Pressemitteilung

Media Forward Fund startet mit erster Förderrunde in drei Ländern

© Paul Probst
Hamburg,
2. Juli 2024

Neuer Fonds für Medienvielfalt ist zunächst mit sechs Millionen Euro dotiert – Pro Organisation werden Fördermittel von bis zu 400.000 Euro vergeben – Bewerbungen sind zum Start des Fonds ab sofort möglich.

Berlin / Wien / Zürich – 2. Juli 2024: Der Media Forward Fund ist an diesem Montag als erster länderübergreifender Fonds für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz in seine erste Förderrunde gestartet. Der Fonds setzt sich ab sofort dafür ein, dass es mehr unabhängige Qualitätsmedien mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, die starke, vertrauenswürdige Inhalte publizieren und sich langfristig nachhaltig finanzieren. Damit soll die Vielfalt im Journalismus und damit die Demokratie gestärkt werden.

Der länderübergreifende Media Forward Fund wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM-STIFTUNG für Journalismus und Demokratie sowie des Impact Investors Karma Capital und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit als gemeinnütziger Fonds gegründet und ist bis dato mit sechs Millionen Euro dotiert. Die Entwicklung des Fonds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Geplant sind drei Förderrunden pro Jahr: Die Förderungen belaufen sich entweder auf 200.000 Euro für Projektförderung oder 400.000 Euro für Organisationsförderung pro Medium für zwei Jahre.

Unabhängige Förderung für unabhängigen Journalismus
Für die Fördermittelvergabe wurden Kriterien in den Bereichen Transformation, Nutzerzentrierung, Vielfalt, Unabhängigkeit und Qualität definiert. Es sollen gemeinwohlorientierte Medien gefördert werden, welche die Medienlandschaft und deren Rolle in der Gesellschaft nachhaltig stärken. „Damit Journalismus nachhaltig finanziert werden kann, brauchen wir Medienmacher*innen, die den Mut haben, mit neuen Geschäftsmodellen zu experimentieren – und auch Geldgeber, die das dafür nötige Kapital zur Verfügung stellen“, sagt Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Funds. „Der Fonds stellt Medienmacher*innen diese Fördermittel von Stiftungen, Impact Investoren und Privatpersonen zur Verfügung – mit dem Ziel, dass wir so gemeinsam diese akute Transformationskrise der Medien überwinden.“ Für Stephanie Reuter, geschäftsführende Vorständin der Rudolf Augstein Stiftung, ist der Fonds „ein starkes Signal des Aufbruchs. Wir stärken im Schulterschluss Pioniere für eine wohlinformierte Öffentlichkeit. Das ist das beste Mittel gegen Nachrichtenwüsten und Desinformationskampagnen.“

„Geld muss Flagge zeigen!“
„Der Journalismus braucht jetzt viel mehr Geld von viel mehr Menschen. Dann haben unsere Demokratien eine Chance. Geld muss hier Flagge zeigen!“, sagt Hans Schöpflin, Vorstandsvorsitzender der Schöpflin Stiftung, über sein philanthropisches Engagement beim Media Forward Fund. „Es geht hier um den Schutz und die Stärkung der Demokratie durch eine starke, funktionierende, unabhängig agierende Medienlandschaft“, sagt Schöpflin. „Für eine wehrhafte Demokratie braucht es eine lebendige Medienlandschaft; diese gilt es jetzt mit dem Media Forward Fund zu verteidigen und zu stärken“, sagt Manuel Hartung, der Vorstandsvorsitzende der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS. Andrew Holland, Geschäftsführer der Stiftung Mercator Schweiz, betont die Chance der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen des Funds: „Die Herausforderungen für Journalismus und Demokratie können nur länderübergreifend gelöst werden.“ Der Impact Investor Sebastian Klein, Gründer von Karma Capital, sagt über die Beweggründe für seinen Beitrag: „Niemand investiert bisher in Medien – das muss sich dringend ändern. Mein Anspruch ist, mit dem Media Forward Fund voranzugehen und zu zeigen, dass es geht. Ich will andere abholen, mitzugehen. Es geht darum, Kapital zu mobilisieren“, sagt Klein.

Boris Marte, CEO der österreichischen ERSTE Stiftung, betont, dass kritischer Journalismus überall in Gefahr ist: „Wir fördern seit vielen Jahren unabhängigen Journalismus und Medienvielfalt in Osteuropa. Doch faktenbasierte Berichterstattung ist auch in etablierten Demokratien wie den unseren gefährdet. Jetzt heißt es handeln.“

Fund mit gepoolten Fördermitteln
Im neugegründeten Media Forward Fund tragen bislang zehn Initiatoren Fördermittel zusammen. „Ein gemeinsamer Pool hat den Vorteil, dass ein Stiftungspartner kein einzelnes Medium fördert, mit dem man dann inhaltlich in Verbindung gebracht wird, sondern man sich insgesamt für die Stärkung der Medienvielfalt engagiert“, erklärt Martin Kotynek. „Durch die strukturelle Trennung zwischen Geldgebern und unabhängiger Jury ist beim Media Forward Fund nach innen und außen sichergestellt, dass die Geldgeber die Förderentscheidungen nicht beeinflussen.“

Wer ist förderfähig?
Der Media Forward Fund steht für Projekte nach der Ideenphase offen – sobald ein Businessplan und im Bestfall auch schon ein erster Test der Markteignung vorhanden sind. Förderfähig sind insbesondere Medien, die Lücken in der lokalen und überregionalen Berichterstattung füllen. Besonderes Augenmerk liegt auf Zielgruppen, die bisher wenig Zugang zu Journalismus haben.

Bei kleineren Medien – mit bis zu 30 Vollzeit-Mitarbeiter*innen im gesamten Unternehmen – leistet der Fonds Organisationsförderung in der Höhe von bis zu 400.000 Euro pro Förderpartner. Kleinere Medien können so selbst entscheiden, wo die Fördermittel am besten eingesetzt sind. Größere Häuser sind förderberechtigt, sofern sie gemeinwohlorientiert sind und die Projekte im Verhältnis 50:50 co-finanzieren. Hierfür stehen pro Förderpartner in der Regel bis zu 200.000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Zusätzlich zur finanziellen Förderung bietet der Fonds organisatorische Unterstützung, etwa zu Medienrecht oder zur Geschäftsmodellentwicklung.

Die Vision des MFF
„In einer idealen Welt bräuchte es den Fonds eines Tages nicht mehr, weil die Transformationskrise der Medienbranche überwunden ist und sich der Qualitätsjournalismus wieder auf funktionierende Geschäftsmodelle stützen kann“, sagt Kotynek. Bis dahin bestehe die Vision des Media Forward Fund darin, dass Stiftungen und private Förderer in Vorleistung gehen, um eine privatwirtschaftlich organisierte Struktur für Medienförderung für drei Länder zu etablieren. Sie soll in der Praxis zeigen, wie unabhängige Qualitätsjournalismusförderung funktioniert, mit der Idee, dass in Folge die öffentliche Hand als Förderer einsteigt.

 

www.mediaforwardfund.org

Pressemitteilung

Neuer Medienfonds stärkt Geschäftsmodelle für unabhängigen Journalismus

© Media Forward Fund
Hamburg,
5. Juni 2024

Der Media Forward Fund ist ein Meilenstein in der Journalismusförderung. Er ist der erste länderübergreifende Fund zur Förderung des Journalismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Fund setzt sich dafür ein, dass es mehr unabhängigen Qualitätsjournalismus mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, der starke, vertrauenswürdige Inhalte publiziert und sich langfristig nachhaltig finanziert. Damit soll der Journalismus und zugleich die Demokratie gestärkt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Zielgruppen, die bisher wenig Zugang zu Journalismus haben.

Der Media Forward Fund wird gegründet auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, der Schöpflin Stiftung und ZEIT STIFTUNG BUCERIUS aus Deutschland, der Stiftung Mercator Schweiz und der Volkart Stiftung aus der Schweiz, der ERSTE Stiftung aus Österreich, sowie des Berliner Impact Investors Karma Capital und Publix – Haus für Journalismus und Öffentlichkeit. Der erste Förder-Call startet im Juli 2024.

Der Medienmanager und Journalist Martin Kotynek übernimmt im Juni die Gründungsgeschäftsführung des neuen Funds. Der renommierte Medienexperte – bis Ende 2023 war er Chefredakteur der österreichischen Tageszeitung »Der Standard« – bringt seine langjährige journalistische Erfahrung und sein Branchenwissen in die Führungsaufgabe beim Media Forward Fund (MFF) ein. Damit ist Kotynek als Founding Director unter anderem für Konzeption und Weiterentwicklung des Funds, Fundraising, Stakeholder Relations sowie Förderungen verantwortlich.

»In dieser neuen Aufgabe kann ich meine Erfahrung aus der Führungsarbeit in Medienhäusern zugunsten der gesamten Medienlandschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz einbringen«, sagt Martin Kotynek: »Unabhängiger, kritischer Journalismus ist eine wichtige Grundlage für unsere Demokratie. In dieser akuten Medienkrise will ich mich gemeinsam mit renommierten Stiftungspartnern, Philanthrop*innen und Impact Investor*innen einsetzen, dass es künftig mehr tragfähige Geschäftsmodelle für Journalismus gibt.«

Weitere Informationen in Kürze auf: www.mediaforwardfund.org

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Stiftungen fordern Reform des Gemeinnützigkeitsrechts

© Frank Täubel – Adobe Stock
Hamburg,
29. Mai 2024

Berlin/Essen/Gütersloh/Hamburg/Lörrach/München/Stuttgart, 29.05.2024 – Auf Initiative der Robert Bosch Stiftung wenden sich gemeinnützige Stiftungen in einem gemeinsamen Offenen Brief an die Bundesregierung und setzen sich für ein modernes und unbürokratisches Gemeinnützigkeitsrecht ein. Dies sei ein wichtiger Baustein für eine funktionierende Demokratie, so heißt es in dem Schreiben. Gerade „vor dem Hintergrund multipler Krisen, dem Erstarken von populistischen und extremistischen Kräften sowie der Gefahr einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft“ sei eine lebendige Zivilgesellschaft zentral.

Zu den Unterzeichner*innen gehören die Geschäftsführer*innen und geschäftsführenden Vorstände der Allianz Foundation, Alfred Landecker Foundation, Bertelsmann Stiftung, Maecenata Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung und Stiftung Mercator.

Sie thematisieren in ihrem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundesfinanzminister Christian Lindner sowie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, dass in dem jetzt vorliegenden Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums für ein Jahressteuergesetz 2024 notwendige Änderungen im Gemeinnützigkeitsrecht, jenseits der Wohngemeinnützigkeit, fehlten – entgegen den bisherigen Ankündigungen. Die Stiftungen treten vehement für Nachbesserungen ein. Die bereits vor drei Jahren im Koalitionsvertrag angekündigten Anpassungen gelte es nun endlich umzusetzen.

Exemplarisch verweisen die Stiftungen, die zusammengenommen jährlich über 300 Mio. Euro in gemeinnützige Projekte investieren, auf drei Anpassungen:

1. die Klarstellung der politischen Betätigung (§52 AO);
2. die Erweiterung des Zweckkatalogs (§52 AO) zumindest um die Zwecke „Förderung des Schutzes und Durchsetzung der Grund- und Menschenrechte“ sowie „gemeinnütziger Journalismus“;
3. die Aufhebung der Ungleichbehandlung von Förderungen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union (§§51, 58 AO), die insbesondere für international tätige Stiftungen relevant sind.

Die rechtliche Klarstellung soll dazu beitragen, die Unsicherheit bei gemeinnützigen Akteuren zu beseitigen und für größere Einheitlichkeit bei der Auslegung durch die nachgeordneten Behörden zu sorgen.

Das Gemeinnützigkeitsrecht bietet den Handlungsrahmen für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Es betrifft mehr als 20.000 Stiftungen und hunderttausende Vereine. In dem Offenen Brief der Stiftungen heißt es abschließend: „Bitte sorgen Sie dafür, dass das ehrenamtliche und zivilgesellschaftliche Engagement in Deutschland lebendig bleibt und gestärkt wird.“

Den vollständigen Text des Offenen Briefes finden Sie hier: OffenerBrief_Gemeinnützigkeitsrecht_Stiftungen.

Pressemitteilung

Go Vote! – Breites Bündnis startet Kampagne für Demokratie zu den Wahlen im Juni

© Go Vote
Hamburg,
08. Mai 2024

In der Woche vor der Europa- und Bezirksversammlungswahl am 9. Juni feiert ein breites Bündnis in Hamburg unsere Demokratie und ermutigt zum Wählengehen. Eine vielfältige Konzert- und Event-Reihe schafft laut- wie reichweitenstark Aufmerksamkeit für das Thema. Wir sind dabei und unterstützen die Aktionswoche und Kampagne.

Go Vote!
Unter dem Motto GoVote – Unsere Stimmen sind laut! feiern wir in der Woche vor der Bezirks- und Europawahl am 9. Juni die Demokratie: mit einem großen Auftaktkonzert in der Elbphilharmonie, einer Demo in der City und zahlreichen Kultur-Highlights in der ganzen Stadt. Das Bündnis GoVote möchten damit so viele Menschen wie möglich zum Wählen animieren. Denn unsere Demokratie braucht alle Stimmen.

Wir sind viele.
Die Idee kommt aus der Mitte der Stadt: Museen, Konzerthäuser, Clubs und Stadtteilzentren sowie Verbände und Initiativen schließen sich zusammen, um Wählen zum unüberhörbaren Stadtgespräch zu machen. Dafür initiiert das unparteiliche Bündnis eine Woche lang Events und eine Kommunikationskampagne. Bereits über 40 Organisationen, darunter über 13 Stiftungen, machen mit! Ein Chor der Vielen, der ruft: Wir haben die Macht, machen wir was draus! Auch die Rudolf Augstein Stiftung ist bei der Aktionswoche dabei.
Informationen zu den Wahlen
Sie fragen sich, wer bei der Europawahl und den Bezirksversammlungswahlen kandidiert und wie am 9. Juni das Prozedere ist? GoVote will mit den Mitteln der Kommunikation und Kultur möglichst viele Gespräche- und Kommunikationsanlässe zum Thema Wahlen und Wählengehen schaffen. Hier finden Sie zeitnah alle gewünschten Informationen.

Veranstaltungen
Detaillierte Informationen zum Programm finden Sie hier.

Studie zur Korrektivfunktion des Journalismus

Wüstenradar

© pexels

Bis dato gibt es in Deutschland kein systematisches Monitoring, inwiefern durch den Rückzug regionaler und lokaler Tageszeitungen Lücken bei der journalistischen Recherche und der Kontrolle von Kommunalpolitik entstehen. Die Studie Wüstenradar zeigt auf, wo von einem Korrektiv- und Präventivelement der Vierten Gewalt nicht mehr ausgegangen werden kann.

Unabhängige Medien sind unabdingbar für die Demokratie. Sie ermöglichen einen offenen politischen Diskurs, dienen als Vierte Gewalt und Kontrollinstanz für das Handeln von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und beugen Machtmissbrauch und Korruption vor. Sinkende Auflagen und rückläufige Einnahmen im Anzeigensektor haben viele Verlage jedoch in eine riskante wirtschaftliche Schieflage gebracht. Wo lokale oder regionale Zeitungen schrumpfen oder verschwinden, entstehen Leerstellen, die andere Medien nicht füllen wollen, können oder dürfen. Es steht zu befürchten, dass damit auch die Watchdog-Funktion der Presse in Gefahr gerät.

Die mit der digitalen Revolution einhergehenden Umbrüche im Mediensystem haben den Journalismus insbesondere auf der lokalen und regionalen Ebene geschwächt. Dies kann Türen für Korruption und Missbrauch öffnen. Wo die Watchdog-Funktion von Medien ausbleibt, gerät die Demokratie in Gefahr. Während Studien in anderen Ländern wie beispielsweise den USA belegen, dass das Verschwinden lokaler und regionaler Zeitungen zum Ausfall eines zentralen Korrektivs gegenüber der lokalen und regionalen Politik führt, fehlt in Deutschland bislang eine solche empirische Untersuchung. Hier schafft der Wüstenradar Abhilfe. Darüber hinaus wird eine Struktur für ein dauerhaftes Monitoring der Präsenz und des Ausmaßes lokaljournalistischer Berichterstattung etabliert.
Der Wüstenradar ist ein Projekt der Hamburg Media School in Kooperation mit Transparency International Deutschland sowie Netzwerk Recherche e. V.

Förderzeitraum2023-2024
Fördersumme44.350 Euro
Webseitewww.netzwerkrecherche.org