und künstlerische Praxis begegnen.
| Förderzeitraum | 28. November 2025 – 10. Mai 2026 |
| Veranstaltungsort | PHOXXI – Haus der Photographie temporär, Deichtorhallen Hamburg |
| Fördersumme | 5.000 Euro |
| Webseite | deichtorhallen.de |