© Media Forward Fund
Der Media Forward Fund ist der erste länderübergreifende Fonds für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Fonds reagiert auf die strukturelle Finanzierungslücke im gemeinwohlorientierten Journalismus, indem er Medienorganisationen beim Übergang von innovativen Ideen zu dauerhaft tragfähigen Geschäftsmodellen begleitet.
In den Ausschreibungsrunden des Media Forward Fund zeigt sich, wo gemeinwohlorientierter Journalismus im deutschsprachigen Raum aktuell steht. Die Bewerbungen belegen große Innovationslust und publizistische Ambition, machen aber ebenso strukturelle Defizite sichtbar. Besonders deutlich wurde dies in Regionen wie Ostdeutschland und der französischsprachigen Westschweiz, aus denen deutlich weniger förderfähige Anträge eingingen. Wo journalistische Angebote fehlen oder wegbrechen, fehlt oft nicht die Idee, sondern die strukturelle Grundlage, um neue Vorhaben überhaupt zu entwickeln.
Der länderübergreifende MFF wurde auf Initiative der Rudolf Augstein Stiftung, Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM-STIFTUNG für Journalismus und Demokratie sowie des Impact Investors Karma Capital und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit als gemeinnütziger Fonds gegründet. Die Entwicklung des Fonds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Durch Erkenntnisse aus den ersten Förderrunden wurde die Förderung des Media Forward Fund zu einem abgestuften Gesamtkonzept weiterentwickelt, das unterschiedliche Entwicklungsphasen systematisch miteinander verbindet.
| Förderzeitraum | 2024-2026 |
| Fördersumme | 312.500 Euro |
| Webseite | www.mediaforwardfund.org |
Interview mit Martin Kotynek
Wenn du auf die bisherigen Förderrunden schaust: Was erfüllt dich mit Stolz und wo siehst du zu hebendes Potenzial?
Es ist ein starkes Signal für die Philanthropie und die Medienbranche, dass sich mehr als 20 Stiftungen, Impact Investoren und diverse Ministerien aus DACH und den USA zusammenfinden, um gemeinsam in dieser akuten Transformationskrise der Medien zu handeln. Von der Idee bis zum Launch der ersten Ausschreibung hat es nur wenige Monate gedauert: “Foundations acting at the speed of news”, nennt es Maribel Perez Wadsworth von unserem fördernden Partner Knight Foundation. Ich freue mich, dass diese internationale philanthropische Kollaboration so entschieden handelt, um den unabhängigen Journalismus und damit die Demokratie zu stärken. Aus gut 380 Bewerbungen wissen wir, dass es Dutzende Medien in DACH gibt, die tragfähiger sein könnten, wenn sie eine klare Wachstumsstrategie hätten. Nachdem wir mit Growth Grants gestartet sind, um gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle ins Wachsen zu bringen, sehe ich großes Potenzial in den neuen Strategy Grants, mit denen wir Medien helfen, eine Wachstumsstrategie zu entwickeln und zu testen.
Welche Wirkung konnte der Media Forward Fund in den ersten 18 Monaten befördern?
Wir fördern bislang elf Medien mit 3,5 Millionen Euro und finanzieren bereits 25,5 Vollzeitäquivalente – mit dem Ziel, dass diese Arbeitsplätze erhalten bleiben, wenn unsere Förderung ausläuft. Die ersten Förderpartner sind nun fast ein Jahr dabei und wir sehen, dass die durch unsere Förderung ermöglichten Investitionen Früchte tragen und gemeinwohlorientierte Umsätze bringen. Es zeigt: Im Journalismus gibt es viele gute Ansätze für transformative Geschäftsmodelle, es mangelt bloß an Mitteln (und teils den Skills), um sie ins Wachsen zu bringen. Über unser Upskilling-Programm verbreiten wir das Wissen öffentlich, wie diese Modelle unserer Förderpartner funktionieren.
Woran werdet ihr in fünf Jahren erkennen, dass der Fund strukturell wirklich etwas verändert hat?
Wenn es uns gemeinsam mit unserem Gründungspartner Rudolf Augstein Stiftung und allen anderen Beteiligten gelungen sein wird, unabhängigen Journalismus als Infrastruktur für eine informierte Öffentlichkeit gestärkt zu haben, indem mehr Medien mit neuen gemeinwohlorientierten Geschäftsmodellen tragfähig finanziert sind.

Journalismus sollte auch in Deutschland gemeinnützig sein. Das wäre der größte Hebel, mehr Fördergeld für diese gewaltige Transformation des Journalismus bereitzustellen.
Martin Kotynek
© Rafael Ben-Ari, stock.adobe.com
Der JX Fund unterstützt Medienschaffende, unabhängige Berichterstattung unmittelbar nach ihrer Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten fortzusetzen; und stärkt darüber hinaus den nachhaltigen Aufbau neuer Redaktionsstrukturen im Exil.
Putins Angriff auf die Ukraine hat nicht nur ukrainische Medien in eine existenzielle Krise gestürzt: Zahlreiche Redaktionshäuser wurden bombardiert, Reporter*innen berichten unter Lebensgefahr. In Russland hingegen hat der Kreml die Zensur derart verstärkt, dass hunderte russische Medienschaffende, die dem Druck der Behörden lange getrotzt hatten, innerhalb kürzester Zeit das Land verließen. Viele von ihnen wollen ihre Arbeit im Exil fortsetzen und ihre Redaktionen neu formieren; ähnlich geht es zahlreichen Reporter*innen, die nach der „Wiederwahl“ Alexander Lukaschenkos 2020 aus Belarus geflohen sind. Auch in Afghanistan gibt es nur noch halb so viele unabhängige Medien wie zuvor, seit die Taliban im August 2021 die Macht übernommen haben.
Um diesen und weiteren Medienschaffenden schnell und flexibel dabei zu helfen, ihre Arbeit im Exil fortzusetzen, haben wir im März 2022 gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen (RSF) und der Schöpflin-Stiftung den JX Fund
gegründet – einen europäischen Fonds für Journalismus im Exil. Er will unabhängige Medien im Exil aber auch über eine Phase akuter Aufmerksamkeit hinaus stärken und den nachhaltigen Aufbau neuer Redaktionsstrukturen im Exil unterstützen. Auf diese Weise können sie mit ihren Inhalten ihr Publikum in den Heimatländern weiterhin erreichen.
Der JX Fund wird von einem breiten Bündnis aus Medien und zivilgesellschaftlicher Organisationen unterstützt; er fungiert als Schnittstelle, die die zahlreichen Hilfsangebote bündelt und Ressourcen gezielt dorthin weiterleitet, wo sie am dringendsten gebraucht werden. So soll vermieden werden, dass Unterstützung nur kurzzeitige Effekte hat oder verschiedene Initiativen an selber Stelle doppelt arbeiten.
In Situationen, in denen unabhängige Medien aus dem Land vertrieben werden, sind ihre Stimmen wichtiger denn je. Sie enthüllen, was autoritäre und diktatorische Regime im Dunkeln lassen möchten und trotzen der Zensur. Aus diesem Grund haben wir den JF Fund mitgegründet.
| Förderzeitraum | 2022 bis 2026 |
| Fördersumme | 310.000 Euro |
| Webseite | www.jx-fund.org |
© Wüstenradar
Bis dato gab es in Deutschland kein systematisches Monitoring, inwiefern durch den Rückzug regionaler und lokaler Tageszeitungen Lücken bei der journalistischen Recherche und der Kontrolle von Kommunalpolitik entstehen. Die im November 2024 lancierte Pionierstudie „Wüstenradar“ präsentiert nun erstmals den Status Quo und zeigt Tendenzen auf.
Unabhängige Medien sind unabdingbar für die Demokratie. Sie ermöglichen einen offenen politischen Diskurs, dienen als Vierte Gewalt und Kontrollinstanz für das Handeln von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und beugen Machtmissbrauch und Korruption vor. Sinkende Auflagen und rückläufige Einnahmen im Anzeigensektor haben viele Verlage jedoch in eine riskante wirtschaftliche Schieflage gebracht. Wo lokale oder regionale Zeitungen schrumpfen oder verschwinden, entstehen Leerstellen, die andere Medien nicht füllen wollen, können oder dürfen. Es steht zu befürchten, dass damit auch die Watchdog-Funktion der Presse in Gefahr gerät.
Die mit der digitalen Revolution einhergehenden Umbrüche im Mediensystem haben den Journalismus insbesondere auf der lokalen und regionalen Ebene geschwächt. Dies kann Türen für Korruption und Missbrauch öffnen. Wo die Watchdog-Funktion von Medien ausbleibt, gerät die Demokratie in Gefahr. Während Studien in anderen Ländern wie beispielsweise den USA belegen, dass das Verschwinden lokaler und regionaler Zeitungen zum Ausfall eines zentralen Korrektivs gegenüber der lokalen und regionalen Politik führt, fehlte in Deutschland bislang eine solche empirische Untersuchung. Hier schafft die Pionierstudie „Wüstenradar“ nun Abhilfe. Darüber hinaus wird eine Struktur für ein dauerhaftes Monitoring der Präsenz und des Ausmaßes lokaljournalistischer Berichterstattung etabliert.
Der „Wüstenradar“ ist ein Projekt der Hamburg Media School in Kooperation mit Transparency International Deutschland sowie Netzwerk Recherche e.V..
| Förderzeitraum | 2023-2024 |
| Fördersumme | 47.350 Euro |
| Webseite | www.wuestenradar.de/ |
Der Aufklärung verschrieben: Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (NR) setzt sich für Informationsfreiheit und die Stärkung des investigativen Journalismus ein.
Der 2001 von Journalist*innen gegründete Verein setzt sich in der Aus- und Fortbildung für die Vermittlung von Recherchetechniken ein und unterstützt Projekte, die einen langen Atem erfordern. Das Netzwerk thematisiert in der Öffentlichkeit den Mangel an Recherche und den damit einhergehenden, schleichenden Qualitätsverlust in der Berichterstattung. Mehr als 1.000 Journalist*innen gehören dem Netzwerk inzwischen an.
Eine ebenso hohe Zahl nimmt an der Jahreskonferenz des Netzwerks mit ihren über 100 Einzelveranstaltungen teil. Zudem finden jährlich mehrere Fachkonferenzen statt. Außerdem vergibt NR den Leuchtturm-Preis für besondere publizistische Leistungen sowie Stipendien für herausragende Rechercheprojekte und engagiert sich für den Non-Profit-Journalismus.
Mit unserer Unterstützung konnte im Jahr 2008 eine professionelle Geschäftsstelle eingerichtet werden. Sie übernimmt wichtige organisatorische Aufgaben, unterstützt die ehrenamtliche Arbeit des Vorstands und spielt eine maßgebliche Rolle bei der Planung der Konferenzen. Mit dieser strukturellen Förderung schaffen wir einen Mehrwert für alle Journalist*innen, die die Angebote von Netzwerk Recherche nutzen. Denn: Vernetzung, Wissenstransfer und Selbstreflektion bilden die Basis für Visions- und Innovationskraft der Medienbranche.
| Förderzeitraum | 2008-2026 |
| Fördersumme | insgesamt 605.500 Euro |
| Webseite | netzwerkrecherche.org |
Interview mit Daniel Drepper
Was zeichnet Netzwerk Recherche besonders aus?
Wir haben einen klaren Fokus: Die Recherche. Die fordern wir. Die fördern wir. Die feiern wir. Das schafft eine wachsende Gemeinschaft von Menschen, denen die Recherche als Kern des Journalismus so wichtig ist wie uns.
Was hat sich durch Netzwerk Recherche konkret daran verändert, wie heute recherchiert wird?
Vor unserer Gründung war Recherche ein Randaspekt des Journalismus: einsam, männlich dominiert, mit hohen Hürden. Wir haben tausende Menschen vernetzt, haben gezeigt, dass Recherche ein zugängliches Handwerk ist – und arbeiten daran, der Recherche immer mehr Perspektiven und Stimmen zu geben.
Welche Voraussetzungen braucht gründliche Recherche und was hat Netzwerk Recherche dazu beigetragen, diese zu verbessern?
Recherche braucht drei Dinge: Handwerk, Zeit und Rückgrat. Durch unsere Konferenzen haben wir einen Ort und eine Kultur geschaffen, in der das Recherche-Handwerk auf Augenhöhe geteilt wird. Wir vergeben seit Jahren Stipendien, die Recherchezeit kaufen. Und wir schaffen Reporter*innen mit unserer klaren Linie ein Geländer, das es leichter macht, sich bei Angriffen aufzurichten und stehen zu bleiben.
Was braucht gute Recherche in Zukunft? Welche Rolle kann Netzwerk Recherche in dieser Entwicklung spielen?
Zwischen AI-Slop, Social Media-Polarisierung und schrumpfenden Redaktionen brauchen wir einen Fokus auf die klassische Recherche, auf das Sprechen mit Menschen, auf das Veröffentlichen dessen, was andere nicht veröffentlicht sehen wollen. Wir helfen dabei, zum Beispiel mit unserem neuen Fellowship für Lokale Recherchen, mit Honorar für bis zu sechs Monate, mit Weiterbildung und mit einem pragmatischen Support-Desk. Denn wir glauben, dass gerade im Lokalen eine starke Recherche das Vertrauen in den Journalismus extrem stärken kann.

Journalist*innen werden immer mehr zur Zielscheibe – insbesondere auch im digitalen Raum. Wir merken, wie groß der Gegenwind ist und wie wichtig es ist, dass Redaktionen diese neue, systematische Einschüchterung der Pressefreiheit ernst nehmen.
Daniel Drepper
Der von Civitates initiierte Fonds stärkt den unabhängigen, gemeinwohlorientierten Journalismus auf europäischer Ebene.
Unabhängiger Journalismus steht zunehmend unter Druck. Europaweit kämpfen journalistische Organisationen mit schwindendem Vertrauen, mit Einschränkungen im Bereich der Pressefreiheit und mit erodierenden Geschäftsmodellen.
Aus diesem Grund haben sich unter dem Dach der philanthropischen Initiative Civitates mehrere europäische Stiftungen zusammengeschlossen, um mit dem Fonds „Independent Public Interest Journalism in Europe“ journalistische Organisationen zu stärken.
Im Fokus stehen Akteure, die unter schwierigen politischen und ökonomischen Verhältnissen agieren und dabei hohe Risiken eingehen. Sie müssen entweder gemeinnützig sein oder über eine Eigentümerstruktur verfügen, die garantiert, dass Gewinne in die Organisation reinvestiert werden.
Die Projektpartner*innen erhalten eine mehrjährige Kernfinanzierung und können auf diese Weise ihrer journalistischen Arbeit unabhängig nachgehen und nachhaltige Strukturen schaffen. Gleichzeitig geht es bei der Förderung auch um den Aufbau eines aktiven Netzwerkes, in dem sich die Akteure gegenseitig unterstützen und so den gemeinwohlorientierten Journalismus in Europa dauerhaft etablieren.
Die geförderten Organisationen sind:
- IRPI – Investigative reporting project – Italien
- Stichting Bellingcat – Niederlande
- Fundacja Pismo – Polen
- OKO – Foundation centre for civic monitoring – Polen
- Divergente – Portugal
- Átlátszó Erdély – Rumänien
- Press one – Rumänien
- Pod črto – Slowenien
- Civio – Spanien
- Direct36 – Ungarn
- Magyar Jeti/444.hu – Ungarn
Unabhängiger, gemeinwohlorientierter Journalismus ist essenziell für Demokratien. Er trägt zur Meinungsbildung und aktiven Teilnahme an demokratischen Prozessen bei, deckt Missstände auf und übt gleichzeitig eine Kontrollfunktion aus. Um den unabhängigen, gemeinwohlorientierten Journalismus zu stärken, beteiligen wir uns an dem Fonds.
| Förderzeitraum | 2020-2026 |
| Fördersumme | 195.000 Euro |
| Webseite | civitates-eu.org |
Mit CORRECTIV.Lokal hat das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV ein nationales Netzwerk für kollaborativen Lokaljournalismus geschaffen. Seit 2023 stärkt eine jährliche Konferenz dieses Netzwerk.
Der lokale Investigativjournalismus befindet sich in einer schwierigen Lage: Budget-und Stellenkürzungen sowie die disruptiven Veränderungen der Medienbranche führen dazu, dass aufwändige Rechercheprojekte oft auf der Strecke bleiben. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, hat CORRECTIV eine innovative journalistische Infrastruktur geschaffen: CORRECTIV.Lokal bietet Lokaljournalist*innen, Blogger*innen und Fachexpert*innen eine Plattform, um Informationen und Dokumente zu bestimmten Themen zusammenzutragen und stößt gleichzeitig Recherche- und Enthüllungsprojekte an, die sowohl von lokaler als auch nationaler Relevanz sind. Auf diese Weise entstehen Recherchen, die eine einzelne Lokalredaktion nicht leisten könnte und die dennoch individuell veröffentlicht werden können.
CORRECTIV.Lokal bindet auch gezielt Bürger*innen in seine Arbeit ein.
So beispielsweise für das Projekt „Wem gehört Deutschland?“ zur Analyse städtischer Wohnungsmärkte. Nach der Pilotphase in Hamburg wurde die Recherche in fünf weiteren Städten umgesetzt – basierend auf der von CORRECTIV.Lokal gestellten redaktionellen Infrastruktur. Das Projekt wurde 2019 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
Durch die multilokale Zusammenarbeit bündelt das Netzwerk Wissen und Ergebnisse, die strukturelle Missstände sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene sichtbar machen. Außerdem kann die Kollaboration die Qualität der kritischen Berichterstattung im Lokalen heben und das Projekt zu einer aufgeklärten Gesellschaft beitragen – diese innovativen Ansätze überzeugen. Seit 2023 findet ferner die jährliche CORRECTIV.Lokal Konferenz statt und trägt weiter zur Stärkung des Netzwerks bei.
| Förderzeitraum | 2018-2025 |
| Fördersumme | 585.500 Euro |
| Webseite | correctiv.org/projekte/lokal |
Auf europäischer Ebene strukturelle Missstände aufdecken: Investigate Europe bereichert die Berichterstattung mit Multiperspektivität und exzellenten Recherchen.
Investigate Europe ist ein Rechercheverbund von Journalist*innen aus elf europäischen Ländern. Gemeinsam bearbeiten sie Themen, die in ganz Europa von politischer oder gesellschaftlicher Relevanz sind. Bislang waren das zum Beispiel Recherchen zu Europas Abhängigkeit von Microsoft, zur Kontrolle der europäischen Außengrenzen und zur Ausbeutung osteuropäischer Lkw-Fahrer*innen. Die Rechercheergebnisse werden europaweit parallel in unterschiedlichen Medien und Sprachen veröffentlicht.
In einer globalisierten Welt werden Zusammenhänge immer komplexer, Krisen machen nicht an Ländergrenzen Halt.
Durch die unterschiedlichen nationalen Perspektiven kann Investigate Europe europarelevante Themen ganzheitlich betrachten und Zusammenhänge besser verständlich machen. Die kollaborative Arbeitsweise und das selbstgesteckte Ziel „einmal recherchieren, 28mal veröffentlichen“ stehen zudem modellhaft für eine zukunftsfähige grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Journalismus. Die inhaltliche Arbeit und das Experimentieren mit einem neuen Geschäftsmodell von Investigate Europe überzeugen uns – deshalb fördern wir das Projekt seit seiner Gründung.
| Förderzeitraum | 2016-2025 |
| Fördersumme | 155.000 Euro |
| Webseite | investigate-europe.eu |
Wissenstransfer und Kollaboration: Die Dataharvest-Konferenz vernetzt Journalist*innen und Programmier*innen aus ganz Europa.
Die „European Investigative Journalism Conference & Dataharvest“ ist das wichtigste europäische Zusammentreffen von Investigativ- und Datenjournalist*innen. Die jährlich in Belgien stattfindende Konferenz kombiniert theoretische Inputs mit praktischen Arbeits-Sessions. Die Themen reichen von Algorithmic Accountability Reporting über Informationsfreiheit bis hin zur Stärkung lokaljournalistischer Initiativen. Verschiedene Vernetzungsangebote ermöglichen es, länderübergreifende Kollaborationen direkt vor Ort zu initiieren.
Große Datenmengen verstehen und darstellen zu können, wird immer wichtiger für das Aufdecken von (internationalen) Verflechtungen und politischen wie gesellschaftlichen Missständen.
Vor diesem Hintergrund schafft das praxisorientierte Programm der Dataharvest einen idealen Rahmen für den Wissenstransfer zwischen Programmierer*innen und Journalist*innen aus ganz Europa. Wir sind sicher: Der interdisziplinäre und internationale Erfahrungsaustausch stärkt den Investigativjournalismus nachhaltig – deshalb fördern wir die Dataharvest seit 2017.
| Förderzeitraum | 2017-2025 |
| Fördersumme | 128.000 Euro |
| Webseite | dataharvest.eu |
© Skye Studios, Unsplash
Der WPK-Innovationsfonds Wissenschaftsjournalismus unterstützt Pionier*innen, die im Wissenschafts- und Datenjournalismus neue Wege beschreiten wollen.
Exponentielles Wachstum, Inzidenzen, Virusvarianten: Die gesellschaftliche Relevanz herausragender wissenschafts- und datenjournalistischer Arbeit war nie so gegenwärtig wie in der Corona-Pandemie. Um journalistische Pionier*innen auf diesem Gebiet bei der Umsetzung innovativer Vorhaben zu unterstützen, haben wir im Frühjahr 2022 den WPK-Innovationsfonds Wissenschaftsjournalismus mitinitiiert.
Der Innovationsfonds unter dem Dach der Wissenschaftspressekonferenz (WPK) – Deutschlands Verband der Wissenschaftsjournalist*innen – bietet neben finanzieller Unterstützung auch kostenlose Beratung durch ein externes Expert*innennetzwerk an, zum Beispiel in steuerlichen, technischen oder juristischen Fragen. So trägt der Fonds dazu bei, dass journalistische Gründer*innen im Wissenschafts- und Datenjournalismus bestmögliche Bedingungen für die Umsetzung ihrer Innovationsidee vorfinden.
Der WPK-Innovationsfonds richtet sich explizit an ein breites Publikum: gemeinnützige Akteur*innen, Einzelpersonen, privatwirtschaftliche
Medienunternehmen, Universitäten, Journalismusschulen oder gemischte Teams. Auch Bewerber*innen von außerhalb des Journalismus (Programmierer*innen u. ä.), die Ideen für einen zukunftsfähigen Wissenschafts- und Datenjournalismus verwirklichen möchten, unterstützt der Fonds. Mithilfe zwei unterschiedlicher Förderlinien wird sowohl die Entwicklung kleinerer experimenteller Ideen ebenso wie die Umsetzung größerer langfristiger Vorhaben unterstützt.
Um neues Wissen für die Ausgestaltung künftiger Konzepte der Journalismusförderung zu generieren, wird der Fonds über die Laufzeit von drei Jahren zusätzlich mit einer transformativen Forschung durch die Bauhaus-Universität Weimar begleitet.
Strukturwandel aktiv gestalten und damit nachhaltig den Wissenschafts- und Datenjournalismus der Zukunft fördern – dieses Vorhaben unterstützen wir mit unserer Beteiligung am WPK-Innovationsfonds Wissenschaftsjournalismus.
| Förderzeitraum | 2022-2024 |
| Fördersumme | 50.000 Euro |
| Webseite | innovationsfonds.wpk.org |
Mehr Vielfalt im Journalismus: Das Mentoringprogramm der Neuen deutschen Medienmacher*innen unterstützt Journalist*innen mit Einwanderungsgeschichte oder Fluchterfahrung beim Berufseinstieg.
Journalist*innen mit Migrationshintergrund sind immer noch eine Seltenheit in deutschen Redaktionen. Der Berufseinstieg ist für sie oft mit besonderen Hürden verbunden. Das Mentoringprogramm „Wege in den Journalismus“, später „Vielfalt stärken“, setzt hier an. Die Teilnehmenden werden von erfahrenen Kolleg*innen gecoacht, erhalten zahlreiche Weiterbildungsangebote und knüpfen durch Redaktionsbesuche und Projekte Kontakte zu renommierten Medienhäusern. Ziel des Programms ist es, im Anschluss möglichst viele Mentees in Volontariate oder Anstellungen zu vermitteln.
Wir sind überzeugt: Eine möglichst große Vielfalt von Perspektiven ist essenziell für eine ausgewogene und möglichst vorurteilsfreie Berichterstattung – nicht erst seit Themen wie Migration und Integration wieder kontrovers diskutiert werden. Oft verhindern strukturelle Hürden, dass Journalist*innen mit Migrationsgeschichte ihr Wissen in Redaktionen einbringen können. Das Mentoringprogramm verfolgt einen umfassenden und nachhaltigen Ansatz, um diese Hürden abzubauen – deshalb unterstützen wir das Projekt.
| Förderzeitraum | 2016-2022,2025 |
| Fördersumme | 36.000 Euro |
| Webseite | neuemedienmacher.de |