Bildende Kunst

Deutscher Pavillon auf der Biennale in Venedig

Mit Arbeiten von Sung Tieu und Henrike Naumann

© Andrea Rossetti

Mit „Ruin“ verwandeln Sung Tieu und Henrike Naumann den Deutschen Pavillon der Biennale di Venezia 2026 in einen Raum, in dem Geschichte materiell spürbar wird. Kuratiert von Kathleen Reinhardt, verbindet der Beitrag persönliche Erinnerungen, politische Brüche und architektonische Spuren zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit deutscher Gegenwart und ihren historischen Kontinuitäten.

Ausgangspunkt ist die Frage, wie politische Gewalt, gesellschaftliche Verunsicherung und autoritäre Dynamiken in Räume, Bilder und Alltagsästhetiken eingeschrieben bleiben. Dabei arbeiten beide Künstlerinnen mit historischen Spuren, persönlichen Erinnerungen und architektonischen Fragmenten, um Gegenwart nicht als abgeschlossene Gegenwart, sondern als Fortsetzung vergangener Konflikte sichtbar zu machen. „Ruin“ beschreibt deshalb nicht nur den Verfall von Gebäuden, sondern auch politische und gesellschaftliche Brüche, deren Folgen bis heute fortwirken.

Sung Tieu überzieht die monumentale Architektur des Pavillons mit der Fassade eines ehemaligen DDR-Plattenbaus in der Berliner Gehrenseestraße. Der Wohnkomplex war eines der größten Wohnheime für Vertragsarbeiter*innen der DDR und zeitweise auch ihr eigenes Zuhause. Heute wird die Anlage abgerissen. In Venedig entsteht sie als großformatiges Mosaik neu und verbindet Fragen von Migration, Erinnerung, Überwachung und Verdrängung mit der Geschichte des Deutschen Pavillons selbst.

Im Inneren des Pavillons entwickelt Henrike Naumann mit Möbeln, Gardinen, Wandfarben und Interieurs eine installative Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Militarisierung, rechter Gewalt und ostdeutscher Transformationsgeschichte.

Ihre Arbeit verbindet Nachkriegszeit, DDR-Alltag und die „Baseballschlägerjahre“ der 1990er Jahre zu einer „archäologischen Vorgeschichte der Gegenwart“. Dabei untersucht sie, wie politische Spannungen und gesellschaftliche Verhärtungen Teil alltäglicher Räume und ästhetischer Gewohnheiten werden. Henrike Naumann hat ihren Beitrag bis zu ihrem plötzlichen Tod im Februar 2026 maßgeblich entwickelt. Das Team des Deutschen Pavillons realisiert die Arbeit in enger Abstimmung mit ihrem Studio und führt ihre künstlerische Konzeption weiter.

Der Pavillon ist in diesem Jahr zudem eng mit Hamburg verbunden: Sung Tieu ist Absolventin der HFBK Hamburg und war dort zuletzt Vertretungsprofessorin. Henrike Naumann sollte ab Herbst 2026 eine Professur an der Hochschule übernehmen. Zwischen Plattenbau, Interieur und monumentaler Pavillonarchitektur entsteht mit „Ruin“ ein Raum, in dem deutsche Geschichte nicht linear erzählt wird, sondern gleichzeitig und widersprüchlich erfahrbar bleibt.

Henrike Naumanns künstlerische Stimme wird weit über diese Biennale hinaus fehlen.

Förderzeitraum9. Mai bis 22. November 2026
VeranstaltungsortBiennale von Venedig, Italien
Fördersumme40.000 Euro
Webseitewww.deutscher-pavillon.org/de

Bildende Kunst

Deutscher Pavillon auf der Biennale in Venedig

Mit Arbeiten von Yael Bartana, Ersan Mondtag und Anderen

© Andrea Rossetti

Unter dem Titel „Thresholds“ erzählt der Beitrag für den Deutschen Pavillon zur Kunstbiennale in Venedig 2024 Geschichte und Zukunft aus der Perspektive verschiedener künstlerischer Positionen.

„Thresholds“ steht für die Gegenwart als Schwelle – ein Ort, an dem niemand bleiben kann und den es nur gibt, weil etwas war und wenn etwas sein wird. Für Menschen, deren Biografie von Migration geprägt ist, geht die zeitliche Wahrnehmung der Gegenwart als Schwelle zusätzlich mit der räumlich-körperlichen Grunderfahrung eines Lebens auf der „Schwelle“ zwischen Zugehörigkeiten einher.

Der künstlerische Beitrag für den Deutschen Pavillon sucht in drei Szenarien den Umgang mit Schwellen, Stufen und Grenzen.
Yael Bartana entwirft Möglichkeiten eines zukünftigen Überlebens zwischen Dystopie und Utopie. Ersan Mondtag beschäftigt sich mit der Frage, was passieren würde, wenn es möglich wäre, vergangene Epochen als Lebensräume wieder aufleben zu lassen, und setzt dem monumentalen Charakter des Pavillons eine fragmentarische, scheinbar kleine Erzählung entgegen.

Neben den Arbeiten von Bartana und Mondtag im Pavillon entwirft der deutsche Beitrag ein drittes Szenario und schlägt eine Brücke zu einem Ort abseits der Giardini: der Insel La Certosa. Mit diesem Schritt nach außen fokussiert „Thresholds“ die Bedeutung der Schwelle als Moment zeitlicher und räumlicher Übergänge. Auf der Insel zeigen Michael Akstaller, Nicole d’Huillier, Robert Lippok und Jan St. Werner ihre Arbeiten.

„Selten hat der Deutsche Pavillon so überwältigt.“ (ZEIT Online)

Förderzeitraum20. April bis 24. November 2024
VeranstaltungsortBiennale von Venedig, Italien
Fördersumme50.000 Euro
Webseitewww.labiennale.org/en