© Isabel Machado Rios / Thalia Theater
In der Literaturreihe Umbrüche laden Deniz Utlu und Sasha Marianna Salzmann internationale und deutschsprachige Autor*innen ins Nachtasyl des Thalia Theaters ein. In Lesungen und Gesprächen untersuchen sie, wie Literatur politische, soziale und persönliche Veränderungen aufnimmt und in Sprache übersetzt.
Wie verändert sich das Schreiben, wenn vertraute Gewissheiten ins Wanken geraten? Dieser Frage widmen sich die eingeladenen Autor*innen anhand ihrer aktuellen Werke. Sie lesen aus ihren Büchern, sprechen über ihre Themen und Arbeitsweisen und erläutern, wie gesellschaftliche Erfahrungen in literarische Formen eingehen. So wird nachvollziehbar, wie Literatur Veränderungen nicht nur beschreibt, sondern ordnet, verdichtet und aus unterschiedlichen Perspektiven erfahrbar macht.
Die Reihe bringt Autor*innen mit verschiedenen biografischen, sprachlichen und politischen Erfahrungen zusammen. Ihre Texte befassen sich unter anderem mit Migration, Gewalt, gesellschaftlichen Machtverhältnissen, persönlichen Verlusten und politischen Umbrüchen. Im Gespräch werden diese Perspektiven miteinander in Beziehung gesetzt, ohne Widersprüche aufzulösen oder auf einfache Deutungen zu verkürzen.
Das Nachtasyl schafft dafür einen offenen und unmittelbaren Rahmen. Autor*innen, Schauspieler*innen und Publikum kommen über die Texte und die darin verhandelten Fragen ins Gespräch. Die Begegnung endet nicht mit der Lesung, sondern setzt sich im Austausch vor Ort fort. Sonderausgaben und Verbindungen zu anderen Kunstformen, etwa zur Musik, erweitern die literarische Auseinandersetzung zusätzlich.
Mit Gästen wie Fatma Aydemir, Ece Temelkuran, Maria Stepanova, Anna Dushime und Ozan Zakariya Keskinkılıç versammelt Umbrüche Stimmen, die gesellschaftliche Veränderungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Die Reihe verbindet literarische Qualität mit der Auseinandersetzung über drängende Fragen der Gegenwart und schafft einen Raum, in dem komplexe Erfahrungen sprachlich gefasst, miteinander ins Verhältnis gesetzt und gemeinsam mit dem Publikum diskutiert werden können.
| Förderzeitraum | 2025 – 2027 |
| Veranstaltungsort | Thalia Theater |
| Fördersumme | 20.000 Euro |
| Webseite | www.thalia-theater.de |
© Franziska Dittrich
„Lethe daheim“ von der Berliner Gruppe Lost & Found will dem Vergessen den Schrecken nehmen, indem Erinnern und Vergessen als einander bedingende und ablösende Vorgänge gekennzeichnet werden.
Das autobiografische Gedächtnis einer Person nutzt sowohl Erinnern als auch Vergessen, um eine zusammenhängende Lebensgeschichte über sich zu erzählen und eine Identität zu konstruieren. Diese Erzählung ist bei niemandem konsistent, sondern stets selektiv. Erlebnisse werden etwa verzerrt oder gar ersetzt. Demenzerkrankte sehen sich jedoch einer bedrohlichen Situation gegenüber, da in ihrem Fall die Anteile des Vergessens zunehmend Überhand nehmen, ihre Orientierung in der Welt sabotieren und grundlegende Fragen nach Identität aufwerfen, so zum Beispiel: Geht der Verlust der Erinnerung einher mit dem Verlust der Persönlichkeit?
Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene führt dieses Phänomen angesichts stetig wachsender Zahlen demenzerkrankter Bürgerinnen und Bürger zu einer Überforderung. Diese Stückentwicklung möchte mit den Mitteln des Theaters verdeutlichen, dass nichts bewahrt werden kann, wenn nicht auch etwas verlorengeht, um so das konstruktive Potenzial des Vergessens hervorzuheben. Die Objekte auf der Bühne sind dabei nicht bloße Gebrauchsgegenstände, sondern dienen als mit Bedeutung aufgeladene Erinnerungsträger.
| Förderzeitraum | 3. bis 6. Oktober 2024 |
| Veranstaltungsort | Schaubude Berlin |
| Fördersumme | 3.000 Euro |
| Webseite | www.schaubude.berlin.de |