Pressemitteilung

Studie zur Stärkung des gemeinwohlorientierten Journalismus initiiert

Hamburg,
16. Juli 2019

Die Rudolf Augstein Stiftung erarbeitet in Kooperation mit der Schöpflin Stiftung und Phineo eine Feldstudie, die zur Stärkung des journalistischen Ökosystems beitragen soll.

Gegenwärtig erleben wir eine Neuordnung des Journalismus: Überholte und wegbrechende Finanzierungsmodelle, die Abhängigkeit von Tech-Plattformen sowie eine Vertrauens- und Autoritätskrise legen nahe, dass es aktuell an tragfähigen Konzepten für einen zukunftsfähigen Journalismus mangelt.
Einer von vielen Ansätzen, Qualitätsjournalismus für die Zukunft sicherzustellen, könnte in der gezielten und stärkeren Förderung entsprechender Angebote im Bereich der Informations- und Meinungsfreiheit und gemeinwohlorientierter Journalismusprojekte bestehen.

Aus diesem Grund erarbeiten die Rudolf Augstein Stiftung, die Schöpflin Stiftung und PHINEO aktuell eine Feldstudie, die

  • einen Überblick über die Akteurslandschaft im Bereich gemeinnütziger Journalismus und Informations- und Meinungsfreiheit liefert,
  • systemische Zusammenhänge und Potenziale verdeutlicht,
  • funktionierende Geschäftsmodelle und erfolgreiche Wirkungslogiken vorstellt,
  • Herausforderungen, Förderlücken und limitierende Faktoren benennt sowie
  • Entscheider*innen in Förderinstitutionen und der Politik konkrete Handlungsempfehlungen gibt.

Die Studie konzentriert sich auf die deutsche Akteurslandschaft, berücksichtigt aber auch herausragende europäische und internationale Beispiele. Sie wird Anfang 2020 veröffentlicht.

Die Rudolf Augstein Stiftung fühlt sich dem Gründer des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL und dessen Engagement für kritischen und unabhängigen Journalismus verbunden. Seinem Motto „Sagen, was ist“ sollen Journalist*innen auch unter den Bedingungen des medialen Wandels folgen können. Daher fördert die Stiftung Initiativen, die den investigativen Journalismus voranbringen, die neue Methoden und Geschäftsmodelle erproben oder die zur Vernetzung und Vielfalt im journalistischen Feld beitragen.

Die Schöpflin Stiftung setzt sich für kritische Bewusstseinsbildung, eine lebendige Demokratie und eine vielfältige Gesellschaft ein. In diesem Rahmen fördert sie gemeinwohlorientierten Journalismus als eine notwendige Ergänzung zum öffentlich-rechtlichen und zum privaten Verlags-Journalismus mit dem Ziel einer demokratiefähigen, gut informierten Gesellschaft.

Das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus PHINEO beschäftigt sich seit 2010 mit der Frage, wodurch sich qualitativ hochwertige gemeinnützige Projekte auszeichnen; das Analysehaus veröffentlicht Sektorstudien und vergibt ein Siegel für besonders wirkungsvolle gemeinnützige Projekte.

Projekt

Leitfaden für kollaborativen Journalismus veröffentlicht

© Rob Stothard
Hamburg,
27. Mai 2019

Das „Bureau Local“ (UK) ist das weltweit erste Netzwerk für kollaborativen Lokaljournalismus. Inzwischen ist es über 1.000 Mitglieder stark, preisgekrönt und gilt als Prototyp.

Damit das Konzept möglichst viele Nachahmer finden kann, hat die Rudolf Augstein Stiftung die Erstellung eines Leitfadens finanziert. Dieser ist jetzt erschienen und präsentiert die wichtigsten Erkenntnisse seit Gründung.

 

Zum Leitfaden

Pressemitteilung

Vor der Europawahl: Wie journalistisch umgehen mit Rechtspopulismus und digitaler Propaganda?

© Denitsa Toneva
Hamburg,
15. Februar 2019

Fachkonferenz der Rudolf Augstein Stiftung sucht am 22. Februar im SPIEGEL-Verlagsgebäude in Hamburg nach Wegen, den öffentlichen Diskurs in Zeiten von Rechtspopulismus und digitaler Propaganda zu stärken.

Es sind noch drei Monate bis zur Europawahl. Alle Parteien sind im Kampagnen-Modus. Doch besonders gut scheint es Rechtspopulisten zu gelingen, ihre Positionen in die Öffentlichkeit zu bringen. Systematisch kapern sie Diskurse und stärken durch Taktiken im Netz reaktionäre Narrative.

Wie können Journalist*innen und zivilgesellschaftliche Akteure rechtspopulistischen Kommunikations-strategien begegnen? (Wie) können sie kritisch berichten, ohne sich zum Sprachrohr zu machen? Um das zu beratschlagen und um neue Allianzen anzuregen, veranstaltet die Rudolf Augstein Stiftung die Fachkonferenz „re:claim public discourse!“. Sie richtet sich an alle, die sich professionell im und für den öffentlichen Diskurs engagieren, gehört dieser doch zu den Schutzgütern einer Demokratie.

„Wenn die erfolgreiche politische Revolution darin besteht, die kulturelle Hegemonie zu erlangen, haben die Rechten in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht: rechte Sprachspiele und Gedankenmuster sind bis weit in so genannte bürgerliche Kreise vorgedrungen. Es ist höchste Zeit für eine demokratische Gegenrevolution“, so Jakob Augstein, Vorstandsmitglied der Rudolf Augstein Stiftung.

„re:claim public discourse!“ entwickelt eine transdisziplinäre, europäische Perspektive auf Rechtspopulismus und deckt dessen Manipulationsstrategien auf – auch im digitalen Raum. Professor Whitney Phillips, eine der führenden Expertinnen für Webkultur aus den USA, wird Ergebnisse ihrer Studie „The Oxygen of Amplification – Better Practices for Reporting on Extremists, Antagonists, and Manipulators“ vorstellen und Empfehlungen geben für die Vorwahl-Berichterstattung in Europa. Raymond Serrato, Social-Media-Analyst bei der UN-Menschenrechtskommission, wird zeigen, wie YouTubes Empfehlungsalgorithmus extreme Inhalte befördert. Von seiner Undercover-Recherche in Trollforen wird der YouTuber und Journalist Rayk Anders berichten. Und die Psychologin Dr. Lena Frischlich wird erklären, wie sich Online-Propaganda erkennen und bekämpfen lässt – vor allem aber, wie Menschen im Umgang mit manipulativen Online-Inhalten unterstützt werden können.

Wissenschaftler*innen und Journalist*innen werden Zeitdiagnosen zu Populismus in Deutschland und Europa geben. So wird die Soziologin Cornelia Koppetsch auf die Mobilisierungserfolge von Rechtspopulisten und die

emotionalen Triebfedern rechtspopulistischer Proteste eingehen. Ihr Buch zum Thema heißt „Die Gesellschaft des Zorns: Rechtspopulismus in Zeiten der Globalisierung“ und erscheint in Kürze. Die Journalisten Nina Horaczek aus Österreich und Márton Gergely aus Ungarn arbeiten zusammen im grenzüberschreitenden Recherche-Verbund „Europe’s Far Right“. Sie berichten darüber, mit welch unterschiedlichen Medienstrategien Rechtspopulisten in Europa versuchen, ihre Macht auszubauen. Und Dr. Melanie Amann, Leiterin des Hauptstadtbüros des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, legt gemeinsam mit Olaf Sundermeyer, Investigativjournalist beim rbb, offen, wie die AfD Journalist*innen bei der unabhängigen Berichterstattung ausbremst.

Es geht jedoch nicht nur um eine Bestandsaufnahme, sondern um den Blick nach vorn: um Visionen und konkrete Handlungsempfehlungen. So plädiert Johannes Hillje, Autor und Politikberater, für die Schaffung einer digitalen „Plattform Europa“ in öffentlicher Hand, die dem Gemeinwohl und der europäischen Demokratie dient. Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, wird einen Vorschlag zur Regulierung sozialer Netzwerke präsentieren – damit diese ihre Freiheitspotenziale bestmöglich entfalten können. Jakob Augstein führt die Diskussionsstränge des Tages zusammen: Mit Professor Carsten Reinemann, Experte für politische Kommunikation, geht es um die Frage: Wie sieht verantwortungsvoller Journalismus in postfaktischen Zeiten aus?

„re:claim public discourse!“ findet in deutscher und englischer Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung unter http://reclaim.rudolf-augstein-stiftung.de jedoch erforderlich. Für Pressevertreter*innen halten wir auch bei ausgebuchter Veranstaltung ein Kartenkontingent vor.

Programm und Livestream

Auf der Website zur Veranstaltung http://reclaim.rudolf-augstein-stiftung.de finden Sie das vollständige Programm, ausführliche Informationen zu allen Vortragenden sowie am 22. Februar 2019 ab 9.30 Uhr den Livestream.

Über die Rudolf Augstein Stiftung

Die gemeinnützige Rudolf Augstein Stiftung versteht sich als Teil der Zivilgesellschaft. Sie fühlt sich dem Gründer des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL, Rudolf Augstein, und dessen Engagement für den Qualitätsjournalismus, für die Künste sowie für benachteiligte Kinder und Jugendliche verbunden. Im Gedenken an ihren Namensgeber nahm die Stiftung bürgerlichen Rechts im Jahr 2005 ihre Fördertätigkeit auf. Seither hat sie mehr als 800 Projekte mit einem Fördervolumen von mehr als elf Millionen Euro unterstützt.

Rudolf Augstein steht in herausragender Weise für Pressefreiheit und kritischen Journalismus. Seinem Motto „Sagen, was ist“ sollen Journalist*innen auch unter den Bedingungen des medialen Wandels folgen können. Im journalistischen Bereich fördert die Stiftung daher Projekte, die den investigativen Journalismus stärken, die zur Vernetzung von Journalisten sowie zur Vielfalt in Redaktionen beitragen oder die sich mit neuen Wegen der Vermittlung von Inhalten befassen. Auch die Erprobung neuer Geschäftsmodelle wird unterstützt.

Pressekontakt

Stephanie Reuter, Geschäftsführerin der Rudolf Augstein Stiftung

Ericusspitze 1 | 20457 Hamburg
Tel.: +49 40 55 44 03 33
Mobil: +49 177 69 10 244
E-Mail: stephanie.reuter@rudolf-augstein-stiftung.de