Ausbildung statt Abschiebung e. V.

© Jürgen Klack
Hilfe zur Selbsthilfe: Der Bonner Verein AsA e. V. unterstützt junge Geflüchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus dabei, eine berufliche und aufenthaltsrechtlich gesicherte Perspektive in Deutschland aufzubauen.

Die Phase des Erwachsenwerdens ist geprägt durch Zweifel über mögliche Lebenswege, Berufswahl und finanzielle Unabhängigkeit. Für junge Menschen mit Fluchterfahrung kommen weitreichendere Herausforderungen hinzu: Anforderungen an die „gesellschaftliche Integration“, Unsicherheit über den aufenthaltsrechtlichen Status, traumatische Erfahrungen im Heimatland oder während der Flucht und die Trennung von und Sorge um Familienangehörige in Kriegs- oder Krisengebieten.

AsA bietet den Jugendlichen einen sicheren Ort des Ankommens, an dem sie sich entfalten und verwirklichen können und unterstützt sie dabei, ihre Zukunft in Deutschland aktiv mitzugestalten. Zum ganzheitlichen Angebot gehören aufenthalts- und sozialrechtliche Beratungen, Deutschkurse, Hilfe bei Berufsorientierung und Ausbildungsplatzsuche, Angebote zur politischen Bildung und zu interkulturellem Lernen, Einzelnachhilfe während Schule und Ausbildung sowie individuelle Unterstützung bei der Lebensorganisation in Deutschland. Dabei verfolgt AsA einen traumasensiblen Beratungsansatz.

Besonderen Wert legt der Verein auch auf die Einbindung ihrer rund 170 Ehrenamtlichen, die mittels eines eigenen Ehrenamtszentrums koordiniert und geschult werden. Sie begleiten die Jugendlichen in Form individueller Patenschaften und sind wichtige Bezugsperson für diese.

Über 300 Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung sind kontinuierlich an AsA gebunden. Seit 2021 kommen so viele Jugendliche zu AsA, dass der Verein die Nachfrage zeitweise nicht mehr decken konnte. Auch die Auswirkungen des Angriffskriegs auf die Ukraine sind spürbar und unterstreichen die Notwendigkeit für ein solches Angebot.

Wir fördern AsA, weil der ganzheitliche Unterstützungsansatz des Vereins in dieser Form in Deutschland einzigartig ist und ermöglicht, den individuellen Hilfebedarf jedes einzelnen jungen Menschen passgenau abzudecken.

StandortBonn, Deutschland
Förderzeitraum2021-2027
Fördersumme185.000 Euro
Webseiteasa-bonn.org

Interview mit Johanna Strohmeier

Aus welcher Motivation und mit welchem Ziel wurde AsA vor 25 Jahren gegründet?

Ausbildung statt Abschiebung (AsA) e.V. wurde vor 25 Jahren von einem Kreis ehrenamtlich engagierter Frauen gegründet, die sich schon damals für die Rechte geflüchteter Kinder und Jugendlicher einsetzten. Ihnen wurde der Zugang zu Bildung und weiteren vermeintlichen Grundrechten gänzlich verwehrt. AsA setzt sich seitdem für Chancengerechtigkeit und gegen strukturelle Benachteiligung ein.

 

Wie unterscheidet sich der modellhafte ganzheitliche Ansatz von AsA von anderen Unterstützungs- und Förderangeboten für unbegleitete minderjährige Geflüchtete?

Was AsA e.V. einzigartig macht, ist das ganzheitliche, bedarfsorientierte Konzept: Wir vereinen die Angebote unter einem Dach, die jugendliche Geflüchtete brauchen, um anzukommen und sich eine selbstbestimmte Zukunft aufzubauen. Das sind u. a. Sprachkurse, rechtskreisübergreifende Beratung, Berufsorientierung, Vermittlung in Ausbildung sowie eine engmaschige und vertrauensvolle Begleitung.

 

Welchen Unterschied macht die Arbeit von AsA heute konkret – individuell für die durch AsA begleiteten Jugendlichen, aber auch auf struktureller Ebene für die Zielgruppe?

Für die Jugendlichen ist AsA ein sicherer Ort, an dem sie stets willkommen sind und ihre Bedürfnisse äußern können. Wir erarbeiten mit ihnen eine Zukunftsperspektive und sichern – häufig durch die Vermittlung in Ausbildung – ihren Aufenthalt in Deutschland. Strukturell arbeiten wir eng mit diversen Akteuren der Geflüchteten- und Jugendhilfe zusammen, machen auf die Themen der Zielgruppe aufmerksam und erarbeiten konkrete Verbesserungen. Ein Beispiel dafür ist die Case-Management-Stelle im Kommunalen Integrationsmanagement der Stadt Bonn, die bei AsA angesiedelt ist. Wir konnten die Zusammenarbeit mit anderen Trägern wie auch mit der Kommune intensivieren. Dadurch konnten für die Zielgruppe bereits konkrete Erfolge erzielt werden, z. B. im Rahmen einer koordinierten Zusammenarbeit im Rahmen des Chancenaufenthalts oder auch bzgl. der Bedürfnisse und Bedarfe der Jugendlichen, die aus der Jugendhilfe ausscheiden (Careleaver).

 

 

 

 

Johanna Strohmeier
© Ausbildung statt Abschiebung (AsA) e.V.

 

Es braucht ein Umdenken: weg vom problemzentrierten Blick hin zur Anerkennung von Chancen und Potenzialen. Schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und verlässliche Zugänge zu Bildung, Ausbildung und Arbeit sind entscheidend, damit junge Geflüchtete früh Perspektiven entwickeln können.

Johanna Strohmeier