Geschlechtergerechtigkeit ist auch in den Künsten noch lange nicht erreicht. Gleich ob bei der Bezahlung, bei Präsentationsmöglichkeiten oder der Vergabe von Preisen: Erfolg hängt weiterhin auch vom Geschlecht der Künstler*innen ab. Mit unserer 2022 initiierten Förderlinie re:balance – Geschlechtergerechtigkeit in den Künsten setzen wir dem etwas entgegen.

Ziel ist es, über das Schaffen von Öffentlichkeit sowie über individuelles Mentoring im stark von persönlichen Netzwerken geprägten Kunstsektor Impulse für strukturelle Veränderung zu setzen. Zentrum der Förderlinie bildet das Mentoring-Programm für Künstler*innen, das ab September 2026 in die dritte Runde geht.

Dritte Runde von re:balance startet im September

Die Mentor*innen und Mentees der zweiten Mentoring-Runde machen ein Selfie bei der Abschlussveranstaltung.
© Isabela Pacini

Die Auswahl für unsere dritte Mentoringrunde re:balance ist abgeschlossen. Ab September 2026 bringen wir erneut 13 ambitionierte Nachwuchstalente mit erfahrenen Künstler*innen zusammen. Bis April 2027 arbeiten die Tandems an Fragen, die für die weitere künstlerische und berufliche Entwicklung der Mentees entscheidend sind. Im Mittelpunkt stehen der persönliche Austausch, individuelle Orientierung und der Zugang zu Erfahrungen und Netzwerken. Über die Teilnehmenden, ihre Zusammenarbeit und den Verlauf der dritten Mentoring-Runde werden wir hier regelmäßig berichten. 

Das Mentoring-Programm

Das Mentoring-Programm richtet sich an ambitionierte Nachwuchstalente und erfahrene Künstler*innen mit hohem Potential an entscheidenden Wendpunkten ihrer Karriere (alle Frauen sowie trans, inter und nichtbinäre Menschen). Bewerben können sich Künstler*innen aller Sparten aus dem gesamten Bundesgebiet. Mit individuellem Mentoring durch profilierte Persönlichkeiten aus der Branche, Vernetzungsangeboten und Workshops unterstützen wir die teilnehmenden Künstler*innen (Mentees) dabei, einen Entwicklungssprung in ihrer Karriere anzubahnen. 

© Isabela Pacini
© Isabela Pacini

Individuelles Mentoring

Kern des Mentorings sind die persönlichen Begegnungen zwischen Mentor*in und Mentee. Gemeinsam arbeitet jedes Tandem über sieben Monate an einer individuellen künstlerischen oder strategischen Fragestellung, die auf die nächsten Karriereschritte des*der Mentee einzahlen. Expertise und Erfahrung der Mentor*innen dienen dazu, die künstlerische Position und Selbstpräsentation der Mentees zu stärken, sie mit Entscheidungsträger*innen der Branche zu vernetzen und sie auf dem Weg zu ihren selbstgesteckten Zielen kompetent zu begleiten. 

Gemeinsamer Auftakt und Abschluss

Wir verstehen re:balance als Ort der Vernetzung. Deshalb bringen wir bei der Auftakt- und Abschlussveranstaltung alle Mentor*innen und Mentees der jeweiligen Kohorte zusammen und miteinander ins Gespräch. Bei der Auftaktveranstaltung begegnen sich die Tandems zum ersten Mal. Wir starten gemeinsam ins Mentoring, blicken auf die kommenden Monate und sprechen über Erwartungen und Ziele. Beim Abschluss reflektieren wir die Lernreise der vergangenen Monate und feiern erreichte Meilensteine. So legen wir den Grundstein für ein Netzwerk, das über die Programmlaufzeit hinausträgt.  

© Isabela Pacini
© Isabela Pacini
© Rudolf Augstein Stiftung
© Rudolf Augstein Stiftung

Workshop-Wochenende für Mentees

Zur Halbzeit des Programms treffen sich die Mentees zu einem Workshop-Wochenende. Das Wochenende dient der spartenübergreifenden Vernetzung der Mentees untereinander sowie der Reflexion des bisherigen Mentorings. Ein Workshopangebot, das Kompetenzen zu übergreifenden Themen wie Finanzierung, Verhandlungsgeschick und Selbstpräsentation sowie Strategien für den Umgang mit Diskriminierungserfahrung im beruflichen Kontext vermittelt, ergänzt die individuelle Tandemarbeit. 

Mentor*innen 2026

Auch in diesem Jahr freuen wir uns auf exzellente Mentor*innen. In starken Statements verraten sie ihre Motivation. Diese werden durch einen Klick auf den Namen sichtbar.

© Dorothea Tuch

Ricardo Carmona

Künstlerischer Leiter Tanz im August

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„In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie wichtig Räume sind, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und ernst genommen werden. Mentoring bedeutet für mich, Erfahrungen zu teilen, aber genauso zuzuhören und voneinander zu lernen. Wenn wir nachhaltige Veränderungen im Kunstfeld erreichen wollen, brauchen wir Strukturen, die Vielfalt nicht nur sichtbar machen, sondern aktiv ermöglichen. re:balance ist für mich ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“

Portrait von Yilmaz Dziewior
© Falko Alexander

Dr. Yilmaz Dziewior

Direktor Museum Ludwig

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Geschlechtergerechtigkeit ist nie ein abgeschlossener Prozess, sondern verlangt ein permanentes Lernen. Dass dieses Thema auch cis Männer betrifft, wird nicht allein durch meine eigene Teilnahme als Mentor in diesem Programm evident. Ich freue mich, durch meine Expertise im Kunstsystem mit dazu beitragen zu dürfen, unser Feld diverser und diskriminierungskritischer zu gestalten. Ich bin sicher, dass ich am Ende ebenso davon profitieren werde, wie die Person, deren Mentor ich sein darf.

Katja Lucker
© Camille Blake

Katja Lucker

Geschäftsführerin Initiative Musik

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„Expertise und Wissen zu teilen, voneinander zu lernen und Frauen in der Musik zu stärken sind mir schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen! Zusammen sind wir einfach besser, stärker und resilienter.“

© Christian Knörr

Constanza Macras

Choreografin

© Tibor Bozi

Anta Helena Recke

Regisseurin, Autorin

© Sasha Ilushina

Isabelle Redfern

Schauspielerin, Regisseurin

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„Ich wünsche mir mehr Diversität, mehr Frauen in Machtpositionen, mehr Gemeinschaft, mehr spartenübergreifendes Arbeiten und mehr konstruktive Auseinandersetzungen. Daher freue ich mich auf diese Begegnung.“

www.isabelleredfern.com

Portrait von Frauke Roth
© Nora Scholz

Frauke Roth

Intendantin Dresdner Philharmonie

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„Als Mentorin möchte ich meine Erfahrungen als Intendantin der Dresdner Philharmonie am Kulturpalast mit der Gesamtverantwortung für alle künstlerischen, personellen und wirtschaftlichen Vorgänge weitergeben, beim Austausch, der Fokussierung und beim Erkennen von Potenzialen unterstützen sowie praxisnahe Einblicke zur nachhaltigen und zeitgemäßen Profilierung eines Konzertsaals mit Orchester geben. Gleichzeitig lerne ich von jungen Perspektiven und bin Teil einer unterstützenden Gemeinschaft von Mentor:innen und Mentees. Ich bin überzeugt, dass wir in herausfordernden Zeiten auf moderne Weise für die Bedeutung von Kunst und Musik für unsere Gesellschaft die Stimme erheben müssen: we’ve got to tell our stories better!“

Portrait Anna Skryleva
© Thomas Leiding

Anna Skryleva

Dirigentin, Komponistin, Pianistin

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„Als Teenager hatte ich keine weiblichen Vorbilder im Dirigieren und glaubte selbst nicht daran, dass Frauen dirigieren können. Erst durch die Begegnung mit einer Frau, die mich förderte und ermutigte, änderte sich das. Heute möchte ich meine Erfahrungen weitergeben und Künstlerinnen ermutigen, ihre Träume zu verwirklichen.“

www.annaskryleva.com

© Rahel Pasztor

Sibylle Springer

Künstlerin

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„Es ist schön, Unterstützung geben zu können, die ich vormals selbst erhalten habe. Der Kunstmarkt ist oft unübersichtlich und schwierig zu durchschauen – es tauchen viele Fragen auf. Eine Gesprächspartnerin zu sein, die den Gedanken der nachwachsenden Generation offen begegnet und mit der ich mich austauschen kann, ist eine wunderbare Möglichkeit, etwas zu einer paritätischen Kunstlandschaft beizutragen.“

https://www.sibyllespringer.com/

Portrait von Jochen Strauch
© Peter Hönnemann

Jochen Strauch

Theaterregisseur, Executive Master in Arts Administration

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„Als homosexueller Cis-Male der Generation X ist mir weder Marginalisierungs- noch Diskriminierungserleben fremd. Theater ist ein Team-Kunstwerk — was im Widerspruch zu jeglicher exkludierender, segmentierender Haltung steht. In Verbundenheit entsteht unsere Kraft.“

www.jochenstrauch.com

Portrait von Anna Wagner
© Maximilian von Lachner

Anna Wagner

Intendanz und Geschäftsführung Künstler*innenhaus Mousonturm

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„Ich habe stets ein weibliches Role Model vermisst – jemanden, der mir in herausfordernden Momenten Orientierung geben konnte oder mit der ich offene Fragen ehrlich besprechen konnte. Umso mehr wünsche ich mir, als Mentorin genauso eine vertrauensvolle Begleiterin zu sein. Gleichzeitig bin ich sicher, dass auch ich aus den Begegnungen viel Inspiration mitnehmen werde.“

Portrait von Franciska Zólyom
© Cihan Çakmak

Franciska Zólyom

Direktorin Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig

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„Der Mut von Frauen, die sich weltweit für ihre Rechte einsetzen, beeindruckt mich sehr. Ich beteiligte mich an der re:balance-Initiative, weil sie junge Künstler*innen in ihrer Arbeit bestärkt und ihren Ideen Sichtbarkeit verleiht.“

Hinweise für die Bewerbung als Mentee 

Die Auswahl für die dritte Runde unseres Mentoring-Programms ist abgeschlossen. Bewerbungen sind derzeit nicht möglich. Ob und wann eine weitere Mentoring-Runde ausgeschrieben wird, steht noch nicht fest. Sobald es hierzu Neuigkeiten gibt, informieren wir an dieser Stelle.

Das re:balance Mentoring-Programm richtet sich an Frauen sowie trans, inter und nichtbinäre Künstler*innen. Eine Bewerbung ist ausschließlich als Einzelkünstler*in möglich.

 

Auswahlkriterien

  • Künstlerische Exzellenz 
  • Strategisches Interesse an Ihrer Karriere
  • Klar formuliertes Anliegen
  • Passung Ihres Anliegens mit der Expertise der Mentor*innen 
  • Entwicklungspotzenzial 
  • Originalität und Eigenständigkeit Ihres künstlerischen Ansatzes

 

Portrait von Hannah Baumann
© Felix Adler

 

Das Mentoring hat mir gezeigt, wie ich berufliche Schritte strategisch planen kann. Ich habe mich darin unterstützt gefühlt, Ziele bewusst für mich zu formulieren und mir auf dem Weg dahin Unterstützung zu suchen. Konkret bin ich dadurch die Anbahnung eines größeren Projektes angegangen – und es hat auch geklappt.

Hannah Baumann, Theatermacherin und Mentee der 2. Runde