Pressemitteilung

Jury des Media Forward Fund vergibt 500.000 Euro nach Ostdeutschland

© Valerie Maltseva
Hamburg,
10. Dezember 2025

Der Media Forward Fund finanziert ein innovatives Audio-Format für Sachsen-Anhalt in einer Kooperation mit dem Podcastradio detektor.fm aus Leipzig – das Förderangebot wird im Jahr 2026 um Strategy Grants erweitert – nächster Call der Allgemeinen Förderlinie startet am 9. Februar 2026.

Berlin / Wien / Zürich – 10. Dezember 2025: Aus 79 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat die Jury des Media Forward Fund das Podcastradio detektor.fm der BEBE Medien aus Leipzig für eine Unterstützung ausgewählt. Damit stärkt der gemeinnützige Fund erstmals eine gemeinwohlorientierte Medienorganisation, die mittels eines Audio-Formates in Kombination mit Newsletter und Events die Informationsversorgung aus und für Ostdeutschland gezielt stärken möchte.

Neues Audio-Angebot stärkt Informationszugang in Sachsen-Anhalt

Für seine Kooperation mit dem Media Forward Fund erhält detektor.fm 500.000 Euro, um im Rahmen seiner Regionalisierungsstrategie ein neues Podcast-Angebot für Sachsen-Anhalt vor der Wahl zu starten. Für den Aufbau und die nachhaltige Bindung einer regionalen User-Community sind neben dem wöchentlichen Podcast- und Newsletter-Angebot auch vier Live-Events in Sachsen-Anhalt geplant. Ziel ist eine Erhöhung der Newsletter-Subscriber:innen um ein Siebenfaches sowie eine Steigerung der Podcast-Follower:innen von detektor.fm um mindestens 20 Prozent. Der Fortbestand des Newsletters und des Podcasts soll auch nach der Kooperation sichergestellt werden.

„Die Aufrechterhaltung eines stabilen Informationsökosystems wird zunehmend schwieriger, da die Rahmenbedingungen für Anbieter verlässlicher Informationen – insbesondere in regionalen Märkten – immer problematischer werden“, begründet die Jury ihre Entscheidung: „Vor diesem Hintergrund hat sich detektor.fm in Ostdeutschland über sechzehn Jahre hinweg als widerstandsfähige Medienorganisation mit einem innovativen Audio-Ansatz etabliert.“ Die Jury freue sich, die nächste Entwicklungsphase von detektor.fm mit einem Podcastprojekt zu unterstützen, das die Medienvielfalt bereichert und den unabhängigen Journalismus in Sachsen-Anhalt stärkt, heißt es in der Begründung der Jury.

Der unabhängigen Expert:innen-Jury aus dem DACH-Raum gehören Yves Daccord (CH), Maria Exner (DE), Lucy Kueng (CH), Eva Schulz (DE) und Patrick Swanson (AT) an. Sie entscheiden entlang transparenter Kriterien in zwei Calls der Allgemeinen Förderlinie pro Jahr, welche gemeinwohlorientierten Medienorganisationen finanzielle Unterstützung des Media Forward Fund erhalten. Seit seiner Gründung vor eineinhalb Jahren hat die Jury elf Medienorganisationen im DACH-Raum in bislang drei Calls mit insgesamt mehr als drei Millionen Euro unterstützt.

Neue Förderlinie 2026: Media Forward Fund führt erstmals „Strategy Grants“ ein

Der Media Forward Fund erweitert sein Förderangebot und führt im Jahr 2026 eine neue Förderlinie ein. Neben den etablierten „Launch Grants“ und „Growth Grants“ werden 2026 erstmals „Strategy Grants“ ausgeschrieben.

Während „Launch Grants“ Medienorganisationen dabei unterstützen, neue Angebote, Formate, Vertriebswege oder Erlösquellen erfolgreich in den Markt einzuführen, setzen die „Strategy Grants“ direkt nach der Marktetablierung an. Die einjährige Förderung ermöglicht es Medienprojekten, Wachstumsannahmen für ein konkretes Angebot, Format, Vertriebsweg oder Erlösquelle systematisch zu überprüfen: Durch Marktstudien, Nutzerforschung und gezielte Tests sollen gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle validiert und weiterentwickelt werden.

Ziel der neuen Förderlinie ist die Entwicklung einer praxisnahen, umsetzbaren Wachstumsstrategie. Geförderte Organisationen erhalten während des Prozesses ein begleitendes Coaching. Gleichzeitig dienen die „Strategy Grants“ als Hinführung für eine mögliche Bewerbung für die „Growth Grants“ der Allgemeinen Förderlinie, die Medienorganisationen dabei unterstützen, ihr gemeinwohlorientiertes Geschäftsmodell ins Wachstum zu bringen und den nächsten Entwicklungsschritt hin zu verstärkter finanzieller Tragfähigkeit zu gehen.

„Mit den neuen „Strategy Grants“ schließen wir die Finanzierungslücke zwischen Markteinführung und Wachstum von zukunftsfähigen Geschäftsmodellen im Journalismus“, sagt Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Fund: „Gemeinnützige Medienorganisationen erhalten damit die Möglichkeit, ihre Ideen gezielt zu testen und eine Wachstumsstrategie abzuleiten – ein entscheidender Schritt, um langfristig erfolgreich gemeinwohlorientierten Journalismus machen zu können.“

Die erste Ausschreibung der „Strategy Grants“ erfolgt im September 2026. Der nächste Call mit „Growth Grants“ in der Allgemeinen Förderline für Deutschland, Österreich und Schweiz startet am 9. Februar 2026.

Über den Media Forward Fund

Der erste länderübergreifende Fund für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz setzt sich dafür ein, dass es mehr unabhängige Qualitätsmedien mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, die starke, vertrauenswürdige Inhalte publizieren und sich langfristig nachhaltig finanzieren. Damit soll die Vielfalt im gemeinwohlorientierten Journalismus und damit die Demokratie gestärkt werden.

Der Media Forward Fund wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM STIFTUNG für Journalismus und Demokratie, der MacArthur Foundation (USA) sowie des Impact Investors Karma Capital Group, und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit im Juli 2024 als gemeinnütziger Fund gegründet. Im Rahmen einer neuen Förderlinie für Wissenschafts- und Datenjournalismus waren im Januar 2025 fünf weitere Stiftungen aus Deutschland zum Fund gestoßen. Im März kam die Deutsche Postcode Lotterie hinzu, im September das deutsche Bundesministerium für Forschung, Technik und Raumfahrt. Die Entwicklung des Funds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt.

Der Fund ist bis dato mit elf Millionen Euro dotiert. Durch die Governance des Fund ist sichergestellt, dass die Entscheidung, wer eine Förderung erhält, unabhängig von den Geldgebern (privat wie öffentlich) getroffen wird.

www.mediaforwardfund.org

Statement: JX Fund als „unerwünschte Organisation“ eingestuft

© JX Fund
Berlin,
16. Oktober 2025

Der JX Fund – Europäischer Fonds für Journalismus im Exil unterstützt Medienschaffende, die aufgrund von Krieg, Repression oder Zensur ihr Land verlassen mussten, dabei, ihre unabhängige Arbeit im Exil fortzusetzen. Die Rudolf Augstein Stiftung hat den Fonds im März 2022 gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen und der Schöpflin-Stiftung mitgegründet und ist Gesellschafterin der Organisation. Als Partnerin setzt sich die Stiftung für die Pressefreiheit und den Schutz unabhängiger Berichterstattung weltweit ein.

Am 16. Oktober hat das russische Justizministerium den JX Fund auf die Liste der sogenannten „unerwünschten Organisationen“ gesetzt. Diese Einstufung verbietet jegliche Tätigkeit des JX Fund in der Russischen Föderation und stellt die Zusammenarbeit mit der Organisation nach russischem Recht unter Strafe. Sie ist Teil einer eskalierenden Kampagne, unabhängige Stimmen zu unterdrücken und die verbliebenen Räume für freie Meinungsäußerung in Russland zu zerstören – ein Schicksal, das bereits viele unserer Partner*innen aus internationalen Medien und der Zivilgesellschaft getroffen hat, darunter Reporter ohne Grenzen (RSF), die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), Amnesty International sowie mehrere russische Exilmedien.

Für die Aufnahme des JX Fund in diese Liste wurde keine konkrete Begründung angegeben, und auch keine Mitarbeitenden wurden im Vorfeld informiert. Die Arbeit des JX Fund fand stets außerhalb der russischen Gerichtsbarkeit statt – unter Einhaltung aller rechtlichen Vorgaben und mit größtmöglichem Schutz für Personen, die potenziell von diesem Gesetz betroffen sein könnten. Angesichts der aktuellen Einstufung wird der JX Fund seine bisherige Praxis fortsetzen, ausschließlich im Ausland zu arbeiten, und keine Förderung, Zusammenarbeit oder Aktivitäten mit in Russland ansässigen Organisationen oder Einzelpersonen durchführen.

Als Folge dieser Einstufung wird darauf hingewiesen, dass für alle russischen Staatsbürger*innen und juristischen Personen jede Form der Zusammenarbeit – einschließlich Beschäftigung, Fördermittel oder Projektbeteiligung – nun einen Verstoß gegen russisches Recht darstellt und zu administrativer oder strafrechtlicher Verfolgung führen kann. Auch das erneute Veröffentlichen, Teilen oder Verlinken von Materialien des JX Fund in sozialen Medien oder auf Websites mit Zielpublikum in Russland oder das Zitieren solcher Inhalte kann von den Behörden als Beteiligung an der Tätigkeit der Organisation gewertet werden und somit ein rechtliches Risiko für russische Bürger*innen darstellen.

Diese Einstufung zeigt, wie weit die russischen Behörden bereit sind zu gehen, um unabhängigen Journalismus zum Schweigen zu bringen und die russische Gesellschaft von internationalem Austausch und vielfältigen Perspektiven abzuschneiden.

Der JX Fund wird die innerhalb der Russischen Föderation geltenden gesetzlichen Beschränkungen weiterhin einhalten. Sein Auftrag, unabhängigen Journalismus international zu unterstützen, bleibt davon jedoch unberührt. Die Organisation wird ihre Arbeit zur Stärkung von Exilmedien und zur Sicherung des Zugangs zu verlässlichen Informationen fortsetzen.

Diese Medien gewährleisten den Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen und bewahren Räume für Wahrheit und Verantwortlichkeit inmitten von Zensur und Desinformation. Ihre Arbeit steht für die Prinzipien der freien Meinungsäußerung und des unabhängigen Journalismus, die grundlegend für demokratische Gesellschaften sind. Indem sie Realitäten dokumentieren, die autoritäre Regime zu verbergen suchen, stärken sie die Widerstandskraft der Zivilgesellschaft und ermöglichen internationalen Öffentlichkeiten, Krisen besser zu verstehen und darauf zu reagieren.

Die Kriminalisierung des JX Fund verdeutlicht, wie sehr autoritäre Regime von Innovation, investigativem Journalismus und digitaler Resilienz im Exil bedroht sind. Die von den unterstützten Medien entwickelten Recherchen und Werkzeuge haben Korruption, Repression und grenzüberschreitende Einflussnahme offengelegt – genau jene Bemühungen, die durch diese Maßnahme unterdrückt werden sollen.

Der JX Fund ruft demokratische Regierungen, Institutionen und Partner*innen dazu auf, ihre Unterstützung für Exil- und Vertriebenenmedien zu verstärken – als unverzichtbare Akteure einer freien und informierten globalen Öffentlichkeit.

Weitere Informationen zum JX Fund finden Sie hier.

Pressemitteilung

Jury des Media Forward Fund sendet klares Signal für den Lokaljournalismus

© Valerie Maltseva
Hamburg,
15. Juli 2025

Sechs Medien erhalten Förderungen in Gesamthöhe von 1,5 Millionen Euro, davon vier Redaktionen aus Deutschland und zwei aus der Schweiz – ausgezeichnet wurden transformative Geschäftsmodelle, um Lokaljournalismus zu finanzieren, sowie Wissenschafts- und Datenjournalismus – Patrick Swanson neu in der Jury – nächster Call startet am 11. August 2025

Berlin / Wien / Zürich – 15. Juli 2025: Der vor einem Jahr gegründete Media Forward Fund (MFF) zur Stärkung des gemeinwohlorientierten Journalismus und der Demokratie in Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert heute die neuen Förderpartner aus dem zweiten Fördercall. Sechs Medien erhalten Förderungen in Gesamthöhe von 1,5 Millionen Euro: In der Allgemeinen Förderlinie (GEN) spricht die unabhängige Jury drei Medien eine Förderung von jeweils bis zu 400.000 Euro zu, davon einem aus Deutschland und zweien aus der Schweiz. In der neuen Förderlinie Wissenschafts- und Datenjournalismus (SCI) erhalten drei weitere Medien aus Deutschland Launch Grants von jeweils bis zu 100.000 Euro.

Die Jury hat aus 113 Bewerbungen aus dem gesamten DACH-Raum diesmal drei Lokalmedien ausgewählt, die mit drei verschiedenen Geschäftsmodellen arbeiten, um gemeinwohlorientierten Lokaljournalismus zu finanzieren: von tief verankertem Community-Journalismus nahe an einer urbanen Zielgruppe vor Ort über hyperlokale, KI-gestützte Informationsangebote im ländlichen Raum bis hin zur strategischen Erschließung von Gemeinden im suburbanen Bereich als neue Finanzierungspartner.

„Mit ihrer Entscheidung sendet die Jury ein klares Signal, dass es im Lokaljournalismus viele transformative Geschäftsmodelle mit Zukunftschancen gibt“, sagt Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Fund. „Mit der Förderung können wir einen Beitrag leisten, diese gemeinwohlorientierten Modelle ins Wachstum zu bringen, damit Lokalmedien sich unabhängiger finanzieren können. So können sie als Blaupause für Lokalmedien im gesamten DACH-Raum dienen.“

 

Die Förderpartner der Allgemeinen Förderlinie (GEN)

  • Das gemeinnützige Schweizer Lokalmedium Bajour, das täglich mehr als 20.000 Menschen erreicht und sich seit 2019 mit seinem per Newsletter versendeten Basel Briefing als wichtiges journalistisches Angebot in Basel etablieren konnte, erhält eine Förderung in Höhe von 400.000 Euro. Mit der Förderung möchte Bajour sein Basel Briefing mit hyperlokalisierten News auf die zehn einwohnerstärksten Vorortgemeinden von Basel ausweiten. Zudem sollen informationspflichtige Gemeinden als finanzielle Kooperationspartner gewonnen und neue zahlende Unterstützende und zusätzliche Werbeeinnahmen generiert werden. Die Jury würdigt den Ansatz des “deep local journalism“: „Bajour bietet ein in Ton und Sprache zielgruppengerecht und leicht zugängliches Angebot passend zu den kommunikativen Bedürfnissen der lokalen Zielgruppe. Der Ansatz, Gemeinden als Einnahmequelle in seinen Vertriebskanälen zu erschließen, hat das Potenzial, als Vorbild für lokaljournalistische Innovation für die gesamte DACH-Region zu dienen.“

 

  • Mit dem deutschen Lokalmedium loky* aus dem Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg, das durch alltagsnahen Newsletter-Journalismus und regelmäßigen Austausch eine Local News Community aufbauen möchte, geht der MFF eine Kooperation in Höhe einer Projektfinanzierung von 400.000 Euro ein. Ziel ist es, das Berichtsgebiet und Angebot auf benachbarte Ortsteile auszuweiten und so zusätzliche Newsletter-Abonnements zu gewinnen. loky* überzeugte die Jury als Vorreiter für urbanen Community-Journalismus mit hoher Relevanz direkt vor Ort: „loky* versteht die besonderen Bedürfnisse und Themen der lokalen Zielgruppe und hat darauf ein starkes und überzeugendes Markenkonzept gebaut. Besonders gefallen haben Leichtigkeit, Neugier und Optimismus als Antwort auf das Phänomen der Nachrichtenvermeidung.“

 

  • Neue digitale Dorfzeitungen: Spatz ist eine Schweizer Digitalplattform, die ein Netzwerk KI-gestützter hyperlokaler Nachrichtenquellen via Newsletter und WhatsApp aufbaut – von und für die Dorfgemeinschaft. Der Media Forward Fund unterstützt mit 400.000 Euro die Skalierungsstrategie der gemeinnützigen Medienorganisation Spatz und eine Ausweitung von bisher acht auf mindestens zwanzig digitale Dorfzeitungen im DACH-Raum. Zudem soll ein nachhaltiger Finanzierungsmix aus Mitgliedschaften und der Erschließung lokaler Werbemärkte etabliert werden. „Spatz füllt mit seinen KI-generierten journalistischen Angeboten jene Lücken im ländlichen Raum, die der traditionelle Journalismus hinterlassen hat“, heißt es in der Begründung der Jury. „Wir sehen ein interessantes und innovatives Geschäftsmodell mit hohem Skalierungspotenzial, um ländliche und dünn besiedelte Regionen in der Schweiz und darüber hinaus zu versorgen.“

 

Die Förderpartner der Förderlinie Wissenschafts- und Datenjournalismus (SCI)

Anders als in der Allgemeinen Förderlinie, wo Fördermittel für das Wachstum von bereits auf dem Markt erprobten, gemeinwohlorientierten Geschäftsmodellen vergeben werden, waren in der Förderlinie für Wissenschafts- und Datenjournalismus „Launch Grants“ ausgeschrieben, die ein Vorhaben von der Idee zum Launch unterstützen sollen. Diese Förderlinie wird in Kooperation mit dem Wissenschaftspressekonferenz e.V. (WPK) angeboten.

 

  • Mit der gemeinwohlorientierten Wissenschaftsredaktion von TWENTYTWO Film aus Köln, die mit der Marke Doktor Whatson bereits auf YouTube reichweitenstarken, niedrigschwelligen Wissenschaftsjournalismus für junge Zielgruppen produziert, geht der MFF eine Kooperation in Höhe einer Projektfinanzierung von 100.000 Euro ein. Im Rahmen des Projekts soll für die erfolgreiche Marke ein neues Instagram-Format gelauncht werden, das mit kreativen Datenvisualisierungen zu relevanten Themen für junge Menschen informiert. Die Jury lobt die klare Zielgruppenorientierung sowie den experimentierfreudigen Drive des Projekts: „TWENTYTWO Film zeigt, dass fundierter Wissenschaftsjournalismus auch auf aufmerksamkeitsökonomisch geprägten Plattformen wie YouTube funktionieren kann. Besonders hervorhebenswert: Die Produktion soll unabhängiger von einzelnen Hosts werden.“

 

  • Die investigative Recherche- und Transparenzplattform FragDenStaat, die auf Basis von Auskunftsrechten amtliche Informationen auf Landes- und EU-Ebene anfordert und protojournalistisch für Kooperationen mit großen Medienpartnern wie dem ZDF Magazin Royale auswertet, wird mit 75.000 Euro gefördert. Mit dem Bundespressekonferenz-Tracker möchte FragDenStaat ein datenjournalistisches Tool umsetzen, das Statements von Bundesministerien, Sachfragen und Antworten der Mitglieder der Bundespressekonferenz dokumentiert, verschlagwortet und kategorisiert, um über lange Zeiträume aufzuzeigen, welche Themen viel und welche kaum diskutiert werden. Die Jury hebt die protojournalistische Infrastrukturarbeit hervor, die andere Medien dazu anregt, ein Thema ins Licht zu rücken, das sonst verborgen bliebe: „Das Projekt von FragDenStaat stärkt die Funktion der Bundespressekonferenz als Gegenstand der Berichterstattung. Als datenjournalistisches Innovationstool macht es Diskurse nachhaltig transparent und nachvollziehbar. Zudem hat es das Potenzial, sich positiv auf andere datengetriebene Geschäftsmodelle auszuwirken.“

 

  • Die deutsche Plattform Dekoder, die als Schnittstelle zwischen Journalismus und Wissenschaft relevante Beiträge aus dem unabhängigen, nicht-staatlichen russisch-, belarussisch- und ukrainischsprachigen Journalismus kuratiert, übersetzt und kontextualisiert, erhält eine Förderung von 75.000 Euro. Mit einem neuen Newsletter-Angebot plant Dekoder, künftig zwei wöchentliche Newsletter zu veröffentlichen: Einen auf Deutsch, der über aktuelle Geschehnisse in Russland, der Ukraine und Belarus informiert, und einen weiteren für eine russischsprachige Leserschaft, der wissenschaftlich fundierte Einordnungen zu Deutschland liefert. „Kuratierung wird immer wichtiger in Zeiten von Informationsüberfluss und fragmentierten Öffentlichkeiten. Indem Dekoder einschlägige Beiträgekuratiert und übersetzt, bieten sie eine zuverlässige Informationsquelle in einem von Propaganda geprägten Mediensegment“, begründet die Jury ihre Entscheidung. „Dekoder ist uns mit datenjournalistischen Projekten bereits positiv aufgefallen und wir unterstützen die Transformation hin zu einem eigenständigen journalistischen Format.“

 

Klares Bekenntnis zu Lokaljournalismus und Transformation

Lokaljournalismus bietet eine wesentliche Grundlage für Information und Teilhabe an der Demokratie, steht aber durch den Druck auf das Printmodell unter besonderen Herausforderungen, sich zu finanzieren. Der Media Forward Fund fördert in seinen bisher zwei Förderrunden mit Bajour, loky*, Spatz und Tsüri inzwischen vier unterschiedliche lokaljournalistische Modelle, die eine Lösung auch jenseits ihrer Region sein können.

„Auch die öffentliche Hand sollte solche transformativen Ansätze fördern, Lokaljournalismus unabhängig zu finanzieren, um eine Versorgung mit verlässlicher Information im Bundesland, im Kanton und in der Gemeinde sicherzustellen“, fordert Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Fund. Dabei sollte die Förderung staatsfern organisiert sein, also in einer Form, bei der die Geldgeber nicht selbst entscheiden, wer das Fördergeld erhalten soll, um die Unabhängigkeit der geförderten Medien sicherzustellen.

Der MFF-Gründungsgeschäftsführer ortet besonders im österreichischen Förderwesen Verbesserungsbedarf, da es dieses Mal keine der 20 Bewerbungen aus Österreich ins Finale geschafft haben: „Die staatliche Förderung in Österreich führt Medien auf den Holzweg. Anstatt transformative Ansätze zu belohnen, wird weiterhin stark das Printmodell unterstützt. Im DACH-Vergleich kann sich diese Praxis nicht behaupten.“

Wechsel in der Besetzung der Jury

Der Jury der Förderlinie GEN gehörten – wie im ersten Call – Yves Daccord, Maria Exner, Lucy Kueng, Eva Schulz und Evelyn Hemmer an. Die Mitglieder der Jury der Förderlinie SCI waren Christina Elmer, Helmut Schönenberger und Jakob Simmank. Um eine einheitliche Bewertung der Vergabekriterien über alle Förderlinien sicherzustellen, ergänzten Eva Schulz, Evelyn Hemmer und Lucy Kueng die SCI-Jury.

Evelyn Hemmer wird künftig den Jurys des Media Forward Fund nicht mehr angehören, da sie als Medienreferentin ins österreichische Vizekanzleramt wechselt. Ihren Sitz in den Jurys übernimmt ab dem nächsten Call der österreichische Journalist Patrick Swanson. Er hat kürzlich das John S. Knight Journalism Fellowship an der Stanford Universität absolviert und in San Francisco Verso, ein Beratungsunternehmen für KI-Transformation, gegründet. Swanson unterstützt Medienhäuser, Non-Profits und Unternehmen in Europa und den USA bei der Entwicklung innovativer digitaler Strategien und zukunftsfähiger Geschäftsmodelle. Zu seinen journalistischen Stationen zählt unter anderem der ORF, wo er für die Zeit im Bild die reichweitenstärksten Social-Media-Kanäle des Landes aufbaute.

Nächster MFF-Call startet im August

Die nächste Förderrunde startet am 11. August 2025. Bewerbungen sind bis 22. August möglich. Die Bewerbungsphase wird erneut von online Info-Sessions auf Deutsch, Englisch und Französisch begleitet – sowie mit einer Präsenzveranstaltung am 7. August in Leipzig, mit besonderem Fokus auf Ostdeutschland.

Über den Media Forward Fund

Der erste länderübergreifende Fund für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz setzt sich dafür ein, dass es mehr unabhängige Qualitätsmedien mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, die starke, vertrauenswürdige Inhalte publizieren und sich langfristig nachhaltig finanzieren. Damit soll die Vielfalt im gemeinwohlorientierten Journalismus und damit die Demokratie gestärkt werden.

Der Media Forward Fund wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM STIFTUNG für Journalismus und Demokratie, der MacArthur Foundation (USA) sowie des Impact Investors Karma Capital Group, und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit im Juli 2024 als gemeinnütziger Fund gegründet. Im Rahmen einer neuen Förderlinie für Wissenschafts- und Datenjournalismus waren im Januar 2025 fünf weitere Stiftungen aus Deutschland zum MFF gestoßen. Im März kam die Deutsche Postcode Lotterie hinzu. Die Entwicklung des Funds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Der MFF ist bis dato mit zehn Millionen Euro dotiert.

www.mediaforwardfund.org

Neuer Fonds für Medienvielfalt

Media Forward Fund

© Media Forward Fund

Der Media Forward Fund ist 2024 als erster länderübergreifender Fonds für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz in seine erste Förderrunde gestartet. Die nächste Antragsfrist ist für Anfang 2025 geplant.

Der Fonds ist zunächst mit sechs Millionen Euro dotiert und setzt sich dafür ein, dass es mehr unabhängige Qualitätsmedien mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, die starke, vertrauenswürdige Inhalte publizieren und sich langfristig nachhaltig finanzieren. Damit soll die Vielfalt im Journalismus und damit die Demokratie gestärkt werden. Pro Organisation werden Fördermittel von bis zu 400.000 Euro vergeben. Die erste Bewerbungsphase für den Media Forward Fund ist zwischenzeitlich abgeschlossen. Die nächste Bewerbungsphase beginnt Anfang 2025.

Der länderübergreifende MFF wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM-STIFTUNG für Journalismus und Demokratie sowie des Impact Investors Karma Capital und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit als gemeinnütziger Fonds gegründet. Die Entwicklung des Fonds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Geplant sind drei Förderrunden pro Jahr: Die Förderungen belaufen sich entweder auf 200.000 Euro für Projektförderung oder 400.000 Euro für Organisationsförderung pro Medium für zwei Jahre.

Förderzeitraum2024-2026
Fördersumme300.000 Euro
Webseitewww.netzwerkrecherche.org

Erste bundesweite Studie zu Zeitungssterben

Wüstenradar

© Wüstenradar

Bis dato gab es in Deutschland kein systematisches Monitoring, inwiefern durch den Rückzug regionaler und lokaler Tageszeitungen Lücken bei der journalistischen Recherche und der Kontrolle von Kommunalpolitik entstehen. Die im November 2024 lancierte Pionierstudie „Wüstenradar“ präsentiert nun erstmals den Status Quo und zeigt Tendenzen auf.

Unabhängige Medien sind unabdingbar für die Demokratie. Sie ermöglichen einen offenen politischen Diskurs, dienen als Vierte Gewalt und Kontrollinstanz für das Handeln von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und beugen Machtmissbrauch und Korruption vor. Sinkende Auflagen und rückläufige Einnahmen im Anzeigensektor haben viele Verlage jedoch in eine riskante wirtschaftliche Schieflage gebracht. Wo lokale oder regionale Zeitungen schrumpfen oder verschwinden, entstehen Leerstellen, die andere Medien nicht füllen wollen, können oder dürfen. Es steht zu befürchten, dass damit auch die Watchdog-Funktion der Presse in Gefahr gerät.

Die mit der digitalen Revolution einhergehenden Umbrüche im Mediensystem haben den Journalismus insbesondere auf der lokalen und regionalen Ebene geschwächt. Dies kann Türen für Korruption und Missbrauch öffnen. Wo die Watchdog-Funktion von Medien ausbleibt, gerät die Demokratie in Gefahr. Während Studien in anderen Ländern wie beispielsweise den USA belegen, dass das Verschwinden lokaler und regionaler Zeitungen zum Ausfall eines zentralen Korrektivs gegenüber der lokalen und regionalen Politik führt, fehlte in Deutschland bislang eine solche empirische Untersuchung. Hier schafft die Pionierstudie „Wüstenradar“ nun Abhilfe. Darüber hinaus wird eine Struktur für ein dauerhaftes Monitoring der Präsenz und des Ausmaßes lokaljournalistischer Berichterstattung etabliert.
Der „Wüstenradar“ ist ein Projekt der Hamburg Media School in Kooperation mit Transparency International Deutschland sowie Netzwerk Recherche e.V..

Förderzeitraum2023-2024
Fördersumme47.350 Euro
Webseitewww.wuestenradar.de/

Pressemitteilung

Jury des MFF entscheidet: Vier Medien erhalten die ersten Förderungen

© Paul Alexander Probst
Hamburg,
6. Dezember 2024

Je zwei Medien aus der Schweiz und Österreich erhalten jeweils bis zu 400.000 Euro — Fokus liegt auf neuen Methoden, gemeinwohlorientierte Vertriebskanäle zu vergrößern — neue Bewerbungen ab März 2025 möglich

Berlin / Wien / Zürich – 6. Dezember 2024: Im Juli ist der Media Forward Fund (MFF) gestartet, um den gemeinwohlorientierten Journalismus und die Demokratie in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu stärken – nun stehen die ersten Förderpartner des ersten Calls aus dem DACH-Raum fest. Vier Medien, davon zwei aus der Schweiz und zwei aus Österreich, wurde von der unabhängigen Jury eine Förderung von jeweils bis zu 400.000 Euro zuerkannt. Die Medien wollen mit vier unterschiedlichen gemeinwohlorientierten Ansätzen neue Wege gehen, ihre Vertriebskanäle zu vergrößern, um mehr Nutzerinnen und Nutzer für ein Abo oder eine Mitgliedschaft zu gewinnen.

Unter den ersten vier Förderpartnern des MFF sind zwei investigative Redaktionen; bei einem Medium liegt der thematische Fokus auf der „underserved community“ von Menschen mit Behinderung:

  • Das Schweizer Investigativmedium Reflekt aus Bern, das seit mehr als fünf Jahren regelmäßig Missstände aufdeckt und damit gesellschaftlichen Impact erzielt, wird mit 300.000 Euro gefördert. REFLEKT möchte seine Vertriebskanäle (Funnel) verbreitern, indem sie gemeinsam mit reichweitenstarken Hosts ihre investigativen Recherchen in Social Videos zugänglich machen. Die so gewonnenen Nutzerinnen und Nutzer sollen dann über ein Crowdfunding zu zahlenden Unterstützern werden.
  • Das österreichische werbefreie Investigativmedium Dossier aus Wien, das seit mehr als zwölf Jahren über Korruption, Ausbeutung und Machtmissbrauch berichtet, wird mit 390.000 Euro gefördert. Dossier möchte seinen Funnel zur Mitgliedschaft vergrößern, indem investigative Recherchen auf die Theaterbühne gebracht werden.
  • Das österreichische Medienhaus andererseits aus Wien, bei dem Menschen mit und ohne Behinderungen seit zwei Jahren in einer inklusiven und Community-basierten Redaktion für ein Print-Magazin, zwei Newsletter und investigative Recherchen schreiben, wird mit 400.000 Euro gefördert. Andererseits möchte seine Vertriebskanäle zum Abo durch einen themenspezifischen Newsletter für die „underserved community“ der Menschen mit Behinderung vergrößern.
  • Mit dem Schweizer Lokalmedium Tsüri aus Zürich, das seit zehn Jahren für eine überwiegend junge Zielgruppe berichtet, geht der MFF eine Kooperation mit einem finanziellen Beitrag von 400.000 Euro ein. Damit soll in Workshops und Prototypen herausgefunden werden, wie ein hyperlokales Nischenthema den Vertriebskanal zur Mitgliedschaft vergrößern kann.

„Aus 136 Bewerbungen unterstützt der Media Forward Fund vier vielversprechende Projekte, die allesamt wertvolle Erkenntnisse bringen werden, wie der gemeinwohlorientierte Journalismus durch zusätzliche Vertriebskanäle tragfähiger finanziert werden kann“, sagt Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Fund: „Mit unserem finanziellen Beitrag sowie zusätzlich mit Coaching, Capacity Building und Ausbildung können die vier Medien ihre Geschäftsmodelle zum Wachstum bringen, um so ihre finanzielle und damit ihre inhaltliche Unabhängigkeit zu stärken.“

Die nächste Förderrunde beginnt im März 2025. Die Ausschreibung wird von Info-Sessions und Schulungen begleitet. Bewerber:innen, die von der Jury keine Förderzusage erhalten haben, erhalten auf Wunsch die Möglichkeit eines Feedbackgesprächs. Eine erneute Bewerbung ist möglich.

 

Projekte & Jurybegründung: Über die Förderpartner:innen

 

Reflekt

Um zukünftig vermehrt jüngere Zielgruppen mit den Ergebnissen ihrer Recherchen zu erreichen, möchte das Investigativmedium Reflekt mit der Förderung des MFF verstärkt auf die Produktion von investigativem Video-Content für Social Media in Kooperation mit reichweitenstarken Hosts setzen. Mit dem vielbeachteten „Kein Freund und Helfer“-Video hat Reflekt dafür bereits einen erfolgreichen Proof-of-Concept geliefert. Das übergeordnete Ziel des Investigativmediums ist es dabei, seine Community und damit auch seine zahlenden Mitglieder durch eine höhere Reichweite in den sozialen Medien und zusätzlich über ein Crowdfunding mindestens zu verdoppeln.

Die Jury war beeindruckt „von der Kombination aus investigativer Arbeit mit hoher Relevanz und der originellen Übersetzung von Recherchen in Social Videos“. Sie interessierte sich besonders dafür, „wie künftig Host-Strategien effektiv genutzt werden können, um auch ein jüngeres Publikum mit Investigativjournalismus zu erreichen.“

 

Dossier

Das Investigativmedium Dossier aus Österreich hat als erfolgreiches Proof-of-Concept das Theaterstück „Aufstieg und Fall des Herrn René Benko“ in Kooperation mit dem Wiener Volkstheater vorgelegt. Basierend darauf möchte Dossier die Vermittlung seiner investigativjournalistischen Arbeitsweise und einzelner Rechercheergebnisse auf der Theaterbühne im Sinne des Slow Journalism für ein vielfältiges Publikum ausweiten. Mit drei verschiedenen Live-Journalismus-Formaten sollen so zusätzliche zahlende Mitglieder gewonnen und auch weitere Einnahmequellen erschlossen werden.

„Indem Dossier seine journalistische Arbeit auf die Bühne und damit in die analoge Welt zurückbringt, geht es neue Wege, um mit seinem Publikum in direkten Kontakt zu treten und eine tiefere Auseinandersetzung mit den Ergebnissen seiner Recherchen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft anzuregen“, urteilt die Jury: „Bewähren sich die Live-Journalismus-Formate, könnte ein völlig neues journalistisches Genre mit immersivem Charakter für die Branche entstehen und sich als neues, gemeinwohlorientiertes Erlösmodell etablieren“.

 

Medienhaus andererseits

Um die Perspektive von Menschen mit Behinderungen im Journalismus sichtbarer zu machen, recherchieren und schreiben Menschen mit Behinderungen in der Redaktion des inklusiven und Community-basierten Medienhauses andererseits. Neben einem Printmagazin und zwei Newslettern veröffentlicht Andererseits auch investigative Recherchen in Kooperation mit großen Partnermedien. Mit der Förderung des MFF will Andererseits die Zahl der zahlenden Abonnentinnen und Abonnenten verdreifachen. Dafür sind im Förderzeitraum Relaunches der Newsletter und die Entwicklung zusätzlicher Social-Media-Formate geplant. Mit Nutzendenbefragungen soll eine solide Datenbasis aufgebaut werden, um den allgemeinen Erkenntnisgewinn zur unabhängigen, Community-basierten Finanzierung für barrierefreien und diversen Journalismus voranzutreiben.

Die Jury bewertete vor allem „das eingereichte Vorhabendesign, das von einer hochprofessionellen Arbeitsweise der Organisation und stark ausgeprägten Nutzendenzentrierung zeugt“, besonders positiv: „Im Gegensatz zu vielen anderen Medien ist Andererseits erfolgreich darin, echten und glaubwürdigen inklusiven Journalismus unter qualitätsjournalistischen Ansprüchen zu machen, auch wenn dieser zeit- und damit kostenintensiver ist“, lautet die Begründung der Jury. „Damit erfüllt das Projekt nicht nur eine wichtige Vorreiterfunktion, sondern hat auch das Potenzial, Lösungen für eine inklusivere Weiterentwicklung des journalistischen Sektors zu bieten“.

 

Tsüri

Das digitale Stadtmagazin Tsüri bedient mit dem „Züri Briefing“, einem täglichen Newsletter mit wichtigen Nachrichten zur Stadt, eine überwiegend junge Zielgruppe in Zürich. In Zukunft wird Tsüri auch regelmäßig mit einem neuen hyperlokalen Newsletter über ein relevantes Nischenthema berichten, konkret über die Wohnkrise in der Stadt. Damit soll die Anzahl der zahlenden Mitglieder aufgrund der hohen lokalen Relevanz des Themas mehr als verdoppelt werden. Der MFF wird Tsüri bei diesem Vorhaben als Kooperationspartner im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsworkshops zum Thema hyperlokaler Journalismus unterstützen. Insbesondere soll auch der Wissenstransfer der Erkenntnisse in die Community des gemeinwohlorientierten Journalismus rund um den Fund im DACH-Raum forciert werden.

„Tsüri steht schon bisher beispiellos für finanziell nachhaltigen und profitablen Lokaljournalismus, der auf einem authentischen und glaubwürdigen Narrativ basiert“, heißt es in der Jury-Begründung. „Sich in Zukunft einem zusätzlichen hyperlokalen Thema zu widmen, um zusätzliche Mitglieder zu gewinnen, ist ein spannendes Experiment, das bisher nur wenige gewagt haben“.

 

So lief die erste Bewerbungsphase

Die Förderpartner:innen des ersten Calls wurden in einem fünfstufigen Prozess ermittelt: Von 136 Bewerber:innen mit einem Förderbedarf von 40 Millionen Euro waren 52 zu Einzelgesprächen eingeladen worden. Daraus wurden aufgrund der Eignungs- und Vergabekriterien, nach einer Prüfung der Förderfähigkeit und nach zahlreichen Erstgesprächen 26 Kandidat:innen mit einem Förderbedarf von neun Millionen Euro zur Antragstellung zugelassen. Die zehn Finalist:innen – drei aus Deutschland, zwei aus Österreich und fünf aus der Schweiz – präsentierten schließlich Ende November in Berlin ihre Konzepte vor der fünfköpfigen MFF-Jury. Auch ein Expert Council aus 14 Fachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte im Vorfeld das Fund Management bei der Prüfung der Anträge für die Jury beraten.

So arbeitet der MFF

Der Media Forward Fund steht für gemeinwohlorientierte Medien und Projekte nach der Ideenphase offen, sobald ein Proof-of-Concept und ein erster Beleg für den Product-/Market-Fit vorhanden sind. Förderfähig sind insbesondere Medien, die Lücken in der lokalen und überregionalen Berichterstattung füllen. Besonderes Augenmerk liegt auf Zielgruppen, die bisher wenig Zugang zu Journalismus haben.

Bei gemeinnützigen Medien mit bis zu 30 Vollzeit-Mitarbeiter:innen im gesamten Unternehmen leistet der Fund Organisationsförderung in der Höhe von in der Regel bis zu 400.000 Euro pro Förderpartner. Gemeinwohlorientierte For-Profit-Medien können Projektförderung beantragen, die je nach Größe des Mediums im Verhältnis 50:50 co-finanziert wird. Zusätzlich zur finanziellen Förderung bietet der Fund organisatorische Begleitung und „Capacity Building“, etwa zu Medienrecht oder zur Geschäftsmodellentwicklung.

Für die Fördermittelvergabe wurden Kriterien in den Bereichen Transformation, Nutzerzentrierung, Vielfalt, Unabhängigkeit und Qualität definiert. Es sollen gemeinwohlorientierte Medien gefördert werden, welche die Medienlandschaft und deren Rolle in der Gesellschaft nachhaltig stärken. Zu den Anforderungen an die Förderberechtigten zählen unter anderem auch die Akzeptanz des Presserats und ein funktionierendes Fehlermanagement. Bestimmte Kriterien bringen Zusatzpunkte, wie beispielsweise die Berichterstattung für „underserved communities“, also etwa für migrantische Gruppen oder für ländliche Regionen.

Mit eigenen Repräsentantinnen in der Romandie und im Osten Deutschlands will der Fund den Besonderheiten dieser Regionen, wie zum Beispiel der Mehrsprachigkeit der Schweizer Medienlandschaft, stärker gerecht werden.

Über die Mitglieder der Jury

Yves Daccord, Schweizer Journalist und Fernsehproduzent, ehemaliger Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, internationaler Stratege im Non-Profit-Bereich, Influencer und Changemaker. Yves Daccord gründete und leitet das Edgelands Institute, das erste Pop-Up-Institut der Harvard University. Der ausgebildete Journalist war bis vor kurzem Vorsitzender des Verwaltungsrats jener Mediengruppe, zu der die führende Lokalzeitung „Le Temps“ in der Romandie und das neu geschaffene lokale Digitalmedium „Heidi.News“ gehören.

  • Maria Exner leitet als Intendantin Publix, das neue Haus für Journalismus & Öffentlichkeit in Berlin, das vor wenigen Wochen eröffnet wurde. Die gebürtige Dresdnerin war zuvor Co-Chefredakteurin des „ZEIT-Magazins“ und Stellvertretende Chefredakteurin von „Zeit Online“, wo sie unter anderem journalistische Dialogformate wie „Deutschland spricht“ entwickelt hat.
  • Lucy Kueng, Professorin und Senior Visiting Research Associate am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford University und Verwaltungsratsmitglied der „Neuen Zürcher Zeitung“. Als Expertin für Strategie, Innovation und Führung berät sie führende Medienhäuser bei Strategie und Umsetzung der digitalen Transformation, darunter BBC, CNN, NPR, NRK, SVT und Schibsted.
  • Evelyn Hemmer, Innovationsmanagerin mit langjähriger Erfahrung in der Medienförderung. Derzeit setzt sie als Chief Operating Officer ihre Erfahrungen im Start-Up „Hashtag Media“ ein, das innovativen Digitaljournalismus vorrangig auf Social Media produziert. Zuvor hat die Österreicherin seit deren Gründung die „Wiener Medieninitiative“ der Wirtschaftsagentur der Stadt Wien aufgebaut und dort mehr als 200 Mediengründungen und -projekte begleitet.
  • Eva Schulz, Politikjournalistin mit umfangreicher Erfahrung im Bereich Bewegtbild- und Audiojournalismus, Gründerin des Videoformats „Deutschland3000“. Ihr Podcast „Deutschland3000 – ’ne gute Stunde mit Eva Schulz“ (NDR) ist mit mehr als 15 Millionen Abrufen einer der erfolgreichsten deutschen Interviewpodcasts. Als Reporterin war sie zuletzt in Thüringen, Sachsen und Brandenburg für die neue ZDF-Dokureihe „Deutschland, warum bist du so?“ unterwegs.

Über den Media Forward Fund

Der erste länderübergreifende Fund für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz setzt sich dafür ein, dass es mehr unabhängige Qualitätsmedien mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, die starke, vertrauenswürdige Inhalte publizieren und sich langfristig nachhaltig finanzieren. Damit soll die Vielfalt im gemeinwohlorientierten Journalismus und damit die Demokratie gestärkt werden.

Der Media Forward Fund wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM STIFTUNG für Journalismus und Demokratie, der MacArthur Foundation (USA) sowie des Impact Investors Karma Capital Group, und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit im Juli 2024 als gemeinnütziger Fund gegründet und ist bis dato mit neun Millionen Euro dotiert. Die Entwicklung des Funds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Der erste Fördercall startete im Juli 2024. In Zukunft sollen pro Jahr drei Calls umgesetzt werden. Die Förderungen belaufen sich auf in der Regel bis zu 400.000 Euro pro Medium.

Der nächste Call ist für Mitte März mit einer zusätzlichen Förderlinie für Wissenschaftsjournalismus vorgesehen.

www.mediaforwardfund.org

Pressemitteilung

Wüstenradar – Erste bundesweite Studie zu Zeitungssterben

© Wüstenradar
Berlin,
25. November 2024

Mit „Wüstenradar“ hat die Hamburg Media School die erste bundesweite Studie zum Zeitungssterben in Deutschland vorgelegt. Die Pionierstudie untersucht die möglichen Folgen einer Schwächung der Lokalpresse für das demokratische Gemeinwesen in Deutschland. In Kooperation mit Netzwerk Recherche und Transparency International Deutschland unterstützen wir diese Untersuchung.

Die Zahl der Einzeitungskreise in Deutschland hat in den vergangenen 30 Jahren deutlich zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die „Wüstenradar“-​Studie, die heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wird. In fast jedem zweiten Landkreis gibt es aktuell nur noch eine eigenständige Tageszeitung. Die Studie wurde von Forschenden der Hamburg Media School durchgeführt, unterstützt durch Netzwerk Recherche, die Rudolf Augstein Stiftung und Transparency International Deutschland.

Rückgang der Lokalzeitungen und drohende Nachrichtenwüsten
Anlass der Studie war die seit Jahren geführte Diskussion über drohende „Nachrichtenwüsten“ – Regionen ohne täglich erscheinende Lokalpresse. Wie weit Lokalzeitungen in West- und Ostdeutschland tatsächlich noch verbreitet sind, war bisher unklar. Diese Lücke schließt der „Wüstenradar“: Die Studie erfasst systematisch die Zahl der wirtschaftlich unabhängigen gedruckten lokalen Tageszeitungen auf Kreisebene von 1992 bis 2023.

Ergebnisse und Handlungsempfehlungen
Die Daten zeigen, dass es auf Landkreisebene in Deutschland noch keine Nachrichtenwüsten gibt. Gleichwohl macht die Studie einen erheblichen Rückgang lokaler Zeitungen aus, insbesondere in ländlichen Regionen Westdeutschlands ist eine zunehmende „Versteppung“ vorzufinden. Zwar sind bisher keine negativen Auswirkungen auf politische Partizipation oder andere Aspekte des demokratischen Gemeinwesens feststellbar, jedoch warnen die Autor*innen davor, Entwicklungen wie in anderen Ländern zu unterschätzen. „Aus der internationalen Forschung wissen wir sehr genau, welche Auswirkungen fehlender Lokaljournalismus auf die Funktionsfähigkeit der Demokratie und das Gemeinwesen haben kann: abnehmende politische Partizipation, mehr Polarisierung und eine höhere Wahrscheinlichkeit für Fehlverhalten in Wirtschaft und Politik“, konstatiert Dr. Christian Wellbrock, Leiter der Studie von der Hamburg Media School.

Sabrina Maaß von der Hamburg Media School betont: „Für die Zukunft des Journalismus ist eine verlässliche Datengrundlage als Basis für evidenzbasierte Medienpolitik und fundierte Strategieentwicklung in Medienorganisationen von hoher Relevanz. Deutschland ist in dieser Hinsicht im Vergleich zu anderen Ländern eher schlecht aufgestellt. Mit dem Wüstenradar erheben wir systematisch die Verbreitung des Lokaljournalismus in der Bundesrepublik über mehrere Jahrzehnte und wollen damit zu einer Verbesserung der Datenlage beitragen.“

Vor dem Hintergrund internationaler Erkenntnisse schlägt die Studie politische und zivilgesellschaftliche Maßnahmen vor, um der Entstehung von Zeitungswüsten entgegenzuwirken. Diskutiert werden die Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Journalismus, Innovationsförderungen, Anreize zur Beschäftigung von Journalist*innen und die Stimulation der Nachfrageseite etwa durch Konsumgutscheine.

Stephanie Reuter, Geschäftsführende Vorständin der Rudolf Augstein Stiftung, unterstreicht: „Lokaljournalismus gehört zur demokratischen Daseinsvorsorge. Es braucht jetzt den sektorübergreifenden Schulterschluss, um zu verhindern, dass auch in Deutschland Nachrichtenwüsten entstehen – und mutige politische Weichenstellungen. Der Wüstenradar zeigt: Noch ist es nicht zu spät. Wir unterstützen diesen Prozess als Stiftung und zeigen mit dem Media Forward Fund beispielhaft, wie kluge Förderinstrumente aussehen können. Förderinstrumente, die die journalistische Unabhängigkeit und Staatsferne garantieren.“

Fallstudien als Lichtblick und Mahnung
Ein weiterer Bestandteil der Studie sind journalistische Fallstudien aus Thüringen, Bayern und Baden-​Württemberg, die zeigen, wie lokale Medienmärkte neue Modelle erproben. Thomas Schnedler, Co-​Geschäftsführer von Netzwerk Recherche, erklärt: „In drei journalistischen Fallstudien porträtiert der Wüstenradar lokale Medienmärkte, die Wege in die Zukunft weisen. Das macht auf der einen Seite Mut, weil dort neue Modelle wie der gemeinnützige Journalismus ausprobiert werden. Auf der anderen Seite zeigen die Fallstudien, wie schwer es die investigative Recherche vor Ort hat, weil zu oft Zeit und Geld dafür fehlen. Unsere Aufgabe bei Netzwerk Recherche ist es, die Wächterfunktion des Lokaljournalismus zu stärken, zum Beispiel durch Recherche-​Stipendien, Beratungen, Fortbildungen und Vernetzung.“

Die Initiatoren der Studie sind sich einig: Deutschland befindet sich in einer Situation, in der demokratiegefährdende Entwicklungen in einzelnen Regionen noch verhindert werden können – vorausgesetzt, Politik, Medienpraxis und Zivilgesellschaft handeln gemeinsam und entschlossen.

Anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse in der Landesvertretung Hamburgs in Berlin sagte Hamburgs Kultur-​ und Mediensenator Dr. Carsten Brosda: „Mit dieser Studie haben wir erstmals ein gesichertes Faktenfundament für die medienpolitische Diskussion über die Zukunft des Lokaljournalismus. Die Ergebnisse zeigen zwar, dass wir – noch – keine Nachrichtenwüsten in Deutschland haben, wir aber ein kontinuierliches Sterben der lokalen Medienlandschaft feststellen müssen. Ohne eine fundierte journalistische Berichterstattung vor Ort bricht auch eine wichtige Säule der Demokratie weg. Das ist eine dringende Warnung an die Medienpolitik und ein Auftrag, die Bedingungen des Journalismus vor Ort zu verbessern. Dies ist aber auch eine Mahnung für uns alle, dass uns der lokale Journalismus etwas wert sein muss.“

Pressemitteilung

Für Demokratie und gegen Desinformation: Parlamentarischer Abend zu russischem (Exil-)Journalismus in Deutschland

© Alexander Ullmann
Hamburg,
4. Oktober 2024

Für Demokratie und gegen Desinformation: Parlamentarischer Abend zu russischem (Exil-)Journalismus in Deutschland

In der vergangenen Woche fand der erste Parlamentarische Abend des JX Fund in Berlin statt. Als Vertretende der Gesellschafter*innen des JX Funds sprachen Katja Gloger, Vorstandsprecherin von Reporter ohne Grenzen Deutschland und Stephanie Reuter, geschäftsführende Vorständin der Rudolf Augstein Stiftung. Dr. Andreas Görgen, Amtschef der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, richtete ein Grußwort an die Gäste aus Parlament, NGOs, Stiftungen und Medien. Penelope Winterhager, Geschäftsführerin des JX Funds, stellte die Studie „Locking Down the Windows“ zur aktuellen Lage unabhängiger russischer Medien im Exil vor.

Diese Medien sind die einzigen unabhängigen Stimmen, die das russische Publikum noch erreichen können. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Partner der westlichen Berichterstattung über Russland: ohne sie hätten viele internationale Medien Mühe, über die Geschehnisse in dem zunehmend abgeschotteten Land zu berichten.

„Aus Deutschland mussten in der Zeit des Nationalsozialismus viel zu viele der klügsten Köpfe ins Exil gehen. Heute ist Deutschland ein freies Land, das denen Unterstützung bietet, die aus ihrem Exil hier Licht ins Dunkel autoritärer Regime zu bringen.“

– Dr. Andreas Görgen für die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien

Der Kreml gibt 2024 über 2 Milliarden Euro für Desinformation, Propaganda und Zensur aus. Die 66 unabhängigen russischen Exilmedien, die der JX Fund für die Studie untersucht hat, müssen im gleichen Zeitraum mit lediglich rund 41 Millionen Euro auskommen, um dem etwas entgegenzusetzen. Sie halten dem Zensurregime nicht nur stand, sondern sind auch innovativ und agil. Doch trotz großer Reichweite und ausgeklügelter Technologien bleiben sie verwundbar und verdienen sowohl eine stabilere Unterstützung als auch der Kooperation einer breiteren Palette von Akteur*innen – einschließlich großer Technologieunternehmen.

„Als Dechriffrierer der Enigmas des Putinschen Machtsystem helfen sie auch uns, unserer Gesellschaft. Sie setzen der Desinformation Wissen entgegen, Fakten und Einordnung. Sie sind innovativ und unerschrocken, verantwortungsvoll und hochprofessionell. Wir verdanken ihnen viel. Wir sind dankbar, mit ihnen zusammenarbeiten zu dürfen, von ihnen zu lernen.“

– Katja Gloger, Reporter ohne Grenzen Deutschland

Der JX Fund wurde geschaffen, um sich der Förderung von Exilmedien zu widmen – er ist ein Förderinstrument, das den besonderen Erfordernissen der Journalismusförderung gerecht wird: Unabhängigkeit und Staatsferne. Hier wirken verschiedene Akteursgruppen zusammen: Stiftungen, NGOs, Medienhäuser, Privatpersonen und die öffentliche Hand. Gegründet wurde er im April 2022 von Reporter ohne Grenzen, der Rudolf Augstein Stiftung und der Schöpflin Stiftung als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

„Das Besondere: Wir haben ein Multi-Stakeholder-Modell zur Stärkung des Journalismus entwickelt – auf Augenhöhe, mit fest umrissenen Rollen. Die Förderentscheidungen trifft eine unabhängige Jury – nach klaren Kriterien. Vielleicht darf ich als geschäftsführende Vorständin, die sich seit Jahren in der Journalismusförderung engagiert, hinzufügen: Das ist ein Durchbruch, dass dies in der privat-öffentlichen Konstellation so großartig gelingt.“

– Stephanie Reuter, Rudolf Augstein Stiftung

Pressemitteilung

Media Forward Fund startet mit erster Förderrunde in drei Ländern

© Paul Probst
Hamburg,
2. Juli 2024

Neuer Fonds für Medienvielfalt ist zunächst mit sechs Millionen Euro dotiert – Pro Organisation werden Fördermittel von bis zu 400.000 Euro vergeben – Bewerbungen sind zum Start des Fonds ab sofort möglich.

Berlin / Wien / Zürich – 2. Juli 2024: Der Media Forward Fund ist an diesem Montag als erster länderübergreifender Fonds für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz in seine erste Förderrunde gestartet. Der Fonds setzt sich ab sofort dafür ein, dass es mehr unabhängige Qualitätsmedien mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, die starke, vertrauenswürdige Inhalte publizieren und sich langfristig nachhaltig finanzieren. Damit soll die Vielfalt im Journalismus und damit die Demokratie gestärkt werden.

Der länderübergreifende Media Forward Fund wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM-STIFTUNG für Journalismus und Demokratie sowie des Impact Investors Karma Capital und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit als gemeinnütziger Fonds gegründet und ist bis dato mit sechs Millionen Euro dotiert. Die Entwicklung des Fonds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Geplant sind drei Förderrunden pro Jahr: Die Förderungen belaufen sich entweder auf 200.000 Euro für Projektförderung oder 400.000 Euro für Organisationsförderung pro Medium für zwei Jahre.

Unabhängige Förderung für unabhängigen Journalismus
Für die Fördermittelvergabe wurden Kriterien in den Bereichen Transformation, Nutzerzentrierung, Vielfalt, Unabhängigkeit und Qualität definiert. Es sollen gemeinwohlorientierte Medien gefördert werden, welche die Medienlandschaft und deren Rolle in der Gesellschaft nachhaltig stärken. „Damit Journalismus nachhaltig finanziert werden kann, brauchen wir Medienmacher*innen, die den Mut haben, mit neuen Geschäftsmodellen zu experimentieren – und auch Geldgeber, die das dafür nötige Kapital zur Verfügung stellen“, sagt Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Funds. „Der Fonds stellt Medienmacher*innen diese Fördermittel von Stiftungen, Impact Investoren und Privatpersonen zur Verfügung – mit dem Ziel, dass wir so gemeinsam diese akute Transformationskrise der Medien überwinden.“ Für Stephanie Reuter, geschäftsführende Vorständin der Rudolf Augstein Stiftung, ist der Fonds „ein starkes Signal des Aufbruchs. Wir stärken im Schulterschluss Pioniere für eine wohlinformierte Öffentlichkeit. Das ist das beste Mittel gegen Nachrichtenwüsten und Desinformationskampagnen.“

„Geld muss Flagge zeigen!“
„Der Journalismus braucht jetzt viel mehr Geld von viel mehr Menschen. Dann haben unsere Demokratien eine Chance. Geld muss hier Flagge zeigen!“, sagt Hans Schöpflin, Vorstandsvorsitzender der Schöpflin Stiftung, über sein philanthropisches Engagement beim Media Forward Fund. „Es geht hier um den Schutz und die Stärkung der Demokratie durch eine starke, funktionierende, unabhängig agierende Medienlandschaft“, sagt Schöpflin. „Für eine wehrhafte Demokratie braucht es eine lebendige Medienlandschaft; diese gilt es jetzt mit dem Media Forward Fund zu verteidigen und zu stärken“, sagt Manuel Hartung, der Vorstandsvorsitzende der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS. Andrew Holland, Geschäftsführer der Stiftung Mercator Schweiz, betont die Chance der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen des Funds: „Die Herausforderungen für Journalismus und Demokratie können nur länderübergreifend gelöst werden.“ Der Impact Investor Sebastian Klein, Gründer von Karma Capital, sagt über die Beweggründe für seinen Beitrag: „Niemand investiert bisher in Medien – das muss sich dringend ändern. Mein Anspruch ist, mit dem Media Forward Fund voranzugehen und zu zeigen, dass es geht. Ich will andere abholen, mitzugehen. Es geht darum, Kapital zu mobilisieren“, sagt Klein.

Boris Marte, CEO der österreichischen ERSTE Stiftung, betont, dass kritischer Journalismus überall in Gefahr ist: „Wir fördern seit vielen Jahren unabhängigen Journalismus und Medienvielfalt in Osteuropa. Doch faktenbasierte Berichterstattung ist auch in etablierten Demokratien wie den unseren gefährdet. Jetzt heißt es handeln.“

Fund mit gepoolten Fördermitteln
Im neugegründeten Media Forward Fund tragen bislang zehn Initiatoren Fördermittel zusammen. „Ein gemeinsamer Pool hat den Vorteil, dass ein Stiftungspartner kein einzelnes Medium fördert, mit dem man dann inhaltlich in Verbindung gebracht wird, sondern man sich insgesamt für die Stärkung der Medienvielfalt engagiert“, erklärt Martin Kotynek. „Durch die strukturelle Trennung zwischen Geldgebern und unabhängiger Jury ist beim Media Forward Fund nach innen und außen sichergestellt, dass die Geldgeber die Förderentscheidungen nicht beeinflussen.“

Wer ist förderfähig?
Der Media Forward Fund steht für Projekte nach der Ideenphase offen – sobald ein Businessplan und im Bestfall auch schon ein erster Test der Markteignung vorhanden sind. Förderfähig sind insbesondere Medien, die Lücken in der lokalen und überregionalen Berichterstattung füllen. Besonderes Augenmerk liegt auf Zielgruppen, die bisher wenig Zugang zu Journalismus haben.

Bei kleineren Medien – mit bis zu 30 Vollzeit-Mitarbeiter*innen im gesamten Unternehmen – leistet der Fonds Organisationsförderung in der Höhe von bis zu 400.000 Euro pro Förderpartner. Kleinere Medien können so selbst entscheiden, wo die Fördermittel am besten eingesetzt sind. Größere Häuser sind förderberechtigt, sofern sie gemeinwohlorientiert sind und die Projekte im Verhältnis 50:50 co-finanzieren. Hierfür stehen pro Förderpartner in der Regel bis zu 200.000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Zusätzlich zur finanziellen Förderung bietet der Fonds organisatorische Unterstützung, etwa zu Medienrecht oder zur Geschäftsmodellentwicklung.

Die Vision des MFF
„In einer idealen Welt bräuchte es den Fonds eines Tages nicht mehr, weil die Transformationskrise der Medienbranche überwunden ist und sich der Qualitätsjournalismus wieder auf funktionierende Geschäftsmodelle stützen kann“, sagt Kotynek. Bis dahin bestehe die Vision des Media Forward Fund darin, dass Stiftungen und private Förderer in Vorleistung gehen, um eine privatwirtschaftlich organisierte Struktur für Medienförderung für drei Länder zu etablieren. Sie soll in der Praxis zeigen, wie unabhängige Qualitätsjournalismusförderung funktioniert, mit der Idee, dass in Folge die öffentliche Hand als Förderer einsteigt.

 

www.mediaforwardfund.org

Pressemitteilung

Neuer Medienfonds stärkt Geschäftsmodelle für unabhängigen Journalismus

© Media Forward Fund
Hamburg,
5. Juni 2024

Der Media Forward Fund ist ein Meilenstein in der Journalismusförderung. Er ist der erste länderübergreifende Fund zur Förderung des Journalismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Fund setzt sich dafür ein, dass es mehr unabhängigen Qualitätsjournalismus mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, der starke, vertrauenswürdige Inhalte publiziert und sich langfristig nachhaltig finanziert. Damit soll der Journalismus und zugleich die Demokratie gestärkt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Zielgruppen, die bisher wenig Zugang zu Journalismus haben.

Der Media Forward Fund wird gegründet auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, der Schöpflin Stiftung und ZEIT STIFTUNG BUCERIUS aus Deutschland, der Stiftung Mercator Schweiz und der Volkart Stiftung aus der Schweiz, der ERSTE Stiftung aus Österreich, sowie des Berliner Impact Investors Karma Capital und Publix – Haus für Journalismus und Öffentlichkeit. Der erste Förder-Call startet im Juli 2024.

Der Medienmanager und Journalist Martin Kotynek übernimmt im Juni die Gründungsgeschäftsführung des neuen Funds. Der renommierte Medienexperte – bis Ende 2023 war er Chefredakteur der österreichischen Tageszeitung »Der Standard« – bringt seine langjährige journalistische Erfahrung und sein Branchenwissen in die Führungsaufgabe beim Media Forward Fund (MFF) ein. Damit ist Kotynek als Founding Director unter anderem für Konzeption und Weiterentwicklung des Funds, Fundraising, Stakeholder Relations sowie Förderungen verantwortlich.

»In dieser neuen Aufgabe kann ich meine Erfahrung aus der Führungsarbeit in Medienhäusern zugunsten der gesamten Medienlandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz einbringen«, sagt Martin Kotynek: »Unabhängiger, kritischer Journalismus ist eine wichtige Grundlage für unsere Demokratie. In dieser akuten Medienkrise will ich mich gemeinsam mit renommierten Stiftungspartnern, Philanthrop*innen und Impact Investor*innen einsetzen, dass es künftig mehr tragfähige Geschäftsmodelle für Journalismus gibt.«

Weitere Informationen in Kürze auf: www.mediaforwardfund.org