Netzwerk für kollaborativen Lokaljournalismus

CORRECTIV.Lokal

© CORRECTIV

Mit CORRECTIV.Lokal hat das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV ein nationales Netzwerk für kollaborativen Lokaljournalismus geschaffen.

Der lokale Investigativjournalismus befindet sich in einer schwierigen Lage: Budget-und Stellenkürzungen sowie die disruptiven Veränderungen der Medienbranche führen dazu, dass aufwendige Rechercheprojekte oft auf der Strecke bleiben. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, hat CORRECTIV eine innovative journalistische Infrastruktur geschaffen: CORRECTIV.Lokal bietet Lokaljournalist*innen, Blogger*innen und Fachexpert*innen eine Plattform, um Informationen und Dokumente zu bestimmten Themen zusammenzutragen und stößt gleichzeitig Recherche- und Enthüllungsprojekte an, die sowohl von lokaler als auch nationaler Relevanz sind. Auf diese Weise entstehen Recherchen, die eine einzelne Lokalredaktion nicht leisten könnte und dennoch individuell veröffentlicht werden können.
CORRECTIV.Lokal bindet auch gezielt Bürger*innen in seine Arbeit ein. So

beispielsweise für das Projekt „Wem gehört Deutschland?“ zur Analyse städtischer Wohnungsmärkte. Nach der Pilotphase in Hamburg wurde die Recherche in fünf weiteren Städten umgesetzt – basierend auf der von CORRECTIV.Lokal gestellten redaktionellen Infrastruktur. Das Projekt wurde 2019 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
Durch die multilokale Zusammenarbeit bündelt das Netzwerk Wissen und Ergebnisse, die strukturelle Missstände sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene sichtbar machen. Außerdem kann die Kollaboration die Qualität der kritischen Berichterstattung im Lokalen heben und das Projekt zu einer aufgeklärten Gesellschaft beitragen – diese innovativen Ansätze überzeugen. Deshalb fördern wir CORRECTIV.Lokal.

Förderzeitraum 2018 bis 2020
Fördersumme 210.000 Euro
Webseite correctiv.org/correctiv-lokal

Journalistisches Förderprojekt

#NETZWENDE-Award

© Melina Mörsdorf

Zeit für radikales Umdenken: Der #NETZWENDE-Award zeichnet Projekte aus, die in Zeiten von Desinformation und Hassrede neue Wege für den Journalismus suchen und seine Glaubwürdigkeit im Netz aufrechterhalten.

Der 2017 ins Leben gerufene #NETZWENDE-Award sucht nach Alternativen: nach Medienprojekten, die mehr wollen als ein „Weiter so!“ und stattdessen Perspektiven, Prinzipien oder Technologien vorstellen, die einen entscheidenden Impuls für eine Neuausrichtung des Journalismus setzen. Ausgezeichnet werden Projekte, Initiativen und Start-Ups aus dem deutschsprachigen Raum, die beispielsweise Diversität in Redaktionen unterstützen, Recherchen unabhängig von Marktmechanismen ermöglichen oder einen Journalismus fördern, der auch unabhängig von Clickbait Aufmerksamkeit erlangt.
Gewinner im Jahr 2019 war das Projekt Social Media Watchblog, das sich mit den Trends und News zu Social Media befasst und damit zur Souveränität in der digitalen Kommunikation beiträgt. Preisträger aus den Vorjahren waren MedWatch und RiffReporter.

Initiiert wurde der #NETZWENDE-Award vom Journalismus-Thinktank VOCER des Vereins für Medien- und Journalismuskritik, der sich damit für eine besser informierte digitale Gesellschaft und eine konstruktive Debattenkultur im Netz einsetzt: Journalismus soll seine Seriosität erhalten und Grundlage für politische Willensbildung bleiben. Denn inmitten der rasanten Entwicklung digitaler Inhalte und dem damit einhergehenden Aufflammen manipulativer Trends, ist das Verständnis der Kommunikationsstrukturen im Netz für eine differenzierte Perspektive unerlässlich geworden. Daher unterstützen wir den mit 10.000 Euro dotierten #NETZWENDE-Award, der jährlich im Rahmen des VOCER Innovation Day im SPIEGEL-Gebäude verliehen wird. Neben dem SPIEGEL und uns sind die weiteren Kooperationspartner*innen der Initiative die August Schwingenstein Stiftung sowie die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.

Förderzeitraum 2017-2019
Fördersumme 15.000 Euro
Webseite netzwende.com

Journalistisches Förderprojekt

Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur zur Praxis des Qualitätsjournalismus

© Malte Joost

In enger Verbindung zur Praxis den Qualitätsjournalismus in Forschung und Lehre stärken: dafür steht die Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur an der Universität Hamburg.

Sie wurde 2006 als erste von einer Stiftung finanzierte Professur im journalistischen Feld in Deutschland eingerichtet. Ziel ist die Förderung des journalistischen Nachwuchses, sowie die Stärkung und Weiterentwicklung des Qualitätsjournalismus durch exzellente Forschung und Lehre. Als besonders wichtig erachten wir einen engen Praxisbezug, Experimentierfreude und ein stabiles internationales Netzwerk – von dem auch die Studierenden durch Austauschprogramme profitieren.
„Ein Journalist darf es sich nicht bequem machen und erst recht nicht denjenigen, über die er schreibt“, war Rudolf Augstein überzeugt. Wir halten es für essentiell, dass Journalist*innen schon während ihres Studiums dazu befähigt und ermutigt werden, ihre Kritik- und Kontrollfunktion in der Demokratie wahrzunehmen.
Um den Journalismus langfristig zu stärken, bedarf es neben Recherche- und Methodenkenntnissen aber ebenso einer fundierten Ausbildung in den Bereichen Medienethik und -kritik. Die Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur steht für die Verankerung dieser Prinzipien in Forschung und Lehre. Wir verstehen sie damit als Beitrag zur nachhaltigen Stärkung des Qualitätsjournalismus.

Inhaber der Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur ist Professor Dr. Volker Lilienthal. Der Diplom-Journalist war vor seinem Ruf an die Universität Hamburg stellvertretender Ressortleiter und Verantwortlicher Redakteur von „epd medien“. Als Journalist wurde Volker Lilienthal vielfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ (2004) des Netzwerk Recherche, mit dem Bert-Donnepp-Preis (2005) sowie dem Leipziger Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien (2006).

Förderzeitraum 2006-2011
Fördersumme 1.000.000 Euro
Webseite wiso.uni-hamburg.de

Recherchen für die Gesellschaft

CORRECTIV

© CORRECTIV

Transparent und voller Experimentierfreude: Das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV stärkt aufwändigen, datengetriebenen Investigativjournalismus, teilt sein Wissen und bezieht das Publikum ein.

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Recherchiert wird zu Themen von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Ziel ist es, Missstände aufzudecken und komplexe Zusammenhänge begreifbar zu machen.

In traditionellen Medien stehen immer weniger Ressourcen für langwierige und aufwändige Recherchen zur Verfügung. Damit Journalist*innen trotzdem ihre Wächterfunktion erfüllen können, braucht es neue und unabhängige Geschäftsmodelle.

CORRECTIV ist hauptsächlich spenden- und stiftungsfinanziert und steht für einen unabhängigen, datenorientierten, investigativen Journalismus, der die Bürger einbezieht, aufklärt und ausbildet. Zudem wird mit neuen Darstellungsformen experimentiert, um möglichst viele zu erreichen. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zu einer aufgeklärten Gesellschaft und zum Schutz einer lebendigen Demokratie – darum unterstützen wir CORRECTIV.

Förderzeitraum 2014-2018
Fördersumme 130.000 Euro
Webseite correctiv.org

Wege in den Journalismus – ein Mentoringprogramm

Neue deutsche Medienmacher

© Jörg Stroisch

Mehr Vielfalt im Journalismus: Das Mentoringprogramm „Wege in den Journalismus“ unterstützt Journalist*innen mit Einwanderungsgeschichte oder Fluchterfahrung beim Berufseinstieg.

Journalist*innen mit Migrationshintergrund sind immer noch eine Seltenheit in deutschen Redaktionen. Der Berufseinstieg ist für sie oft mit besonderen Hürden verbunden. Das Mentoringprogramm „Wege in den Journalismus“ setzt hier an. Die Teilnehmenden werden von erfahrenen Kolleg*innen gecoacht, erhalten zahlreiche Weiterbildungsangebote und knüpfen durch Redaktionsbesuche und Projekte Kontakte zu renommierten Medienhäusern. Ziel des Programms ist es, im Anschluss möglichst viele Mentees in Volontariate oder Anstellungen zu vermitteln. „Wege in den Journalismus“ ist ein Angebot des Vereins Neue deutsche Medienmacher, der sich für mehr Vielfalt in den Medien einsetzt.

Wir sind überzeugt: Eine möglichst große Vielfalt von Perspektiven ist essentiell für eine ausgewogene und möglichst vorurteilsfreie Berichterstattung – nicht erst seit Themen wie Migration und Integration wieder kontrovers diskutiert werden. Oft verhindern strukturelle Hürden, dass Journalist*innen mit Migrationsgeschichte ihr Wissen in Redaktionen einbringen können. „Wege in den Journalismus“ verfolgt einen umfassenden und nachhaltigen Ansatz, um diese Hürden abzubauen – deshalb unterstützen wir das Projekt.

Förderzeitraum 2016-2019
Fördersumme 24.000 Euro
Webseite neuemedienmacher.de

Netzwerk Recherche

© Nick Jaussi

Der Aufklärung verschrieben: Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (NR) setzt sich für Informationsfreiheit und die Stärkung des investigativen Journalismus ein.

Der 2001 von Journalist*innen gegründete Verein setzt sich in der Aus- und Fortbildung für die Vermittlung von Recherchetechniken ein und unterstützt Projekte, die einen langen Atem erfordern. Das Netzwerk thematisiert in der Öffentlichkeit den Mangel an Recherche und den damit einhergehenden, schleichenden Qualitätsverlust in der Berichterstattung. Rund 800 Journalisten gehören dem Verein inzwischen an. Eine ebenso hohe Zahl an Journalist*innen nimmt an der Jahreskonferenz des Netzwerks mit ihren über 100 Einzelveranstaltungen teil. Zudem finden jährlich mehrere Fachkonferenzen statt. NR vergibt den Leuchtturm-Preis für besondere publizistische Leistungen sowie Stipendien für herausragende Rechercheprojekte und engagiert sich für den Nonprofitjournalismus.

Mit unserer Unterstützung konnte im Jahr 2008 eine professionelle Geschäftsstelle eingerichtet werden, die wir seither maßgeblich finanzieren. Die Geschäftsstelle übernimmt wichtige organisatorische Aufgaben, unterstützt die ehrenamtliche Arbeit des Vorstands und spielt eine maßgebliche Rolle bei der Planung der Konferenzen. Mit dieser strukturellen Förderung schaffen wir einen Mehrwert für alle Journalist*innen, die die Angebote des Netzwerk Recherche nutzen. Denn: Vernetzung, Wissenstransfer und Selbstreflektion bilden die Basis für Visions- und Innovationskraft der Medienbranche.

Förderzeitraum 2008-2019
Fördersumme insgesamt 396.000 Euro
Webseite netzwerkrecherche.org

Hostwriter

© André Grzeszyk

Kontakte, Couch und Kollaboration: Auf Hostwriter vernetzen sich Medienschaffende aus der ganzen Welt.

Hostwriter ist ein Netzwerk, das Journalist*innen dabei hilft, über Ländergrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Auf der Online-Plattform können Medienschaffende aus der ganzen Welt Hilfe für internationale Recherchen suchen und anbieten. Die Mitglieder von Hostwriter vermitteln sich gegenseitig Kontakte vor Ort, arbeiten gemeinsam an Recherchen und bieten Kolleg*innen bei Bedarf einen Schlafplatz an. Die Mitgliedschaft bei Hostwriter ist kostenlos. Interessierte müssen aber eine professionelle journalistische Tätigkeit nachweisen. 
Wir fördern die Matchmaking-Plattform seit ihrer Gründung im Jahr 2013. In unserer globalisierten Welt ist die länderübergreifende Zusammenarbeit von Journalist*innen essentiell, um Missstände aufzudecken und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

Vor allem jungen und freischaffenden Journalist*innen fehlen dazu aber oft Ressourcen und Kontakte. Indem es vernetze Technologien auf intelligente Weise nutzt, füllt Hostwriter diese Lücke und macht auch Informationen aus Teilen der Welt zugänglich, die ansonsten „Blinde Flecken“ in der Berichterstattung blieben. Das Projekt leistet so einen entscheidenden Beitrag zur Professionalisierung des Crossborder-Journalismus. Der lösungsorientierte Ansatz überzeugt – deshalb unterstützen wir Hostwriter.

Förderzeitraum 2013-2018
Fördersumme insgesamt 22.500 Euro
Webseite hostwriter.org

Investigate Europe

© Elisa Simantke
Auf europäischer Ebene strukturelle Missstände aufdecken: Investigate Europe bereichert die Berichterstattung mit Multiperspektivität und exzellenten Recherchen.

Investigate Europe ist ein paneuropäischer Rechercheverbund von neun Journalist*innen aus acht Ländern. Sie bearbeiten gemeinsam Themen, die in ganz Europa von politischer oder gesellschaftlicher Relevanz sind. Bislang waren das zum Beispiel Recherchen zu Europas Abhängigkeit von Microsoft, zur Kontrolle der europäischen Außengrenzen und zur Ausbeutung osteuropäischer Lkw-Fahrer. Die Rechercheergebnisse werden europaweit parallel in unterschiedlichen Medien und Sprachen veröffentlicht.
In einer globalisierten Welt werden Zusammenhänge immer komplexer, Krisen machen nicht an Ländergrenzen Halt.

Durch die unterschiedlichen nationalen Perspektiven kann Investigate Europe europarelevante Themen ganzheitlich betrachten und Zusammenhänge besser verständlich machen. Die kollaborative Arbeitsweise und das selbstgesteckte Ziel „einmal recherchieren, 28mal veröffentlichen“ stehen zudem modellhaft für eine zukunftsfähige grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Journalismus. Die inhaltliche Arbeit und das Experimentieren mit einem neuen Geschäftsmodell von Investigate Europe überzeugen uns – deshalb fördern wir das Projekt seit seiner Gründung.

Förderzeitraum 2016-2020
Fördersumme 70.000 Euro
Webseite investigate-europe.eu

Global Investigative Journalism Conference

© www.mediaserver.hamburg.de / Jörg Modrow

Die weltweit wichtigste Konferenz für investigativen Journalismus findet 2019 erstmals in Deutschland statt.

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche hat sich gemeinsam mit der Interlink Academy erfolgreich um die Ausrichtung der Global Investigative Journalism Conference (GIJC) beworben. Auf der GIJC treffen sich alle zwei Jahre mehr als 1.000 Journalist*innen aus über 100 Ländern.
Inhaltlich setzt die GIJC 2019 auf praxisorientierte Angebote zur Wissensvermittlung. Neben dem Wissenstransfer im Bereich neuer Analyse- und Recherchetools und der Entwicklung innovativer (gemeinnütziger) Geschäftsmodelle wird auch die eigene Rolle kritisch hinterfragt: Wie können Journalist*innen in Zeiten wegbrechender Erlöse und einer Glaubwürdigkeitskrise der Medien die Erwartungen der Nutzer erfüllen?

Und wie soll mit Herausforderungen des investigativen Arbeitens – beispielsweise der Veröffentlichung geleakter Dokumente – umgegangen werden?
Neue Impulse für die investigative Recherche, die datenjournalistische Praxis und für Crossborder-Kollaborationen sind essentiell – deshalb gehören wir zu den Initialförderern.

Förderzeitraum 2019
Fördersumme 50.000 Euro
Webseite netzwerkrecherche.org

European Investigative Journalism Conference & Dataharvest

© Journalismfund.eu

Wissenstransfer und Kollaboration: Die Dataharvest-Konferenz vernetzt Journalisten und Programmier*innen aus ganz Europa.

Die European Investigative Journalism Conference & Dataharvest ist das wichtigste europäische Zusammentreffen von Investigativ- und Datenjournalist*innen. Die jährlich in Belgien stattfindende Konferenz kombiniert theoretische Inputs mit praktischen Arbeits-Sessions. Die Themen reichen von Algorithmic Accountability Reporting über Informationsfreiheit bis hin zur Stärkung lokaljournalistischer Initiativen. Verschiedene Vernetzungsangebote ermöglichen es, länderübergreifende Kollaborationen direkt vor Ort zu initiieren.
Große Datenmengen verstehen und darstellen zu können, wird immer wichtiger für das Aufdecken von (internationalen) Verflechtungen und politischen wie gesellschaftlichen Missständen.

Vor diesem Hintergrund schafft das praxisorientierte Programm der Dataharvest einen idealen Rahmen für den Wissenstransfer zwischen Programmierer*innen und Journalist*innen aus ganz Europa. Wir sind sicher: Der interdisziplinäre und internationale Erfahrungsaustausch stärkt den Investigativjournalismus nachhaltig – deshalb fördern wir die Dataharvest seit 2017.

Förderzeitraum 2017-2020
Fördersumme 48.000 Euro
Webseite dataharvest.eu